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Die ziemlich ignorierte Ryder-Cup-Jahrhundertchance des Golfers Wiesberger

Der Ryder-Cup im Golf, erstmals vor fast 100 Jahren ausgetragen, damals noch zwischen USA und Großbritannien, mittlerweile zwischen den US-Amerikanern und Europa, hat den leider reformiert-geschrumpften Daviscup als Tennis-Pendant übertrumpft. Gespielt wird er alle zwei Jahre alternierend in den Staaten oder in Europa (Insel oder Festland), es gibt also immer wieder Heimvorteil und damit auch eine ganz besondere Aura und Atmosphäre. Die beiden Teams bestehen jeweils aus zwölf Spielern, die von ihrem Captain nach speziellen Ranglistenplätzen oder speziellen Eigenschaften nominiert werden. Es sind also nur die Besten der Besten der Profis am Abschlag, die dabei in drei Tagen in einigen Formaten (Fourballs, Foursome, Single) ohne einen Cent oder Penny an Preisgeld um ihre Reputation und die Ehre ihres Kontinents oder Staates spielen – um die Verteidigung des einst von Sponsor Samuel Ryder spendierten Pokals oder aber die Rückgewinnung der prestigereichsten Trophäe im Golfsport. Früher waren die Amis meist Favorit, seit den 80er und dann 90er-Jahren aber hat sich durch die Initialzündungen von Ballesteros, Langer, Faldo, Montgomerie, Garcia, Clarke und Co das Blatt gewendet.

Daran muss vorweg erinnert werden, damit wir als Doch-Nicht-Sportnation begreifen, dass an diesem Wochenende womöglich auch österreichische Golfgeschichte geschrieben wird, die sich vor 20 Jahren nicht einmal heimische Golf-Fanatiker hätten träumen lassen. Wenn nichts mehr schief geht, was allerdings im schönen, aber oft teuflischen Spiel Golf immer drin sein kann, dann schafft der Burgenländer Bernd Wiesberger als erster Österreicher über sein Europa-Ranking die direkte Qualifikation für das Ryder-Cup-Team. Und sollte Matthias Schwab in Wentworth bei London in den Finalrunden noch der Golf-Welt ein Loch schlagen, wer weiß, ob er nicht auch noch zu einem der Captains Picks wird, also zu einem, den der mehrfache irische Major-Sieger Padraig Harrington als möglichen „Jolly Joker“ holt.


Bernd Wiesberger (rechts) hat historischen Ryder-Cup-Startplatz im Visier, während Matthias Schwab (l.) noch kokettieren darf.

Ja, was das – ganz abgesehen von der knapp verpassten Olympiamedaille des US-Wieners Sepp Straka – in einem Weltsport wie Golf mit einer dreimal so dichten Spitze wie im Tennis bedeutet, das scheint hierzulande auch Sport-Insidern gar nicht bewusst zu sein. Aber vielleicht geht´s auch an der Majorität deshalb vorbei, weil sie sich mehr damit beschäftigt, ob sich Marcel Hirscher den Oberkörper bräunen lässt oder Werbung für sein künftiges Ski- und Ski-Gewand in kurzen Hosen mit Krücken statt Stöcken im Schnee macht. Oder David Alaba, der zwar im Team mehr oder weniger verblasst, nach Messi und Ronaldo der drittbeste Großverdiener per anno unter unseren Kickern ist. Oder ob Dominic Thiem jetzt in enger oder Fernbeziehung zur Zirkusprinzessin lebt, die ihn, groß vermeldet, zum Geburtstag nur per Instagram gratuliert hat, obwohl sie sich auch via TV-Seitenblicke nachweislich in Wien als Model präsentierte. Das, so scheint´s, hat inzwischen elementaren Charakter und nicht etwa eine sportliche Jahrhundertchance.  

  • Ja, ja, Bussi, Bussi, meine Damen und meine Herren, der Sport beginnt allmählich, wie man es ihm ja nachsagt, zur schönsten Nebensache der Welt zu werden, aber auch seiner selbst. Wär´ nicht schlecht, würd´ man sich trotz (der bei allen Tempobremsen anachronistischen) Formel 1, trotz Wien-Marathon, Dolomitenmann, Fußball, ÖFB-Präsidentenkür und vielen zweit- bis drittklassigen Events mehr mit solchen Ereignissen beschäftigen, bei denen Sportgeschichte geschrieben werden kann. Burgenland und Burgenland ist übrigens so nebenbei auch nicht immer eins. Den Unterschied an weltweitem Ruf zwischen dem Weltklassegolfer Wiesberger und dem ÖFB-Präsidentenkandidaten und Bohmann-Verleger Milletich möcht´ ich Klavier spielen können. Das eine wäre Oper, das andere ist leider nur Kleinbühne im Kellertheater…
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