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Mit Reutemann starb ein Don Carlos der Formel 1 – und ein suspekter Lauda-Ersatz

 Carlos Reutemann ist tot. Don Carlos hat den Kampf gegen den Krebs verloren, er starb 79jährig in Argentinien. Viele jüngere Semester werden jetzt fragen: Reutemann, who? Wer sich die Fotos aus seiner Glanzzeit anschaut, der wird sofort sagen: Ein Pisten-Feschak! Jawohl Feschak, aber nicht der Ski-, sondern der Betonpisten. Reutemann gehörte zu den Spitzenfahrern in der Formel 1, ohne jemals wirklich die Nummer 1 zu werden, obschon er für Top-Teams wie Williams, Brabham und vor allem Ferrari im Cockpit saß. So gute Rennen er auch fuhr, obwohl er ein Dutzend davon gewann, obwohl er sechsmal aus der Pole-Position gestartet war – gerade den heimischen Formel-1-Fans und Niki-Lauda-Anhängern war Carlos Reutemann eher suspekt denn sympathisch, auch wenn der Sohn eidgenössischer Zuwanderer im Grunde kein unfreundlicher, aber eher introvertierter, temperamentloser Antisüdamerikaner war.

Aber in den siebziger Jahren verständlich, dass er zu den unbeliebtesten Teamkollegen unseres Weltmeisters gehörte, weil er sich nach Laudas fast letalem Flammen-Inferno am Nürburgring am 1. August 1976 mitten in Nikis schwerer Comeback-Phase von Ferrari als Ersatzfahrer ködern hatte lassen. Und als dritter Ferrari-Pilot bei Nikis Formel-1-Rückkehr in Monza zwar vor Clay Regazzoni lag, als Trainingssiebenter aber drei Zehntel und zwei Plätze hinter dem gebrandmarkten Lauda geblieben war. Eine schlimmere Watschen hätte es für den ehrgeizigen Don Carlos, den sie El Lole nannten, damals kaum geben können. Im Jahr darauf wurde Lauda zum zweiten Mal Weltmeister und Reutemann nur Vierter. Er blieb ein ewiger Zweiter auch als dreimaliger WM-Dritter und einmaliger Vizeweltmeister (1981). Bald darauf verließ Reutemann die Formel 1, um zwei Jahre lang in der Rallye-Weltmeisterschat sein Glück zu versuchen.


Als Politiker stieg er zur Nummer 1 auf – bei Ferrari war er lange drittes Rad am Wagen bei Lauda und Regazzoni.

Wirklich gezwungen hat er es nie als Motorsportler – dafür in der Karriere nach PS-Laufbahn. Da gab Don Carlos dann Vollgas als Vollblutpolitiker, der es zum langjährigen Gouverneur der argentinischen Provinz Santa Fe brachte – und danach auch ebendort noch zum Senator auf Lebzeiten. Jetzt ist Reutemann gute zwei Jahre nach seinem Teamkollegen Lauda ins Jenseits gefolgt. Sein filmreifer Charakterkopf wird für immer in Erinnerung bleiben. Wie und was man heute noch über Reutemann denkt… 

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