So sehr der vierte Triumph vom Scheib-Julchen, mit dem sie sie wohl die RTL-Kuel so gut wie sicher hat, so sehr dieser Sieg der Patriotenseele gut tut, so zog auch die Konkurrenz den Hut vor einem italienischen Muster an Selbstüberwindung. Der erste Renneinsatz von der Mehrfach-Weltcupsiegerin Federica Brignone nach einem doppelten Schien- und Wadenbeinbruch vor acht Monaten war die absolute Sensation dieses Riesenslaloms auf dem selektiven Hang in Kronplatz bei Bruneck in Südtirol.
Angesichts dieses fantastischen Comebacks einer Schwerverletzten und Vielfachoperierten schoss mir der Gedanke ein: Wie sich die Dinge bei den Queens und Kronprinzessinnen der Skirenndamen doch gleichen, die schwere Verletzungen mit siegen und Medaillen distanzieren! Schlag nach bei Lindsey Vonn, die mit künstlichem Teil-Kniegelenk dem hohen Alter und der Jugend ein ums andere Mal ein Schnippchen schlägt. Schau nach bei Mikaela Shiffrin, die nac schwerer Unterleibsverletzung von Killington und langer Pause zumindest im Slalom noch stärker auftrumpfte, um einen Rekord nach dem anderen zu brechen. Schlag nach bei Nina Ortlieb, Stehaufgirl und Olympionikentochter aus Lech am Arlberg, die nach mehr als 25 Operationen aktuell das heißeste Speed-Eisen des gebeutelten ÖSV-Teams ist, zumindest konstanter vorn als selbst Conny Hütter oder Miriam Puchner. Und nicht zu vergessen eben die zauberhafte Julia, die aus Kreuzbandfrissen kam, um die Nummer 1 zu werden.



Von Scheib über Vonn bis Ortlieb und Brignone (Cover) – mit harter Comeback-Arbeit zurück zur Spitze.
Da ja bekanntlich Nichts aus Nichts kommt, sollte dieses Phänomen des fast kollektiven Aufstands der Verletzten und Rekonavleszenten jedenfalls von Chef-Trainern und anderen wissenschaftlich geschulten Experten einmal einer genauer Untersuchung unterzogen werden. Der erste simple, aber logische Umkehrschluss aus diesen Beispielen sagt für mich jedenfalls aus, dass die mehr oder weniger lädierten Rennopfer dann, wenn sie trotz Schmerzen sportliche Visionen haben, sich mit Herzblut noch mehr in die Rehabilitation knien und noch mehr Schweiß im Training vergießen, auch wenn sie dabei an oder gar über die Grenzen der Belastbarkeit gehen müssen, um dort anzuschließen, wo sie schon waren. Oder noch besser werden wollen.
Der Konditionstrainer von Lindsey Vonn aus dem Bullen-Stall hat im Servus-TV-Talk am Vorabend auf der Seidlalm angedeutet, mit welch Totaleinsatz die US-Amerikanerin ihr spezielles Training betreibt, eher noch eins drauf- statt runtersetzt im Countdown zu einer (Rückkehr)-Saison. Ein Fingerzeig für die Chefitäten der Szene, dass die von Kopf bis Fuß gesunden Ski-Damen und Pistengirls womöglich unbewusst nicht an oder über die Schmerzgrenzen in ihrer Vorbereitung gehen, darum womöglich oder wahrscheinlich den Comeback-Sensationen den Vortritt lassen müssen. Ich bin schon neugierig, ob sich auch die rotweißroten Coaches mit diesem Thema so auseinandersetzen wie mit der Frage, warum alle anderen ÖSV-RTL- Läuferinnen sich punkto Skitechnik und Angriffslust von der steirischen Julia kaum ein Scheibchen abschneiden. Ganz zu schweigen von der unglaublichen Brignone…
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