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Skifahren

Mit Pepi Fischer ging der letzte Ski-Patriarch

Im Vorjahr war er als 90er noch als Ehrengast zur Feier des 70ers seines Neffen Paul Fischer von seinem Altersdomizil in Steinbach am Attersee in seine Firmen-Heimat Ried im Innkreis gekommen. Vor zwei Tagen ist mit Josef „Pepi“ Fischer der letzte der fünf großen Ski-Patriarchen gestorben. Fischer war anders als die anderen Konkurrenten auf dem Ski-Markt. Kein herrschaftlicher Typ wie Franz Kneissl aus Kufstein. Kein Polterer wie Toni Arnsteiner. Kein Leisetreter wie Anton Kästle, dessen Firma er nach des Vorarlbergers Tod seinem Imperium einverleibte. Kein freundlich-gutmütiger, aber auch schlauer Typ wie der frühere Wagnermeister Alois Rohrmoser. Pepi war anders, unter den Ski-Granden so etwas wie ein diplomatischer Weltmann, der sich auf dem Society-Parkett ebenso wohl fühlte wie auf Pisten oder später auf Tennisplätzen.

Aus dem Fischer-Ski, der in den 50er-Jahren als Inbegriff für Kinder-Brettln gegolten hatte, bastelte Pepi mit seinen kongenialen Firmen-Mitstreitern (Schwager Simharl und Co) ab Mitte der 60er-Jahre dann Sieger-Ski, mit denen er am Puls der Zeit oder dieser sogar noch einen Tick voraus war. Mit dem Fischer-Alu-Steel raste der im Vorjahr verstorbene Egon Zimmermann bei den ersten Olympischen Winterspielen in Innsbruck anno 1964 zum bejubelten Abfahrtsgold, zwölf Jahre später bedeutete der legendäre Gold-Ritt von Franz Klammer den finalen, von Pepi Fischer und dem Fischer-Konstrukteurs-Team um Ingenieur  Stroi aber ungeliebten Triumph der C4-Brettln mit Kunststoffkern. Wie das, so werden jüngere Semester oder Ski-Laien fragen? Mehr als Gold bei Olympia, das kann´s ja wohl kaum geben? Irrtum! Dem Pepi und seiner Firma wär´s noch viel lieber gewesen, hätte Klammer nicht mit dem Auslaufmodell, sondern mit dem damals vor Innsbruck aus der Taufe gehobenen ersten aller Loch-Skis seine Karriere gekrönt. Es kam nicht dazu, weil der seither ewige Skikaiser Franz den C4 aufs Zimmer quasi ins Bett genommen hatte, damit er ihn anderntags zur Siegesfahrt anschnallen konnte. Kurzum, aus dem Loch im Ski hätte sich, so dachte der elegante und doch rustikale Kommerz-Pepi, noch viel mehr Kapital schlagen lassen…


Zu dieser Zeit aber hatte Fischer, dessen Imperium inzwischen vier Firmen (Fischer Kästle, Löffler, Dynafit) umfasste, auch schon die weltweite Schlagkraft des Tennissports entdeckt, sprich: ein Racket fabriziert, mit dem Österreichs Profi-Trendsetter Hans Kary mitunter die Tenniswelt auf den Kopf stellte, Kaliber wie Ilie Nastase, Adriano Panatta, Jan Kodes, Jose Luis Clerc, Wilhelm Bungert und andere Top-10-Asse entzauberte. Abgesehen vom Kleingeld, das ihn lockte, war das auch einer der Gründe, weshalb sich der US-Amerikaner Stan Smith, genannt „Turm von Pasadena“, als Nr. 1 der Welt und Wimbledonsieger, davon überzeugen ließ, mit dem neuen Dreieck-Logo-Schläger aus dem Innviertel zu neuen Erfolgen auszuholen, darunter Siegen beim Fischer- Cup, dem „Heimturnier“ in der Wiener Stadthalle. Und Pepi und seine Kommilitonen waren auch Pioniere, was den Einsatz von Karbon nicht nur beim Skimaterial, sondern auch im Flugzeugbau betraf, genauer gesagt: bei Airbus. Der Einsatz war stets so hoch wie das Risiko, temporär mischten bei Fischer auch Japaner und andere Ausländer mit. Aber letztlich ist Fischer eine österreichische Firma geblieben. Gottlob noch zu Lebzeiten von Pepi, mit dessen Abgang nun für immer ein Kapitel österreichischer Skigeschichte geschlossen ist. Wie die Zeit vorschreibt – für Patriarchen, die klein angefangen hatten und doch zu Granden aufgestiegen waren, ist heutzutage kaum mehr Platz. Lauf der Welt und Zeit. Leider.

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