Es war alles andere als eine kleine Nachtmusik, die gespielt wurde, sondern ein Theaterdonner, inszeniert von einem Argentinier namens Navone, der sich damit über New York, Queens und Flushing Meadow hinaus das lauteste Echo seiner Karriere 22.000 mehr oder weniger prominente Zuseher eine Götterdämmerung, die der schmerzgeplagte Hauptdarsteller aus Serbien zuvor beim höchstdotierten, lautesten, mitunter schrillsten Grand Slam noch nie erlebt hatte. Es war so, als hätte einem der größten Tenöre der Geschichte just dann, als er die höchsten und schönsten Töne treffen sollte, auf einmal die Stimme versagt. Der Wille, sich wider besseren Wissens und körperlicher Defizite als Meister aller Klassen zu behaupten, ging nach 4 1/2 Stunden nicht fürs Werk. Die dramatische Tennis-Oper nahm dramaturgisch eine Wende zum tragischen Schwanengesang…
Normalerweise müsste man jetzt sagen: Bye, bye Novak Djokovic, bester Joker aller Zeiten, der zwei Dutzend an Grand-Slam-Titel und mehr als 100-Turnier- und die meiste Masters-Siege errunge hat. Aber wer meit, ma könnnte zum Nole, wie er auch gerufen wird, angesichts der Fünfsatz-Niederlage auf Nimmerwiedersehen sagen, der könnte sich im Stehaufmännchen aus Belgrad, das .mittlerweile nach Athen ausgewandert ist, trotzdem irren. Wer weiß, was ihm, wenn er allen Auguren zum Trotz nicht aufhört, sondern weiter den 25er an Grand Slams jagt, noch zuzutrauen ist? Was, wenn ihm nicht mehr zum Kotzen ist oder der Körper zwickt und zwackt, sondern mit knapp 40 unter der Ägide von Spezialisten rundumerneuert eime allerletzte Herausforderung sucht? Wer weiß, was ihm so alles einfällt als Außenseiter der Federer-Nadal-Gesellschaft, an dem sich nicht nur als Impf-Muffel vor und ach der Pandemie stets die Geister schieden.
Mehr noch, weil er oft eher Buhrufen und Pfeifkonzerten ausgesetzt war denn Beifallsorkanen. Den größten Applaus im NY-Tennistempel, der Ashe-Stadium heißt, gab´s für Djokovic anno 2021, als er im Tränen ausbrach, weil ihn der Russe Medwedew im Endspiel deklassiert hatte. Kurzum, der Seriensieger musste verlieren, um die Sympathien der Mehrheit an Fans zu gewinnen. Auf einmal hatte sich der Volksfeind in Everybodies Darling verwandelt. So verrückt ist die Welt, für die Fairness höchstens ein Lippenbekenntnis, wenn nicht Fremdwort geworden ist.
Die New-York-Schlacht ist für de Djoker nach zwei Niederlagen, eine im Mixed mit der ebenfalls kriselnden Titelverteidigerin Sabalenka, eine im Single, wo der Stärkste wie gesagt am stärksten allein ist. Mittlerweile ist der Überdrüber-Serbe zum Halbstarken geschrumpft, der Seinesgleichen keine Angst mehr einflößt wie jenem Navone, der die Götterdämmerung schon im allersten Akt vollzog. Jetzt wäre es schön, weürden sich einige aus dem halben Dutzend an Österreicher (inne)n am argentinischen Sensationsregisseur ein Beispiel nehmen. Wie gestern Nacht erlebt, so scheint ja fast alles möglich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten…
