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Leichtathletik

Polcanova und Co: Ausnahmen von der Regel, nur Statisten im Weltsport zu sein

Wir sollen, nein: können bis müssen stolz sein auf die Medaillen und Spitzenplätze, die von mehr oder auch weniger etablierten Österreicher(innen) in Rom wie in München errungen wurden, allen voran die noch im Kindesalter eingebürgerte Tischtenniskanone Sofia Polcanova, die nach geteiltem Damendoppel-Gold und Mixed-Bronze zum Finale Grande auch noch den Europameistertitel im Einzel eroberte! Aber wir müssen im gleichen Atemzug auch Vorsicht walten lassen, was die Euphorie um Momentaufnahmen einer nicht nur etablierten Sportlergeneration betrifft, sondern allenthalben schon Auslaufmodellen, hinter denen jedoch eine ziemlich große Lücke klafft.

Ja, noch haben wir einige der Spitzenleute, die immer und überall um Topresultate mitmischen können, immer vorausgesetzt, sie befinden sich im Vollbesitz ihrer Kräfte wie Turner Köck oder Kanu-Talent Maurer – oder sind selbst dann, wenn sie Corona im Countdown eingebremst hat, siehe Goldkandidat Felix Auböck, immer noch zu Bronze und Blech fähig. Es ist alles, nur keine Beckmesserei, wenn man vor allem in den Olympia-Kerndisziplinen die Frage aufwirft: Wer oder was kommt denn in gleicher oder nächster Generation nach, wenn die eine oder der andere Medaillenkandidat(in) aus welchen Gründen auch immer nicht dabei sein kann oder will, nicht in Form ist oder aber einer Disqualifikation verfällt wie etwa Schwimmer Rothbauer oder Siebenkämpferin Dadic zweimal in Folge?


Ja, da schaut´s dann bei weitem nicht mehr so hoffnungsvoll und zukunftsreich aus wie der aktuelle Jubel es vorgaukelt. Im Schwimmen ist´s kein Solo für Felix mehr, seit Simon Bucher (Delfin), Valentin Bayer (Brust) und Junior Mladenovic (Brust) als jüngere Jahrgänge bis zum Fernziel Olympia 2024 im Paris das Potenzial zu weiteren finalen Steigerungen besitzen, aber auch sie gehören zu den ganz wenigen Ausnahme-Sportler(innen), die der Konkurrenz im eigenen Land ebenso wie Klassekrauler Gigler weit voraus sind. Und wer soll den Alexandri-Drillingen folgen, die sich nach acht Jahren endlich auf dem Podest der Synchron-Nixen eingenistet haben? Weit und breit keine Alternative! Im Open-Water-Schwimmen gibt´s den Grazer Jan Hercog (25km), der wie Auböck im Ausland, genauer gesagt: in Würzburg, bei den Lurz-Weltklassebrüdern trainiert.

Dahinter? Nicht der Rede wert! Wie in der Leichtathletik, dem zweiten Olympia-Highlight, wo uns schon in München und bei Europameisterschaften die Grenzen aufgezeigt wurden, wenn der einzige Weltklassemann, um den sich alles dreht, also Lukas Weißhaidinger, nach vielen großen (Medaillen) Würfen plötzlich den Dreh nicht mehr heraushat. War er als Diskushüne ein Animator, dass sich Nachfolger eine Scheibe von ihm abschneiden? Mitnichten! Der zweitbeste im Ranking, der Austro-Afrikaner Will Dibo, wirft gerade einmal mehr als 53m! Und Victoria Hudson, Tochter eines Briten, aber waschechte Niederösterreicherin, pendelt mehr zwischen Tiefen als Höhen, dem Speerwurf ins EM-Finale folgte eine Weite von etwas über 56m auf Platz 10, nicht einmal so weit wie vor drei Jahren bei der Universiade in Neapel.

Und der Jubel darob, dass Sprinter Markus Fuchs nach 34 Jahren den Rekord des einst verteufelten Dopingsünders Andi Berger endlich egalisiert hatte, wich in München dem Frust über Platz 23 in mehr als mittelmäßiger Zeit. Ganz zu schweigen von der Dadic-Disqualifikation, der jene der Sprintstaffel-Girls auf dem (falschen Wechsel-) Fuß folgte. Das tolle Mehrkämpferinnen-Trio ist binnen zwei Jahren zerbröselt. Und das Jahrhunderttalent Sarah Lagger dümpelt auf einem Niveau dahin, auf dem es schon vor drei, vier Jahren war. Dabei hätte es doch in der Südstadt erst richtig aufblühen und nicht welken sollen…

Wenn ich mir dagegen die Rundum-Bilanzen unser (N)Eidgenossen-Nachbarn anschaue, egal in welcher Disziplin, ganz zu schweigen vom Radsport, vom Schwimmen Leichtathletik, wo es Gold regnete, dann sind sie unserem schönen Doch-nicht-ganz-Sportland ab gesehen vom Sportklettern (Schubert, Uznik, Pilz und was dann?) sowohl punkto Spitze als auch Breite mehr als nur um Brustbreite voraus – ich würde sogar behaupten, weit mehr dank Hand, Fuß, Kopf und Konsequenzen aus berechtigter Kritik, die nicht wie hierzulande gerne als Majestätsbeleidigung empfunden wird.

Wie eingangs erwähnt, so handelt es sich bei den Medaillen-Highlights von Rom und München um die rotweißroten Ausnahmen von der Regel, dass Österreich im Weltsport leider nur eine Nebenrolle spielt wie jene, die der geniale Qualtinger als Herr Karl so hinreißend als siebenter Zwerg von links im Provinztheater von Mährisch-Ostrau artikuliert hat. Oder um ein Stück des italienischen Dramatikers Luigi Pirandello zu zitieren, das den Titel trägt: So ist es, ist es so? Einzige Antwort: Ja, es ist so, wie es ist, nicht mehr, nicht weniger.

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