Er schien im Finale des vorletzten Riesenslaloms dieses für Österreich immer noch sieglosen Weltcupsaison in Hafjell den Champion hervorzukehren, der in Saalbach zwar überraschend, aber nicht zufällig Weltmeister geworden war. Und darum attackierte der Tiroler vom Achensee auch derart auf Teufel komm raus, dass sogar dem TV-Experten Thomas Sykora bei der tollen Fahrt zur vermeintlich überlegenen Zwischenbestzeit das Herz im Leibe lachte, bis …
… nicht nur ihm, sondern auch dem p. t. Fernsehpublikum im übertragenen Sinn des Herz stehenblieb. Der Salto, den Haaser nach einem Einfädler mit der Hand bei einem Tor schlug, das er zu eng genommen hatte, raubte einem tatsächlich fast den Atem, erst recht, als er zunächst so regungslos im Schnee lag. dass ihn zwar die Fotografen ins Visier nahmen, der TV-Regisseur aber wegblendete. Er nahm ihn wieder ins Bild, als er auf wackeligen Beinen in gebückter Haltung und blutig-blutenden Gesichts doch wieder stand, später sogar als Mono-Skier wie einst Bode Miller in Bormio ins Ziel fuhr.
Keine sechs Wochen nach seiner Schwester Ricarda, die sich im ersten WM-Bewerb bei einem vermeintlich weit harmloseren Ausrutscher das Kreuzband mit operativen Folgen und langer Reha gerissen hatte, scheint sich der Weltmeister beim viel ärgeren, weit spektakuläreren Abflug offenbar nichts gerissen, dafür aber einige Zähne ausgeschlagen zu haben. Sarkastisch formuliert, ließe sich sagen: Wäre er nicht mit so viel Biss gefahren, wäre er jetzt nicht zahnlos …
Kein Scherz hingegen, dass die Ironie auch tiefere Bedeutung hat, weil der Horror-Sturz eines weltmeisterlichen Spitzenläufers nicht nur demonstrierte, wie eng Siegen und Fliegen, Freud und Leid nebeneinander liegen – er hat auch dramatisch-dramaturgisch vor Augen geführt, wie schnell man mit dem immer mehr ans Limit oder darüber hinaus gehenden Material selbst bei einem zunächst kaum ersichtlichen Fahrfehler zum wahrlosen Passagier auf der Piste werden kann.
Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich, dass die in vielen Bereichen alles andere denn weitsichtige, geschweige denn gesättelte FIS endlich auf die Bremse steigen muss – sowohl puncto Materialentwicklung als auch hinsichtlich Speed, der inzwischen sogar schon im Riesenslalom immer wieder übers Ziel schießt. Und über alle anderen Imponderabilien des von einem steinreichen Quereinsteiger nicht wirklich ernsthaft geführten Verbandes hinaus kann man da nur fordern: Tempo, Tempo, Mister President, bevor noch Schlimmeres passiert. Wer zu spät kommt, den kann die Geschichte nämlich bestrafen statt zum neuen IOC-Boss zu küren.

