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Unglaubliche, aber erfolgreiche Unart, im heimischen Sport ein X für ein U zu verkaufen

Seit sich die PR-Branche und allenthalben mit geneigten Pressechefs als verlängerten Armen immer mehr nicht nur, aber auch des Randsports annimmt, hat es sich hierzulande leider eingebürgert, aus einem X ein U zu machen. Selbst beim Skirennsport ist´s ja neuerdings insofern der Fall, dass der jahrelang-, ja zwei Jahrzehnte lang so gut wie ignorierte Nationen-Cup als wichtigste Trophäe hingestellt wird, obschon bei diesem Wettbewerb sozusagen jede Menge an Kleinvieh ganz schön viel Mist macht, in diesem Fall an Punkten. Wobei unsereins daran erinnern möchte, dass es in den guten, alten Weltcup-Anfangszeiten noch keine Inflation an Punkten gab, sondern nur die Top 15 damit bedacht wurden, ganz so, wie jetzt beim Weltcupfinale, obschon von 25 und nicht 100 Zählern abwärts. Andersrum: Es wurden die Topleistungen mehr honoriert als Ergebnisse unter ferner fuhren. Nur ein Denkanstoß …

Wie man ganz ohne Leistung, aber dank der Sucht nach einem Unsinn der Superlative höchste mediale Aufmerksamkeit, mehr noch: tolle Berichterstattung in Wort und Bild schafft, das wurde uns dieser Tage spektakulär via Medien frei Haus geliefert. Und mit wem ging´s dabei worum? Der Hauptdarsteller hieß Wienerroither, für Pörtschach-Urlauber ein Begriff als beste Bäckerei im Ort, aber in diesem Fall ging´s um ein verlorenes Schanzentalent dieses Namens, das so kleine Brötchen backte, dass es mit 22 Jahren das Handtuch warf. Ehrlich gesagt, kein Hahn hat danach gekräht, ob er weiter springt oder abspringt, weshalb sich der Jung-Twen etwas ganz besonders Schräges einfallen ließ, um sich das erste und letzte Mal öffentlich zu präsentieren. Nicht zu glauben, aber wahr, (Haus)Meister Wienerroither hielt sich an den legendären Georg-Danzer-Song von „Ja, so a Sau, a Nackerter im Hawelka“, um nicht im Adams-, dafür aber im Stripper-Kostüm, das man Borat-Outfit oder Mankini nennt, auf der Schanze von der Schanze zu verabschieden. Na bum, da hat´s nur so gerauscht im Blätterwald, jedenfalls mehr als bei einem Sieg von Kraft. Gratuliere den PR-Fuzzis! Es lebe der Sport! (PS: Sorry, um den Wahnwitz zu zeigen, muss leider das Foto rein!)

Szenen- und Sportartwechsel. Von Outdoor zu Indoor, von Hochgeschürzten in Ski und Schnee zu Athleten in Shorts und Trikots bei der Hallen-LA-WM in Belgrad, wo auch Rotweißrot mit einem Duo angetreten war. Klar, dass der heimische Verband (ÖLV) in seinen Aussendungen die Leistungen beider so positiv wie nur möglich präsentierte nach dem Motto: Wes Brot ich ess´, des Lied ich sing. Wäre zwar vermessen gewesen, vom Sprinter Markus Fuchs (Platz 28 über 60m) Wunderdinge zu erwarten, ich finde aber trotzdem, dass es nicht der Anspruch sein darf, bei einem Großereignis nicht versagt zu haben, sondern in die Nähe der Bestzeit gekommen zu sein. Und wenn bei der früheren Junioren-Weltmeisterin Sarah Lagger ein Top-10-Platz im Fünfkampf hochgejubelt wird, dann … ja, dann wird schamhaft verschwiegen, dass sie Achte unter 10 klassierten Mehrkämpferinnen wurde mit der zweitbesten Leistung ihrer Karriere, die aber hinter den Punkten der drei Jahre alten Bestmarke hinterherhinkt. Fortschritt? Stagnation!

Von den lichten Höhen, die man sich von der Ex-Schülerin von Zehnkampf-Guru Georg Werthner einst erwartet hatte, als sie Gold, Silber und Bronze gewonnen hatte, hat sich der Jung-Twen mittlerweile eher entfernt statt zu ihnen aufzuschwingen. Und die Leistung, auf Neudeutsch Performance, wird nicht besser, wenn man sie als Topresultat in die Auslage stellt. Man kann, soll und darf eben ein X nicht x-beliebig in ein U verwandeln. Auch im Sport, der gerade aktuell unwichtigsten, schönsten Nebensache der Welt …

 

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