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Anmerkungen zu Peking-Bashing, Eislauf-Empörung und unterdrückter Wachs-Kritik

Werte Leser, Freunde meines Blogs, aber auch jene, die bei einigen Themen der Peking-Winterspiele 2022 nicht meine Meinungen teilen – gerade deshalb werde ich mich mit diesen (auch suspekten) Aspekten noch einmal beschäftigen. Ganz abgesehen davon, dass das vor allem von den Deutschen geübte generelle Peking-Bashing ja nicht vonnöten gewesen wäre, hätten sie selbst für und nicht gegen Olympia votiert. Und wie die Chinesen, so wurden und werden Russen geprügelt, wobei man sich mitunter kaum des Gefühls erwehren kann, dass sie sozusagen als sportliche Vertreter des politischen Gottseibeiuns Wladimir Putin herhalten müssen.

Und dann gibt´s da den ebenso skandalträchtigen wie letztlich tiefen Fall des noch 15- und im April dann 16jährigen Eislauf-Wunderkindes Kamila W., das auch vom Mainstream mit deutscher Speerspitze als bemitleidenswertes Missbrauchsopfer einer gnadenlos erfolgssüchtigen Trainerin hingestellt wird, die ihr mit mitleidloser Brutalität die Jugend mit allem Drum und Dran gestohlen habe. Wo und wenn die sportlich sonst eher desinteressierten Gutmenschen rundum aufschreien, da gehen die Olympier nicht in Deckung, sondern gleich in die Offensive, um zu prüfen, ob man das Mindestalter für Großwettkämpfe und vor allem Winterspiele nicht um ein paar Jährchen nach oben setzen kann, nein muss. So was hört sich beim aktuellen Anlass natürlich insofern gut an, dass das positive Echo einer anders gepolten, uninformierten Gesellschaft garantiert scheint.


 

Keine 13, schon Bronze: Marika Kilius mit dem ersten Partner Franz  Ningel.

Ingrid Wendl: Olympiabronze als 15jährige Gymnasiastin bei den Sailer-Spielen 1956.

Wunderkind Kamila als gefallenes Eis-Engerl.

An diesem Punkte, bitte vielmals, möchte der altgediente, durch viele Wässerchen geschwommene Chronist einhaken, um in seinen Erinnerungen ebenso wie jenen von noch weit profunderen Kennern der Szene zu kramen. Den besonders kritischen Deutschen nicht nur aus der Sportwelt sei ins Stammbuch geschrieben, dass eine gewisse Marika Kilius, Tochter einer Hutmacherin aus Frankfurt am Main, demnächst 79, schon im zarten Alter von 12 Jahren mit ihrem ersten Partner Franz Ningel sowohl EM- als auch WM-Bronze gewonnen hat, ehe sie die ganz große Karriere mit Hans Jürgen Bäumler machte. Und was Katharina Witt, die DDR-Carmen auf dem Eis betrifft, die jahrelang als sportliche Ikone des KP-Regimes gedient hat, um jetzt auf den Putz zu hauen, müsste sie selbst ja wissen, dass sie gerade 16 geworden war, als sie EM- und WM-Silber 1982 holte.

Und wenn wir Österreicher uns im Gleichklang mit anderen lauthals verbal empören über das Kamila W.-Los, dann … ja, dann erinnere ich mich daran, als 12-jähriger Gymnasiast unsere 15-jährige Mitschülerin Ingrid Wendl nach der Rückkehr aus Cortina d´Ampezzo anno 1956 als damals jüngste Olympiadritte im Eiskunstlauf bewundert, nein: fast angehimmelt zu haben. Natürlich gab´s damals weder so hohe Sprünge noch so hohe Ansprüche in einer anderen Zeit, aber auch damals galt die Devise, dass Meister(in) nur werden kann, wer sich möglichst früh übt. Auf dem Eis ebenso wie in Eifer und Selbstdisziplin. Also im Kindesalter. Ich habe nie gehört, dass sich die Ingrid, verheiratete Turkovic, über eine durch viele Gold-, Silber- und andere Medaillen geschmückte Jugend beschwert hätte. Und sie hat´s auch im Leben danach zu was gebracht. Chapeau!  

Szenenwechsel, obschon wir bei den Winterspielen bleiben. Fortan aber geht´s nicht ums Eis, sondern die eisigen und eiskalten Bedingungen vor allem im Skilanglauf. Interessant, dass die meisten unserer Loipengegner, ob jetzt bei den verdatterten, medaillenlosen Staffel-Kombinierern, ob bei der medaillenlosen Biathlon-Weltmeisterin Hauser, mit dem Material der gleichen Ski-Firma schneller durch die Loipe flutschten. Da offene und öffentliche Kritik ja untersagt sind, klang sie hin und wieder nur versteckt durch, weil ja der Grundsatz im ÖSV lautet: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Tatsache aber ist, dass fast alle Gold- und sonstigen Medaillen auf Fischer-Latten aus dem eigenen Peking-Service-Team der Ried-Firma kamen.

Und während das von Fischer präparierte Material auf dem speziellen Kunstschnee in großer Höhe wie geschmiert lief, schien bei den rotweißroten Hoffnungen das Pech im wahrsten Sinn des Wortes auf den Skiern zu kleben. Fazit: Service und Service, Struktur und Struktur am Belag sind eben zweierlei, wobei es alles andere denn einerlei ist, ob man sich da womöglich vergreift. Aber da wir prinzipiell ja sowieso überall in eigener Selbstein- oder -überschätzung die Besten sind, lassen wir uns die ÖSV-Waxler nicht schlecht reden. Also wurde von den Betroffenen mehr oder weniger verschwiegen, was der eine oder die andere lieber artikuliert hätte: Verlorene Zeiten und verpasste Medaillen waren unterm (Schluss)Strich auch hausgemachte Irrtümer. Obschon´s nicht klar ausgedrückt werden durfte, so ist ganz sicher einiges dran. Quintessenz: Manchmal würd´s auch Chefitäten gut anstehen, Fehler zu gestehen statt sie bei anderen zu suchen. Oder gar unter den Tisch zu kehren.

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