Ich bin, ehrlich gesagt, eher empört darüber, dass meine Kollegenschaft samt dem vom ORF (von Sky, das keine Rechte hat) gekauften Andi Herzog (keiner müsste das besser wissen als er, der bei LA Galaxy bgespielt hat und dort auch Klinsmann-Assistent war), der aber auch in anderen Rechte-Sendern auftritt, die Auswahl des tollen WM-Quartiers in Santa Barbara weiter bejubeln, als stünde dieses sündteure (Doppelzimmer pro Nacht um ca. 1000 Euro) so ums Eck von zwei der drei Vorrundenspiele wie Baden bei Wien. Aber in der wahnwitzigen Superlativ-Sucht, in der nur noch Zahlen statt Realitäten verkauft und als Traumrekord mit Handkuss gefressen werden statt das wo, warum und wieso zu hinterfragen, wird ja von den neuen Volkshelden alles geradezu leidenschaftlich transportiert, ist Recherche sekundär, offenbar viel wichtiger, mit Schönbildern und sonstiger Schönfärberei aufzutrumpfen. Dazu gehört natürlich die Regel, die längst in die Jahre gekommenen Altstars A. und A., die bei ihren Klubs zu Wechselspielern – wenn überhaupt – geschrumpft sind, in den Fußballhimmel zu heben, als wären sie und nicht das Original die neuen Messi (ass)e des Fußballs, Teamchef inkkusive.
Wie gesagt, ich habe bisher nur Jubelberichte, Präsiddent Pröll inbegriffen, über die Santa-Barbara-Wahl des ÖFB gelesen, gehört und gesehen, zu denen meine mancherorts als Verschwörungstheoretiker abgestempelte Wenigkeit der Ordnung halber einige Fakten sagen bzw. schreiben muss. Bekanntlich tragen wir zwei der drei Vorrundenspiele NICHT in Kalifornien oder etwa nördlich oder östlich angrenzender Bundesstaaten aus, sondern eines in Dallas, Texas, der zweiten Heimat des legendären Wembley-Toni Fritsch, der ebendort als Superbowl-Sieger mit den Cowboys auch 21 Jahre nach dem Tod einen Hero-Status besitzt (sonst hätte ja der in den USA lebende Stiefsohn Hans nicht die Idee gehabt, Toni nicht in Petronell zu begraben, sondern seine Asche im Texas-Stadion bei einem NFL-Hit zu verstreuen), das zweite in Kansas City, zwei Midwest-Großstädten, die voneinander etwa eine Flugstunde entfernt sind.

Für unser schon jetzt als WM-Geheimtipp gefeiertes Team und Konsorten samt Chefkoch heißt Santa Barbara als Stützpunkt, dass wir drei Stunden und 20 Minuten durch zwei Zeitzonen zu zwei der drei Spiele anfliegen müssen, Check-in und Check-out samt Hotelanreise (oder Übernachtung) exklusive. Um dies zu skizzieren, sei gesagt, dass es auf Österreich umgelegt hieße, dass wir von Stützpunkt Wien (oder Burgenland, dem Sponsor) zu zwei Matches von Schwechat nach Sotchi oder ein Stückerl weiter als Belek im Süden jetten. Hätte man einst dem (Rekord) seligen“Wötmasta“ Happel so etwas zugemutet, hätte einer der besten Fuballtrainer aller Zeiten wohl in seiner skurrilen Art, aber voll Hausverstand, ganz sicher gesagt: Seid´s ihr no normal? Wir fliegen do net quer durch Europa hin und zruck zu zwei Match, damit ma dann wieder daham trainieren kennan …?“
Aber mittlerweile herrscht ja, als wäre alles Liebe, Wonne, Waschtrog, die staatlich seit der Pandemie erklärte neue Normalität, die ja Althergebrachtes zugunsten Neuverordnetem in den Mistkübel auch der Fußballgeschichte geworfen hat. Aber wer weiß, vielleicht haben neue Wunderwuzzis entdeckt, dass mittlere Langstreckenflüge im sitzenden Zustand samt Zeitzonenunterschiede die beste aller Vorbereitungen sind, um die Vorausseztzungen für Sensationen zu schaffen. Sie werden übrigens mit blitzartiger medialer Verbreitung schon jetzt euphorisch allenthalben als rotweißrote WM-Tatsache rund um A. und A. ebenso wie R. R. verkauft. Wichtig sind die Superlative, auch wenn sie für Realisten wie mich inzwischen an die Beute des Wahnsinns grenzen.







