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Wann lernen wir bei uns im Sport hartes Brot von heißer Luft zu unterscheiden

Ich will ja nicht unbedingt so etwas wie einen medialen Anstands-Wauwau spielen, aber langsam wird´s Zeit, dass meine jungen, aber auch älteren Kollegen ein bisserl über den üblichen Tellerrand hinausschauen, wenn es darum geht, sportliche Leistungen zu werten und einzuschätzen. Mag schon sein, dass es seine Richtigkeit hat, den Wirtshaus- oder Pub-Sport Darts in Sport Austria, früher etwas hölzerner BSO genannt, als ordentliches Mitglied aufzunehmen angesichts solcher Kaliber wie des hochgejubelten Top-Werfers Mansur Suljovic und zweier Brüder namens Rodriguez, aber…

Nichts gegen  ihn, schon gar nichts gegen den Basketballriesen Jakob Pöltl (San Antonio Spurs) oder das NHL-Starlet Marco Rossi (Minnesota), aber den einen oder anderen wegen persönlicher Rekorde in den Himmel zu heben, während ihre Verlierer-Klubs am Boden zerstört sind, entbehrt nicht einer gewissen patriotischen, fast schon nationalistischen Scheuklappen-Übertreibung!  Auch das ganze Formel-1-Theater um den vom Haas-Team unter dem Südtiroler Steiner gefeuerten Mick Schumacher ist meiner bescheidenen Meinung nach kaum der Rede wert – und wäre es auch nicht des Schreibens, wäre der junge Pilot nicht der Sohn des siebenfachen Weltmeisters, von dem niemand weiß, in welch Zustand der Vater Michael sich nach dem Ski-Unfall mit Koma wirklich befindet.


Und das setzt sich ja mit vielen anderen Schlagzeilen und Foto-Montagen fort, was etwa die kommende Katar-WM beginnt, von der nach Ansicht vieler Tabloid-Kollegen und Durchsicht vieler Blätter es nur so rauscht von Ronaldo über Messi bis Neymar, als gäb´s nur einen ganz eindimensional Dreikampf und gar kein Mannschaftsspiel bei der verteufelten WM in klimatisierten Stadien! Mittlerweile wird alles auf vermeintliche Eyecatcher reduziert, an denen sich als Auftraggeber vor allem branchenfremde oder sportlich peripher interessierte Medien-Manager festkrallen. Das hat natürlich insofern einen Vorteil, weil man sich medial mit ihnen quasi immer in einer Win-Win-Position befindet. Siegen sie, lobt man sie hoch. Verlieren sie aber, dann sind sie negative Schlagzeilen wert. Heiße Luft ist halt leichter zu verkaufen als hartes Brot zu verdauen.

Ja, so läuft´s, um der Wahrheit die Ehre zu geben, was natürlich auch mit den teils erbärmlichen Funktionärs-Figuren zu tun hat, die im heimischen Sport als Geldverteiler und Gesinnungseinkäufer das Sagen haben oder andersrum auch das Sagen verbieten, ganz so, wie es die Demokratie befiehlt! Was da mitunter an Geldmittel beim Postenschacher verpulvert wird, geht bei näherem Hinschauen nicht auf die berühmte Kuhhaut. Andere wieder müssen über sich hinauswachsen, damit sie wenigstens als Randnotizen registriert werden.

Reden wir nicht von der Ex-Welt- und Europameisterin Vanessa Herzog, die heuer auf den Eisschnelllaufbahnen der Welt um den Anschluss an alte Erfolge kämpft, sondern auch den 22jährigen Kufen-Kollegen Gabriel Odor. Der Tiroler, immerhin schon Zweiter beim Stavanger-Weltcupauftakt im Massenstart, heute in Heerenveen zwar nicht am Podest, als Neunter aber ebenso Top Ten wie Herzig über 1000m. Und Odor musste zum Eis- und Sommer-)Training nach Calgary gehen, wo ihm OlympiasiegerInnen und WeltmeisterInnen  unter dem Diktat des Meistertrainers Bart Schouten solch Beine machten, dass er das erst einmal verkraften und aufs Eis bringen muss. 

Aber mit ihm und Herzog können ja diverse Medien noch etwas mehr anfangen als mit den Herren Benny Witzani oder Niki Fröschl, deren Sportart ebenso wie deren Klasse mit wenigen Ausnahmen so gut wie unbekannt ist. Dieses Duo hat es immerhin bei der Weltmeisterschaft in der olympischen Turnsportart Trampolinspringen als Semifinalfünfte in den Endkampf um Medaillen geschafft, was nicht nur ein historisches heimisches Resultat war, sondern auch eine internationale Überraschung.

Aber solche Randsportler in Weltsportarten müssen hierzulande offenbar erst Medaillen gewinnen, um sich einen Namen zu machen. Und wenn sie ebensolche mitunter auch knapp verfehlen, sind sie schneller untendurch als sie obenauf sein durften. Auch das ist einer der Gründe, weshalb der heimische (Spitzen)Sport über manch Selbstbeweihräucherung und über Skierfolge hinaus so dasteht und so betrachtet wird, wie er dasteht. Wobei die vor- und angebliche Sportstadt da mit schlechtem Beispiel noch vorangeht, weil Sport im Widerspruch zum griffigen Slogan eben NICHT richtig stad(t)tfindet…

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