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Heuchelei im Fall Walijewa und das Härteprinzip im heutigen Spitzensport

Eiskunstlauf, Herz und Schmerz, Neid und Missgunst, Dramen und Tragödien, Kabale und Randale, das ist seit Jahrzehnten eins – mit oder nun ohne Traumnote Sechs, die es seit 20 Jahren nicht mehr gibt, mit oder ohne Vorwürfe und Vorurteile, mit oder ohne Schuld und Sühne, mit oder ohne tolle Programme, dreiste Politik oder gar handfeste Skandale. Ältere Semester erinnern sich ja noch an Tonya Harding, die Erzrivalin Nancy Kerrigan mit einer Eisenstange traktieren hatte lassen vor Lillehammer 94. An bestochene Preisrichter und politische Blockbildungen. An Lug und an Trug. Das hat Tradition auf dem glatten Parkett.

Just während und bei Olympia 2022 hat das fröhliche oder Skandal trächtige Urständ´ gefeiert rund um das letztlich entzauberte, also doch nicht unschlagbare, erst 15jährige Wunderkind Kamila Waljiewa. Sie kennen ja die ganze Vorgeschichte mit der positiven Dopingprobe vom 25. Dezember 2021, die just erst nach dem Team-Gold für Russland mit der Traum-Kür von Kamila publik gemacht worden war, seltsamerweise nach sechs Wochen, die sie sozusagen auf Eis gelegen war.

Mit einem Herzmittel soll sie sich oder, noch weit verwerflicher, diabolischer, menschenverachtender, man von ganz oben in der Polit-Hierarchie, womöglich von Putin befohlen, die 15jährige gedopt haben. Weg mit ihr und natürlich auch gleich ihrer (Chef)-Trainerin Tutberidze, die ganz allgemein – da muss man sich nur die ganzen Kommentare in den sozialen Medien anschauen, in denen vor allem von gutmenschlichen  König(inne)n der Ahnungslosigkeit viel Gift verspritzt wird – als wahrer böser Geist entlarvt, verdammt und verteufelt wird.

Die Heuchelei, mit der auch medial die Gleichen, die das Walijewa-Umfeld vernichtet haben, sich jetzt aufpudeln, dass die arme 15jährige so in die Enge getrieben wurde, bis sie in der Kür versagte, ist wahrlich himmelschreiend. Und noch viel schlimmer finde ich, dass jetzt grundsätzlich über den Jugendtrend im Eiskunstlauf nach dem Motto: Sport ist Mord, hergezogen wird. Ob vorgestern, gestern, heute oder morgen, so dreht und dreht sich die Spirale im immer professionelleren, an der Spitze immer dichteren Sport nach oben – auf dem Eis im wahrsten Sinn des Wortes sprunghaft mit Vierfachen, inzwischen auch und vor allem bei den blutjungen, noch zarten, leichtgewichtigen Mädchen.

Aber nicht nur, weil und wenn das olympische Prinzip von: Citius, altius, fortius (schneller, höher, stärker) regiert. Auch darum, weil es von einem unbarmherzigen, mitleidlosen Satz begleitet wird: Nur die Härtesten unter den Harten kommen durch. Oder die Brutalsten gegen sich selbst, in welcher Form auch immer. Und in welchem Sport immer, in dem sechs bis acht Stunden an Training und Selbstüberwindung am Tag so gut wie im ganzen Jahr die Voraussetzung ist. Das gilt nicht nur für die Eiskunstlauf-Teenager, sondern generell und pauschal für den Spitzensport von heute und morgen, der mit dem hehren, edlen Sport von gestern nichts mehr zu tun hat. Und noch dazu von Giftpfeilen der Medien begleitet wird. Herz und Schmerz, Dramen und Tragödien, Randale und Kabale, das alles ist Teil des Verkaufsschlagers, der Sport heißt. Wer es nicht ablehnt, muss es akzeptieren…

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