Wintersport

Noch eine nordische Heldensage

Wo, frage ich mich, sind denn die unerschrockenen, selbsternannten Anti-Dopingjäger und deren mediale Gefolgsleute, die bei jedem (Glüh)Würmchen aus der Alpenrepublik aufjaulen, als wäre der Sportwelt ein K.-o.-Schlag versetzt worden! Mit wenigen Ausnahmen ein fast schon betretenes Schweigen im Walde, obwohl vor kurzem einer der größten Langläufer Norwegens und aller Zeiten, der inzwischen emeritierte Goldjunge Petter Northug (2facher Olympiasieger, 20facher Weltmeister, mehr Weltcupsiege als jeder andere in den Loipen) mit Drogen erwischt wurde, offensichtlich nicht nur als Konsumenten, sondern auch gleich als langjährigen Dealer. Koks, so wird sich der gute oder doch nicht mehr ganz so bewunderte Petter dabei wohl gedacht – jetzt haben´s mich als Schnellfahrer auch gleich als Schnupfer oder gar als armen Schlucker erwischt! Ja, shit happens, wie mit dem Petter auch der mittlerweile ja anglophile Volksmund dazu sagen würde!

Na, da hat´s wohl nicht nur im hohen Norden, sondern auch in Mitteleuropa den saubersten aller Saubermänner die Red´ verschlagen, ganz so, als hätt´ neben ihnen grad eine Bombe eingeschlagen. Ja, kann eigentlich (wahr) sein, was doch angesichts der nordischen Heldensagen (Sage gilt auch als Mär) rund um die seit einigen Jahren mit einer geradezu unschlagbaren Phalanx auftretenden, nein: auftrumpfenden Norweger nie und nimmer (wahr) sein darf? Anders als die nach zunächst verhinderter, dann doch verhängter Dopingsperre wieder unaufhaltsam siegreiche Theres Johaug kann sich Freund Northug nicht auf einen verunreinigten Labello-Lippenstift gegen Frostbeulen oder Gletscherhitze ausreden. Aber da für ertappte Verkehrs- und Drogensünder jenseits der Alpenrepublik und des Gottseibeiuns Walter Mayer (er hat übrigens alle möglichen Methoden in seinen langjährigen Aufenthalten u. a. in Norwegen gesehen und abgekupfert) offensichtlich andere, mediale Regeln und Gesetze gelten, wird Petter vorsorglich aller Unschuldsvermutungen keineswegs in einen Topf geworfen mit den Operation-Aderlass-Dopingsündern, sondern darf sich bedeutungsschwanger an die Brust klopfen: “Ich übernehme für Rasen und Koks die volle Verantwortung!“

Na ja, wird er halt ein bisserl ins Börserl fahren müssen, um für seine kleine Schuld zu sühnen. Es ist selbstredend nur reine Spekulation des Autors, dass dabei der Verdacht entstehen könnte, dass die (norwegische) Katze – sei es beim Überdrüber-Petter und seinen Überdrüber-Nachfolgern – das Mausen halt nicht lassen kann. Und wenn, dann aufgefuttert durch de fette Beute, sich mit Siebenmeilenstiefeln aus dem Staub, Pardon: aus dem Schnee macht. Aber das alles ist natürlich nur eine Mär, weil sich die Saubersten der sauberen Seriensieger seit Jahren bekanntlich die Hände in Unschuld waschen. Und mit Fingern auf andere zeigen.…

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