Der Anzugskandal um Norwegens Skispringer hat zwar inzwischen zu weiteren Suspendierungen im Norge Förbund geführt, allerdings zu Personen, die niemand namentlich vordem kannte. Da ja Skandale für den Boulevard so etwas wie ein Geschenk des Himmels sind, aber auch fehlende Erfolge entschuldigen, widmet die wintersportlich sonst eher peripher interessierte „Bild“-Zeitung täglich den nordischen Schwindlern jenen Platz, den man in der Homepage des Weltverbandes, der FIS also, mehr oder weniger vermisst.
Wer sich heute auf die Suche danach begibt, muss einige Geschichten überspringen, ehe er die Story findet ganz so, als wäre sie sowieso schon Schnee von gestern, obschon auch vom IOC-Präsidenten-Kandidaten Johan Eliasch abwärts alle Topfunktionäre wissen, dass da eine Lawine losgetreten wurde, die sich auch mit der Blinde-Kuh- oder Scheuklappen-Rolle kaum wird aufhalten lassen. Der fast schon krampfhafte Versuch der mittlerweile als Scheinheilige entlarvten Norweger, den Skandal auf zwei Springer (Lindvik/Foto, Forfang) im finalen Schanzen-Medaillenkampf einzuengen, ist so unglaublich wie unglaubwürdig.
Es hat nichts mit enttäuschtem Patriotismus ob verpasster Goldenen zu tun, wenn man auf die treffenden Aussagen des auch nicht immer linientreuen Andi Goldberger verweist. Wer soll, wie er als Weltmeister betont, wirklich glauben, dass die Norweger just im wichtigsten aller Schanzen-Wettkämpfe ihre Topleute in einen neu vernähten Anzug gesteckt haben, den sie vorher nie getestet haben? Und wer soll glauben, dass ein Olympiasieger wie Lindvik und der erst im WM-Countdown immer stärkere Forfang in ein Material geschlüpft wären, von dem sie angeblich weder gewusst noch gespürt hätten, dass er manipuliert worden war. Das, werte Blog-Leser, scheint absoluter Mumpitz in einer Sportart, in der Sensibilität ein ganz wichtiger Faktor ist. Komme keiner und sage, er hätte das bessere Fluggefühl nicht gespürt, schon gar nicht ein Olympiasieger. Gelten für Material-Doping andere Regeln als jene aus Pillen, Dosen, Flaschen aus der Pharma-Forschung?
Wenn ich daran denke, welch eine Hexenjagd seinerzeit auf Österreichs Nordische nach Salt Lake City und in Turin organisiert, veranstaltet und mit medialem Trommelfeuer begleitet wurde, dann warte ich jetzt, ob auch die FIS bei einem ebenso verbotenen Material-Doping mit allem Drum und Dran so rigoros vorgeht wie damals. Und ich frage mich, ob es reicht, wenn der eine oder andere Funktionär, frei nach Qualtinger besser Zwerg von links sagt: Mea Culpa, me culpa. Lindvik (2.) und Forfang wurden war disqualifiziert, Norwegen verlor also ein Silber, aber von weiteren Konsequenzen oder Sperren wie im Fußball nach besonders brutalen Fouls hab´ ich zumindest bis heute nichts gehört.
Womöglich sogar deshalb, weil sich´s der schwedische FIS-Boss mit Wohnsitz London in seiner Kandidatur als IOC-Präsident mit den Norwegern/Skandinaviern nicht verscherzen will? wer weiß…? Verschlungen sind bekanntlich viele Wege und Sportpolitik mitunter so heuchlerisch bis schmutzig wie jene um und in der Welt. Aber irgendwann haben alle Lügen kurze Beine. Nicht nur in neu vernähten Anzügen.

