Leichtathletik

Von Jungstar Enzo Diessl, der im Hürdensprint rhythmischen Tanz sieht

Werte Blog-Leser: Innen, ich beschäftige mich heute mit einem Jungsportler aus der Leichtathletik-Szene, der offensichtlich das Potenzial besitzt, ein Großer zu werden, sollten sich ihm nicht andere Hindernisse als die 10 Hürden in den Weg stellen. Seine tollen Zeiten wie vermeintlich bekannter Name haben es in sich. Also: Startschuss zur Story einer biographisch schillernden Figur.

Als ich voriges Jahr nach seinem Sieg in der U20-Europameisterschaft erstmals vom Hürdensprinter Enzo Diessl hörte, da assoziierte ich seinen Namen mit dem des ehemaligen Zehnkämpfers Walter Dießl (oder Schreibmaschinen-Diessl), der bei Olympia 1968 in Mexiko City am Start war. Naheliegend, aber komplett falsch. Der aus Argentinien in die Muster-Heimat Leibnitz zugewanderte Gerade-noch-Teenager und der 81-jährige Linzer haben nichts miteinander zu tun, sie kennen sich nicht und wäre Enzo („Den Namen hat mein Vater ausgesucht, der von Beruf Gerber ist!“) nicht darauf angesprochen worden, dann wüsste er gar nichts über diese Fast-Namensgleichheit mit leichtathletischer Gegenwart und Vergangenheit.

Einen Konnex allerdings gibt´s, der mit den Anfängen des Hürden-Sprinters zu hat. Nein, nicht mit Judo, das er schon als Bub quasi auf die Matte gelegt und sich damit auch Kohlohren erspart hatte. „Die Eltern haben mich zum Sportverein geschickt, um meinen Überschuss an Energie abzubauen. Und so bin ich über den Kinderzehnkampf zur Leichtathletik gekommen“, verrät Enzo, der dabei sein Sprintertalent entdeckt hat – und vor allem das Faible für den Lauf über die damals noch niederen Hürden. Eine Herausforderung für Enzo, geboren im Sternzeichen Widder, sich die Hörner abzustoßen. Für Diessl hat der Hürdensprint auch etwas Künstlerisches an sich. „Es erinnert mich“, formuliert er´s literarisch, „an einen rhythmischen Tanz!“

Beim angehenden Jung-Twen kann man getrost von einem Quick-Step sprechen. Nicht nur, weil er sich in Jerusalem („Wir haben Militär mit Waffen gesehen, aber im israelischen Teil keine Gefahr gespürt!“) im Vorjahr zum ersten heimischen 110m-Hürden-Europameister gekrönt hat, nachdem er davor schon Fünfter der U20-WM in Cali 2022 geworden war. Beim Gold-Lauf in Jerusalem kam er mit seiner Siegerzeit von 13,12 Sekunden bis auf eine lumpige Hundertstel an seinen ÖLV-Nachwuchsrekord heran, mit dem er unter den 10 Besten aller Zeiten rangiert, Nicht bei uns, sondern weltweit.

Damals hatte sich der 19-jährige zum Ziel gesetzt, den Übergang von der Junioren- zur Allgemeinen Klasse zu schaffen, an dem so viele andere heimische Talente immer wieder scheitern würden. „Ich bin von Haus aus sehr ehrgeizig, ich hab´ nach der Matura beschlossen, dass ich mich beim Bundesheer  ganz auf den Sport fokussiere, um die Ziele zu erreichen, die ich mir gesetzt hab´.“ Unter der Doppelpack-Regie von Trainerin Beate Hochleitner (Foto/„Sie war eine Weitspringerin, Bestmarke 5,85m“), die sich um die Hürden- und Sprinttechnik kümmert, und deren Partner Christoph Ranz, der für Konditions- und Krafttraining zuständig ist, hat Diessl den nahtlosen Wechsel von den Juniorenhürden über die mehr als einen Meter hohen Hindernisse geschafft. Buchstäblich auf schnellstem Weg!

Zum Freiluft-Saisonstart lief er auf Anhieb unglaubliche 13,31 Sekunden, die aber wegen zu starken Rückenwindes (als Limit) so wenig zählten wie die 13,38 zuletzt im Vorlauf beim Mandl-Memorial an seiner täglichen Grazer Trainingsstätte in Eggenberg, nach dem er wegen Krämpfen („Eingezwickter Nerv im Wirbel, der hat ausgestrahlt, jetzt passt´s wieder“) auf den Endlauf verzichten musste. Wenn Wind und Wetter mitspielen, dann ist sich Enzo Diessl fast sicher, dass er entweder beim Prokop-Memorial (morgen Freitag), in Eisenstadt oder bei den Balkanmeisterschaften in Belgrad das Limit von 13,46 für die Rom-EM (Mitte Juni) packt, hat aber im Hinterstübchen auch noch Paris und Olympia im Visier.

Die geforderten 13,28 Sekunden oder aber ein Platz  übers World Ranking scheinen durchaus in Reichweite zu sein für den Wuschelkopf mit deutsch-argentinischem Blut. Keine Überraschung, dass Enzo neben dem Hürden-Weltrekordler und Olympiasieger 2012, dem US-Amerikaner Merritt (12,80), auch die Fußball-Ikone Lionel Messi bewundert – und ihn als geborener Argentinier aus der nördlichen Stadt Ocampo mit einer argentinischen Mama auch die südamerikanische Leidenschaft und Hingabe für den und im Sport faszinieren. Sie scheinen auch in den Adern des  zweisprachigen Enzo so zu pulsieren, dass man vom aktuell kaum bekannten Diessl noch spektakuläre Rennen erhoffen und erwarten darf, von denen nicht nur er träumt. Das Zeug dazu hat er von Kopf bis Fuß, um die 10 Hürden zur Weltspitze zu nehmen. 

 

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