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Herr der Ringe als Weltcupsieger, aber auch digitaler Medien-Nobody

Stell Dir vor, ein österreichischer Sportler gewinnt als Seriensieger den Gesamtweltcup in einer klassischen Sportart wie Turnen, mehr noch, als erster und einziger Österreicher, der das je geschafft hat – und er steht trotzdem zumindest online-medial deshalb im Schatten eines David Alaba, weil der nach dem glücklichen 1:0 von Real-Madrid bei Inter seiner Partnerin ein so tolles Liebesbekenntnis demonstriert! Wirklich toll, oder? Ja, was mögen oder müssen sich Extraklasse-Sportler vom Kaliber eines Vinzenz Höck, so nebenbei hochintelligenter technischer Mathematiker, angesichts solch eigentlich unsportlicher Diskrepanzen denken! Ja, an sich müssten ja darob die Hühner lachen, dass da ein echter und nicht eingekaufter, eingebürgerter Turner bei vier Weltcupstarts viermal der absolute Herr der Ringe, seiner Spezialität wird, aber froh sein muss, dass man trotz übrigens sehr flotter Aussendungen des Verbandes überhaupt davon Notiz nimmt! Kann schon sein, dass sich viele denken: Na ja, wenn einer nicht einmal in Tokio war, was soll der können…?

Aber Vorschub zu dieser eklatanten Fehleinschätzung, mit Verlaub, leisten auch die extrem harten Olympia-Qualifikationsregeln, weil für den Weltverband individuelles Spezialistentum weniger oder so gut wie gar nichts zählt im Vergleich zu universellen Allroundturnern und den für die Spiele qualifizierten, limitierten Mannschaftsriegen, aus denen sich das Gros der Einzelturner bei den Olympischen Spielen rekrutiert. Und da wird, auch wenn Vinzenz Höck, 26, an den Ringen ein Medaillenkandidat gewesen wäre, keine Rücksicht auf Verluste, sprich: Nicht-Teilnahme, genommen. Also muss der in Innsbruck vom Tschechen Koudela trainierte Weltcupsieger zunächst sein Final- und womöglich Medaillenglück bei den kommenden Weltmeisterschaften im Herbst zu zwingen versuchen, ehe er die Paris-Spiele 2024 ins Visier nimmt.


Er hat also maximal zwei Jahre Zeit, um Schwächen an ein, zwei Geräten auszugleichen, ohne aber seine Ringe-Stärken zu minimieren. Und Mehrkampf (zweimal 6) im Turnen, das ist, etwas überspitzt formuliert, fast so, als müsste sich jemand in der Kombination aus Abfahrt, Riesenslalom, Slalom, Springen, Langlauf und Biathlon oder Freestyle-Ski für Winterspiele qualifizieren, weil´s keine Qualifikation über die Einzelschiene gibt. Wenn Vinzenz Höck also ungeschlagen den Weltcup an den Ringen gewinnt, dann kann man das an sich aus österreichischer Sicht gar nicht hoch genug einschätzen. Es ist, um auch da wieder den Vergleich zu strapazieren, das schönste Liebesbekenntnis eines Herrn der Ringe an die Lieblingsdisziplin in seinem Lieblingssport Turnen, bei dem es nicht ums Turteln, sondern um Trainingstortur geht.

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