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Kassandra Knauß oder: Nicht alles ist Gold, was glänzt

Wenn und was Freund Hans Knauß kommentiert, das ist nicht immer jedermanns Sache, das weiß unsereins aus vielen Gesprächen mit (Ski-)Freunden. Was Knauß aber beim Servus-Talk im Hangar am Montag nach dem Weltcupfinale nicht nur zu den Absagen bzw. dem Teambewerb gesagt hat, das kann, nein: muss man unterstreichen. Gerade angesichts der Anwesenheit der Weltmeister und kleinen Weltcup-Kugelgewinner Schwarz und Kriechmayr verwies der ORF-Experte, Olympiazweite 98 und WM-Dritte 99 (um 0,01 an geteiltem Gold vorbei) auf die nicht zu leugnende Tatsache, dass es in der rotweißroten Skination sowohl in der Spitze an einer so großen Dichte wie zu seiner aktiven Zeit fehle, als auch im Nachwuchs, bei dem es schon im Teenager-Alter zum (rätselhaften) Karriereknick komme.

Andersrum formuliert: Der ÖSV dürfe sich nach der von allen Diskussionseilnehmern samt Präsidenten hochgelobten Schröcksnadel-Ära nicht auf den Lorbeeren von Liensberger, Kriechmayr und Co ausruhen. Vielmehr hätte er die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die Gründe zu suchen und zu finden, warum der Schwund an hochtalentierten Schülern und Jugendlichen an der Schwelle zum Twen im Vergleich zu anderen Ländern so oder sogar zu groß sei – unabhängig vom Verletzungspech, mit dem ja fast alle Skinationen zu kämpfen hätten.


Wo er recht hat, hat er recht, der Hansi Knauß, denn Vorbeugen zur rechten Zeit verhindert Heulen zur falschen Zeit, das ist nicht nur so einfach daher gesagt, sondern sollte ein Gebot der Stunde sein. Ich höre schon die einen oder den anderen (aus dem Skiverband oder dessen Nähe), wie sehr die ÖSV-LäuferInnen den Europacup dominiert, wie viele Quotenplätze für die kommende Saison sie geholt hätten. Natürlich stimmt das, aber natürlich stimmt auch, dass keiner der Europacup-Dominatoren in den vergangenen Jahren den Weltcup quasi auf den Kopf gestellt hätte, gekommen und revolutionierend bis triumphierend gesagt hätte: Hoppla, jetzt komm ich. Nein, nein, ich bin schon da, hurra, hurra!

Die Realität schaut anders aus: Hin und wieder fuhr mal der eine, mal eine andere, meist begünstigt durch Wetter und Nummer, überraschend in die Top 10, ich kenn´ aber keine (n), der/die sich vom Europacup-Matador zum Weltcup-Zampano entwickelt hätte. Wenn ich mich nach Durchsicht der Resultate nicht irre, traf mit wenigen Ausnahmen, sprich: unerfüllten Hoffnungen a la Nadine Fest, das eher auf jene zu, die sich schon bei Juniorenweltmeisterschaften in welcher Farbe immer veredelt hatten wie früher ein Raich oder Hirscher, eine Schmidhofer oder Fenninger-Veith, aber auch wie Adrian Pertl und – nein, es bleibt abzuwarten, ob Raphael Haaser bei den Großen wirklich hält, was er als Juniorenstar versprochen hat. Oder wie so viele, die Hans Knauß pauschal angesprochen hat, ohne Namen zu nennen, schon untergehen, bevor alles angefangen hat.

Das sind keine Kassandra-Rufe eines Stars von vorgestern, sondern ein realitätsbezogener Blick eines Besorgten, der nicht nur aus eigener Erfahrung weiß, was Skilauf und Skirennsport in und für ein Land wie Österreich bedeuten. Darum sollte man lieber die Ohren spitzen statt mit dem Finger auf ihn zu zeigen, als wäre er ein Nörgler oder gar Nestbeschmutzer. Die Wahrheit, so sagt ein geflügeltes Wort, hört keiner gern. Schon gar nicht, wenn sie hinter Titeln und Kugeln verborgen ist. Trotzdem: Es ist nicht alles Gold, was strahlend glänzt.

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