
Eigentlich wollte ich ja was zum Glasner-Debakel mit der Crystal-Palace-Blamage schreiben, alternativ vielleicht auch über den inzwischen vierfachen Nordisch-Kombi-Saisonsieger Lamparter und die Rodler-Armada, die unter dem ÖOC-Vizepräsidenten Markus Prock sowohl Siege als auch Podestplätze en masse in diesem Winter einheimsen, oder die noch jungen, aber hoffnungsvollen Kufenflitzer, die trotz Fabel-Rekorden und Fast-Medaillen nur Randnotizen sind. Im Gegensatz zu den auch ohne Thiem auf Händen getragenen Tennisspielern, die Neo-Österreicherin Potapova inklusive, die heute gegen eine Unbekannte verlor, während Lucas Miedler das Doppelturnier in Bisbane gewann – mit dem Portugal-Riesen Cabral statt des Tirolers Erler an seiner Seite …
Dann aber bekam ich eine Mail, bei der es mich – ganz ohne Chemo-Folgen – fast vom Sessel gerissen hätte, dass es so etwas in diesem ohnehin mit Olympioniken abseits von Pisten und Schanzen nicht gerade gesegneten Lande geben könnte. Wie wir alle wissen, wurde die sogenannte Eisgräfin Emese Hunyady in Budapest geboren, hat als Kunstläuferin begonnen, ehe sie auf langen Kufen in Sarajevo für Ungarn ihr erstes Olympia erlebte und schließlich durch die Hochzeit mit jenem Thomas Nemeth, mit dem sie trotz Trennung auch heute noch befreundet ist, zur Neo-Österreicherin wurde, die fortan für das ÖOC und Rotweißrot nicht weniger als fünfmal bei Winterspielen startete mit der Krönung zur Olympiasiegerin 1994 in Lillehammer/Hamar begleitet von weiteren Olympiamedaillen, WM- und EM-Titeln, zahlreichen Medaillen. Und mit Gold und Silber im Wikingerschiff die bejubelte Nr. 1 im Österreich-Team…


Dolist Gabriel Odor fehlten zwei Zehntel auf Medaille, Feller bejubelte in Adelboden sein erstes Top-Resultat.
Wer erinnert sich nicht des auch vom Olympiapublikum in Hamar akklamierten Donauwalzers, den die Eisgräfin genannte Emese als Dank für die Einbürgerung damals mit der rotweißroten Flagge in der Hand tanzte. Ja, damals, als Österreich noch auf Gold gewartet hatte, das der Rodelfreund Prock um Tausendstel verfehlt hatte, wurde der Österreicherin aus Ungarn der rote Teppich ausgerollt. Inzwischen gehen die Uhren anders. Inzwischen ist Geschichte sozusagen Geschichte, weil man meint, die meist Versager-Helden hofieren zu mpüsen, die dort aufztreten, wo unser Staatsfunk die Rechte hat. Zum Vergleich sei gesagt, dass amTag, an dem der ewige Risiko-Feller beim Tanz zwischen Siegen und Fliegen mit hochgerechneten Olympiachancen guter Fünfter imAdelboden-Slalom geworden war, ein gewisser seit Jahren auf sich allein gestellter Kufenflitzer namens Gabriel Odor aus Tirol bei der Eisschnelllauf-Europameisterschaften in Polen über 1500m seghr guter Vierter geworden war, nur zwei Zehntel hinter Bronze. Sozusagen Nebensache.


Hauptsache, es regiert – so kann man sich irren, das muss ich gestehen – im neuen ÖOC unter neuer Führung das Prinzip, dass wir mit aller Macht gegen den historischen Strom rudern, der uns als neue Macher nichts angeht und nicht interessiert. Oh Du mein Österreich, du kannst glücklich sein, solch tolle Protagonisten in Sachen Olympia zu haben. Darauf kann Emese, wenn ihr nicht die Lust und Laune vergangen ist, dann im Österreich-Haus in Cortina d´Ampezzo anstoßen, ein paar hundert Kilometer von der Eisschnelllaufbahn in Mailand-Messegelände Malpensa entfernt. Prost auf das Leitmotiv: Oh Du mein Österreich oder: Mir san Mir, gell. Zum Zerkugeln für Normalverbraucher, diese neue Normalität – aus dem In-und noch mehr aus dem Ausland..













