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Diese Winterspiele getrennter Orte und weitester Wege überfordern die meisten Printmedien

Ich melde mich heute aus gegebenen Anlass beim Präsidenten des Weltverbandes der Sportjournalisten, meinem alten Wegbegleiter Gianni Merlo, den ich schon vor Jahrzehnten als kompetenten Pressechef bei der LA-WM 1987 in Rom kennen- und schätzengelernt habe – und der auch später als Weltpräsident dem von mir mir mit dem weitsichtigen Geschäftsführer Johann P. Fritz (+) ins Leben gerufenen „Presse“-Weltcup der Skimarken in Wien die Ehre gab. Lieber Gianni, mir ist schon bewusst, dass Dein Patriotenherz als emeritierter Redakteur des medialen Platzhirschen „Gazzetta dello Sport“ mit Sitz in Mailand mit der Vergabe der in wenigen Tagen beginnenden Winterspiele Milano/Cortina höher schlägt, du stolz bist, dass Olympia nach genau 20 Jahren wieder nach Mitteleuropa und ein Häuserl weiter von Turin nach ganz Norditalien mit Entfernungen bis zu 400km auf vier Rädern und bei womöglich winterlichen Adria-Tief-Bedingungen, also Schnee und Glätte auf Bergstraßen, stundenlangen Fahrten verbunden ist.

Diese Winterspiele der langen statt vergleichsweise kurzen Distanzen wie noch in Turin, wo im  Raum Sestriere alles ziemlich schnell erreicht werden hatte können, sind mit wenigen Ausnahmen für die Printmedien finanziell kaum mehr zu stemmen, weil kein Berichterstatter über TV-Übertragungen in einem der Pressezentren hinaus mehr als ein Event covern kann. Wie etwa bei den Alpinen, wo die Reise von Bormio nach Cortina d´Ampezzo selbst bei Bleifuß-Akrobaten einige Stunden dauert. Abgesehen davon, dass sich der olympische Eid voll pathetischem olympischen Geist, der Sportler im olympischen Dorf einen sollte, durch Dörfer oder gemietete Hotels sowieso in norditalienische Luft auflöst. Und wie sollen, wenn sich wie durch ein Wunder die bisher eher formlosen ÖSV-Skistars in Bormio was gewinnen, dann im Österreich-Haus (Foto) ordentlich feiern, wenn der/die vielleicht wieder im Training oder Wettkampf starten muss?

Da ich als in die Jahre gekommenes Auslaufmodell (samt Therapie) nach 19x Olympia seit 1972 in München nur noch via Fernsehen und Recherchen dabei bin, kannßs mich nicht kratzen. Wäre ich aber noch bei einer doch – zummindest damals nicht – auf Rosen gebetteten Zeitung, würde sie sich höchstens einen Mann delegieren, vielleicht dann und wann für einen oder zwei Tage einen zweiten, wenn überhaupt, schließlich haben sich auch die Hotelpreise den olympische Ausmaßen oder Auswüchsen angepasst. Ja, Gianni, ich fürchte, dass die Gigantonomie die Machbarkeits- und Möglichkeitsgrenzen der Printmedien überschreitet, was ja nicht mit Milano/Cortina endet, sondern gleich weitergeht mit der Fußball-WM in  den USA, in Kanada und in Mexiko.

Dort, wo meine Wenigkeit noch live vor Ort im Aztekenstadion von Mexiko City erlebte, wie die Hand Gottes das 1:0 Argentiniens gegen England erzielen durfte, ehe Fußball-Genius Maradona eines der unlLaublichsten Solodribblings von der Mittellinie bis zum regulären Tor zum 2:0 hinlegte. Damals waren die Distanzen anno 1986 noch überschaubar und der Zugang zu Trainern wie Spielern sigar in Hotels wie bei den Dänen nach dem 6:1 gegen  Uruguay. Jetzt ist ja alles anders, jetzt wird auch  noch möglichst gefiltert, was man sagen kann und nicht mehr darf. Und jetzt regiert nur noch das Fernsehen, das diktiert, was wo wann stattfinden kann, um die Sponsoren so gut sichtbar und oft wie möglich ins Bild zu bringen. Die Schreiberlinge haben Nachrang, auch wenn  Ihnen die Zeit davonläuft. Ich persönlich meine auf meine alten Tag, dass auch Du, mein langjähriger Wegbleiter,  diesem journalistischen Zeitgeist mit der Macht des AIPS-Weltpräsidenten bei all Deinen Meriten entgegen hättest stemmen müssen, dass für einen Großteil der Kollegen diese Form von Olympia im wahrsten Sinn des Wortes jenem Bach runtergeht, der beim Zuschlag noch federführend als Chefolympier war. Dass seine Lieblings-Nachfolgerin Kirsty Coventry, Goldfisch aus Zimbabwe, schon vor der Eröffnung die besten Winterspiele aller Zeiten ankündigt,  dass ss sich au f jeden Fall um jene der weitesten Wege handelt, die es je gab.  

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