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Skifahren

Hauch Schweijk oder: Matz mag man eben

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Mit Saalbach-Hinterglemm und Bartl Gensbichler, der Abfahrtskanone i. R., triumphierte bei der WM-Vergabe natürlich auch Peter Schröcksnadel, der professorale Ski-Napoleon, der sich auch vermeintliche Feinde zu Bundesgenossen bei der Abstimmung gemacht hatte. Außer Alexandra Meissnitzer aber rührten weder eine Veith noch ein Maier, weder Hirscher noch Walchhofer, um einige Olympiasieger und Weltmeister aus Salzburg zu nennen, großartig die Werbetrommel für die Heimat-Kandidatur. Dafür zog hinter den Kulissen der Prominenz ein grau gewordener Wuschelkopf, den vor allem Ski-Insider kennen und zu schätzen wissen, auf seine ureigenste Art wichtige (WM)-Fäden. Und wer diese weitgehend unbekannte Größe sein soll? Erraten, Diplom-Ingenieur Kurt Matz, ein gebürtiger Wiener, aufgewachsen nahe Liberec (Reichenberg) in der Böhmei, seit Jahrzehnten aber daheim in Kufstein, wo er jahrelang für den Ski-Patriarchen und Platzhirschen Franz Kneissl als Rennbetreuer der alpinen wie nordischen Skisportler, aber auch großer Tennisstars, die Rolle des „Sternsingers“ spielte. Solange als treuer Diener, bis der einst strahlende Stern verglühte.

Um es auf einen geneinsamen Nenner und den Punkt zu bringen, der in zwei (Polit-)Welten großgewordene Diplom-Ingenieur ist im doppelten und wahrsten Sinn des Wortes ein echter, fast aller Ostsprachen mächtiger S(ch)lawi(e)ner, aus dessen verschmitztem Gesicht – selbst einer wie er kann halt prägende Bubenjahre nicht verleugnen – so etwas wie der brave (Sport-)Soldat Schwejk lacht. Mittlerweile sein eigener Herr mit einer Agentur, aber stets zu Diensten auch des ÖSV als ein Mitarbeiter, der sich für kaum etwas zu schade ist. Sei es als Handlanger beim Aufstellen von Werbebögen für Events des Verbandes, sei es als wichtiger Mittler zwischen Welten, Verbänden und (stimmberechtigten) Personen, wenn Kandidaturen für Weltmeisterschaften und/oder Weltcups anstehen. Da kann der Kurti mit seinem Fachwissen und seinen Kontakten auch das Sprachentalent einfließen lassen, das vom Tschechischen über alle slawischen Sprachen bis zum Russischen, aber auch Schwedischen und Englisch reicht. Und wie heißt´s so schön: Durchs Reden kommen d´ Leut´ z´samm. Und wo Leut´, dort kommen auch Stimmen z´samm. So tickt er, der Herr Ingenieur, deutscher Böhm oder böhmischer Tiroler, wie man´s nehmen und nennen will. Vom Herzen aber ein echter Österreicher!


„Der Kurti“, sagt der frühere Kneissl-Topstar Karl Schranz, der bei der St.-Anton-Bewerbung 2001 auch vom jüngeren, alten Kumpel Matz unterstützt wurde, „ist einer, der in alle Saiten greifen und auf allen Klavieren spielen kann. Und er ist das, was man einen hilfsbereiten, klassen Burschen und einen Menschen vom alten Schlag nennt!“ Einer, der selbst durch alle möglichen Wässerchen und dabei oft gegen den (politischen) Mainstream geschwommen ist. Einer, der Sportler nicht nur betreut, sondern versteht, weil er selbst ein guter Sportler war. „Als Langläufer“, erinnert Matz an seine früh abgebrochene Loipenkarriere, „war ich zweimal bei der Universiade. Und dabei war ich auch der beste Wiener – ich bin für die Technik-Uni g´rennt!“

Später hatte er jede Menge an großen Alpin-, Loipen-, Schanzen und auch Tennisstars erst an der Angel und dann unter seinen Fittichen, darunter auch einen Weltstar wie den mehrfachen Grand-Slam-Sieger Ivan Lendl aus Ostrau, den er als Teenager in den Kneissl-Stall gelockt bzw. geholt hat. Mit dem für ihn typischen Schmäh, mit dem er viele Größen eingewickelt, aber auch zu großen Erfolgen mit verholfen hat. Wer von ihm redet, der denkt unwillkürlich an den Slogan einer Schoko-Firma, den man für ihn umwandeln müsste: Matz mag man eben! Ohne Wenn und Aber, weil es einen wie ihn so schnell kaum mehr geben wird, einen Mann, der menschlich denkt und ebenso handelt. Hilfsbereitschaft selbstverständlich auch ohne, aber noch lieber, wenn es Part of the Game ist, mit Gegengeschäft. Das gehört zur Sportdiplomatie dazu, die einer, der in Wien zur Welt kam und im Ostblock aufgewachsen ist, von Kindesbeinen an gelernt hat. Wer weiß, vielleicht vermittelt er diese ganz persönlichen Eigenschaften auch seinem Enkel, den er über alles liebt. Da hieße der abgewandelte Slogan dann dereinst so: Den Maxi (Matz) mag man eben. Ein Gütesiegel als Kennzeichen.

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