Aus dem asiatischen Stadtstaat Singapur, wo heuer im Sommer übrigens auch die Langbahn-Schwimmweltmeisterschaften stattfinden, wurde heute vormittags via Eurosport-TV eine Triathlon-Sensation ersten Ranges, obwohl zweiten Platzes, uns Sportfans frei Haus geliefert. Was beim morgigen Vienna City Marathon garantiert nicht passieren wird und kann, dieses sportliche Wunder hat heute die 34jährige Kärntnerin Lisa Perterer beim T100-Triathlon zur World Series, der offiziellen WM-Serie des Weltverbandes, noch dazu mit einer Wildcard gesorgt. Und damit alle olympischen Enttäuschungen und Verletzungsprobleme auch jüngster Paris-Vergangenheit quasi in einem Rennen bewältigt und hinter sich gelassen.
Wie gesagt in der höchsten Profistufe, die es im Triathlon gibt, auch wenn rotweißrote Erfolge im Weltcup – vergleichbar dem Ski-Europacup für die zweite und dritte Garde – wie den seinerzeit ersten Sieg von Perterer medial als Historisches geschickt verkauft wurden. Diesmal aber spiegelt der zweite Platz der in die Jahre gekommen Kärntnerin die Wahrheit, mit der sie ebenso heimische Triathlon-Geschichte geschrieben hat wie seinerzeit der spätere Stabsoffizier, militärische Fünfkämpfer und erste Hawaii-Ironman Sepp Resnik in den frühen 80er-Jahren, als hierzulande der Triathlon noch eine unbekannte Größe gewesen war.
Perterer, die als schnellste Frau am Rade und schnelle Läuferin eine tolle Aufholjagd gestartet hatte, schnappte sich bei einem der schwierigsten Triathlons mit viel Preisgeld alle Gegnerinnen inklusive der Olympiadritten bis auf die uneinholbare Britin Waugh, was niemand davor möglich gehalten hätte. Darauf hätten auch vergangene Resultate, darunter die olympische Distanz, nicht schließen lassen. Da war ein 27. Platz in Tokio 2021 mit Handicap einer eingerissener Achillessehne das höchste der Gefühle gewesen, in Paris war sie mit der Mixed-Staffel nicht ins Ziel gekommen und – auch der stinkenden Seine wegen – im Einzel gar nur an 50. Stelle gelandet.
Das hatte sich vor etwa einen Dreivierteljahr in einer allerdings kürzeren Triathlon-Distanz abgespielt, aus der sich kaum hatte ablesen sollen, zu welch einer fantastischen Leistung die Heeressportlerin unter ihrem Ingolstädter Trainer Ralf Schmiedeke fähig sein würde – und das als angehende Mittdreißigerin! Da sie es im „Sandwich“ mit Briten-Stars auf sensationelle Art und Weise und doch in recht kurzer Zeit als offenbar topfitter Spätzünder geschafft hat, müsste der heimische Sport eigentlich diesen Trainer-Wunderwuzzi auch für andere Ausdauer-Sportarten heranziehen, um zu hoffen, dass es in absehbarer Zeit nicht nur die Triathlon-Ausnahme Perterer gibt, sondern darauf aufbauend noch einige mehr in diversen Disziplinen.
Vorerst bleibt zu hoffen, dass Lisa bei den kommenden World-Tour-Events diese fast unfassbare Leistungssteigerung bestätigt. Und knapp eineinhalb Jahrzehnte nach ihrem Auftauchen den Beweis liefert, dass es nie zu spät ist, verlorene Zeit samt verpasster Erfolge auf höchster Ebene auf- und nachzuholen.

