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Olympiatest verspricht ein Jodeln beim Rodeln im Fernen Osten

Während sich die Alpindamen und die Adlergeschöpfe höchstens mittelprächtig schlugen, wuchsen die rotweißroten Rodler im olympischen Eiskanal im fernen Yanqin sogar den früher nahezu unschlagbaren Deutschen über den Kopf. Nicht bei den Herren, da hatten sie ihre Vormachtstellung mit einem Triple-Sieg vor unserem Golden Boy untermauert, dafür aber just bei den Damen, die ehedem auf Drei- oder gar Vierfachtriumphe spezialisiert und abonniert waren. Madeleine Egle, die großgewachsene Vorarlbergerin, sorgte für den historischen (dritten) Jahrtausendtriumph, den ersten seit 24 Jahren, als Andrea Tagwerker als letzte ÖRV-Dame gewann.

Wundertüte Lisa Schulte (l.), historische Sensationssiegerin Madeleine Egle und die Weltcupsieger Steu und Koller.

Die fesche Madeleine, einst hochgehandeltes Talent, inzwischen etabliert und routiniert, rodelte mit mentaler Stärke, perfekter Technik und dank optimalen Materials der deutschen Armada auf und davon – und dazu nahm die junge Lisa Schulte als Sensationsdritte die deutsche Weltmeisterin Julia Taubitz noch ins Sandwich! Nicht genug damit, lieferte Egle auch in der abschließenden Staffel von Yanqin die Basis zum zweiten Triumph über die Deutschen, Amis, Italiener, Russen etc., der die Testwoche mit der Olympia-Generalprobe im Weltcup krönte. Und das, obschon etwa ÖRV-Präsidententochter Hannah wegen der leichten Corona-Infektion von Rodellegende Markus Prock erst verspätet hatte anreisen und den schwierigen, extrem langen, anspruchsvollen Eiskanal nur wenig hatte testen können. Wer weiß, wozu auch sie noch fähig gewesen wäre, ist sie doch etwa so hoch einzuschätzen wie Kollegin Lisa.

Wie gesagt, mit zwei Siegen, einem zweiten Platz der Doppelsitzer-Weltcupsieger Steu-Koller, einem dritten und zwei vierten Plätzen (Olympiasieger David Gleirscher, Doppelsitzer Müller-Frauscher) hätten Weltcup-Auftakt und letzter Olympiatest kaum besser und erfolgversprechender ausfallen können. Er hat aber eindrucksvoll bewiesen, wie sehr Österreichs Kunstbahnrodler unter der Ägide des ehemaligen Ostdeutschen und längst in Tirol integrierten Cheftrainers Rene Friedl an Defiziten gearbeitet, an Schrauben gedreht und damit die vermeintlich nahezu unüberbrückbare Kluft zu den jahrelangen überragenden Deutschen, aber auch Russen und Südtirolern geschlossen haben.

Und dahinter steckt auch der Sport- und Rodelverstand von Markus Prock, der sich sowohl um potente Geldgeber, nötige Förderungen, mit denen Notwendiges finanziert werden, als auch neue Anlagen und Installationen kümmert. Und der nicht nur davon träumt, dass in absehbarer Zukunft die Rodelhelden in spe nicht nur aus dem Westen Österreichs kommen, sondern irgendwann auch aus dem Osten, wo er noch nach möglichen Gegenden sucht oder sie womöglich sogar schon gefunden hat, um auch in der Nähe von Wien oder anderen Städten einen Eiskanal zu bauen. Und wer die Durchschlagskraft des zehnmaligen Weltcupsiegers, dreifachen Olympiamedaillengewinners, Welt- und Europameisters kennt, der weiß auch, dass ein Prock nie Luftschlösser baut, sondern neue (Hoch-)Burgen schaffen will.

Um sich dafür Rückendeckung zu holen, wäre es für ihn und den Rodelsport wichtig, dass es nach Siegen und Topresultaten vor Olympia auch bei den Winterspielen selbst eine Medaillenflut im Eiskanal gibt. Das Zeug dazu haben die Kufen- und Kurvenkünstler in engen Schuhen und den Pratzen auf jeden Fall. Wenn Olympia hält, was der Test verspricht, dann ist Jodeln im Rodeln angesagt.

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