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Wer mit der Zeit geht, lässt Negativ-Schlagzeilen hochleben

 Unsereins, also meine Wenigkeit, wird ja gern bei den Verschwörungstheoretikern, Nestbeschmutzern und Negativisten angesiedelt, dem ich mich mit dem Argument widersetze, dass ich lieber in den Spiegel der Realitäten schaue statt Luftschlösser zu bauen. Aber von wegen Negativist! Was diese Behauptung betrifft, so muss ich mich bei Durchsicht manch Boulevardblätter, aber vor allem Online-Portalen nicht nur ebensolcher Tages- oder Wochenzeitungen fast schon genieren, weit im Hintertreffen zu sein. Was sonst, wenn nicht der heutige Oktober-Sonntag sollte als Beweis dafür dienen, dass dem so ist, wie ich gerade anmerke. Eine der Top-Storys dreht sich um jenen Diego Maradona, der tot ist und sich gegen den Vorwurf einer Ex-Freundin aus Kuba nicht mehr wehren kann, sie zu Sex-Partys, Brustvergrößerung und Drogen gezwungen zu haben. Alternativ hätte ich anzubieten: Skandalpräsident Tapie tot. Oder: Hat (MotoGP)-Weltmeister Marc Marquez zumindest eine Teilschuld an den Todesstürzen junger Rennfahrer in anderen Serien?

Ja, man lernt nie aus, das ist bekanntlich ein Gesetz, das Allgemeingültigkeit besitzt. Ja, ja, edel ist der (Sport)-Journalisten-Mensch längst nicht mehr, statt hilfreich aber nur sehr gut, wenn es um negative Superlativ-Schlagzeilen geht! Ich könnte noch mit weit mehr zumindest ähnlichen bombastischen Ankündigungen oder gar Verdrehungen aufwarten, mit denen heutzutage auch (Sport)-Politik betrieben, da ein Lorbeerkranz umgehängt, dort aber eine Dornenkrone aufgesetzt wird, um einerseits zu pushen, was oder wen man pushen will, andererseits mit Nadelstichen und Seitenhieben zu bremsen, was man bremsen möchte.


Es passt exakt in eine Zeit, in der es offensichtlich tres chic zu sein scheint, sich an Entwicklungen zu ergötzen oder sie zumindest zu verniedlichen, vor denen sich die aktuell im Umbruch befindliche Gesellschaft vor kurzem noch mehr als in Acht genommen hätte. Und da wird zwar gegen Energieverschwendung im Kleinen gewettert, im Zuge fortschreitender Digitalisierung aber auch geradezu angehimmelt. Und dieser sogenannte Hi-Tech-Fortschritt findet aller höchsten Auftritt im immer mehr ausufernden und überwuchernden VAR (Video Assist Referee) im  Fußball, der mittlerweile nach Gutdünken des im Tunnel vor Bildschirmen sitzenden Assistenten, eigentlich aber Oberschiedsrichter, ins Spiel kommt, das er unterbricht, zerhackt, dehnt und was am Ende zu noch mehr Diskussionen führt als in Zeiten, da der VAR nicht einmal noch Zukunftsvision war.

Früher entschied der Schiedsrichter als Mensch, der irren kann. Jetzt entscheidet dann, wenn er es will, der menschliche Supervisor, der sich auch irren kann, bevor er technologisch die Zentimeterlinien zieht. Unterm Strich ist man also so klug als wie zuvor, halt nur unter der Vorspiegelung der oft falschen Tatsache des Fortschritts. Zurück bleibt die Frage: Ist das jetzt positiv oder doch eine negative Entwicklung, die man schleunigst wieder auf Normalmaß reduzieren muss? Wie etwa bei „close calls“ im Tennis, die Spieler nur dreimal pro Satz strapazieren dürfen. Manchmal wär´s nicht schlecht, würde sich ein Sport vom anderen was abschauen. Und abkupfern. Kopieren muss nicht immer negativ sein.

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