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Kleine Anregung zur Sportlerwahl, um Birnen nicht in Äpfeln zu würfeln

Ob´s wirklich so kam, wie es in Sportportalen unter deren Lesern schon gekommen war, wage ich nicht zu behaupten oder zu schreiben. Ich wage aber zu sagen, dass diese von Kollegen meiner Zunft bestimmte Form von Sportlerwahl(en) des Jahres samt Gala-Ehrungen einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Nicht nur deshalb, weil da allzu oft allzu große regionale Prioritäten und lokalpatriotische Präferenzen eine nicht unwesentliche Rolle spielen, und für meine Begriffe viel zu viel Einfluss auf den Ausgang nehmen. Das sind die einen Vorbehalte, die ich aus Sicht eines der am längsten in der Branche dienenden Sportberichterstatter schreiben und sagen kann. Die anderen sind ja die alten Bedenken, dass es halt unmöglich ist, Birnen mit Äpfeln und umgekehrt aufzuwiegen. Und durcheinanderwürfeln.

Wie kann man den olympischen Himmelsturm eines Johannes Strolz anders als beim Vater fast aus dem Nichts oder das dritte Speed-Gold von Matthias Mayer, also Einzel-Triumpfe, mit den Leistungen, sprich: Mannschaftssiegen von David Alaba bei Real Madrid vergleichen? Und warum ist im Vorfeld der Name jenes erst mit 14 Jahren und nach GC-Fontana-Ausbildung aus Wien in die USA ausgewanderten Sepp Straka so gut wie nie gefallen – oder erst mit Zeit-Zündung, als der erste historische österreichische PGA-Turniersieger im Weltsport Golf zwei weitere Erfolge erst in einem Stechen vergeben hatte. Aber mittlerweile ist der Kraftmeier mit Gefühl schon die Nr. 3 auf der US-FedEx-Cup-Liste und die Nr. 26 auf der Welt . Und ein Austro-Amerikaner, der den Wien-Akzent bewahrt. Wie die rotweißrote Flagge, unter der der Doppelstaatsbürger spielt. Trotzdem: Sepp ist halt weit vom Schuss und meistens nur im aufwendigen Pay-TV zu sehen!

Ich kann nur empfehlen, dass die neue, jüngere Generation eine Anleihe bei Hubert Neuper und dessen legendären, unvergessenen World Sports Award of the Century anno 1999 in der Wiener Staatsoper nimmt. Damals wurden Jahrhundertsportler in den verschiedensten Bereichen gewählt, im Ballsport, im Wassersport, im Eissport und im Skisport, im Motorsport und im Kampfsport. Und wer aus all diesen Bereichen die Höchstnoten bekommen hatte, der wurde zum Jahrhundertsportler ernannt – wie Muhammad Ali, der nicht nur aus eigener Sicht, sondern in der Tat mit allem Drum und Dran der Größte war, sportlich wie als Entertainer. Und damit eine der schillerndsten Figuren, die die Sportwelt je gesehen und zu nachtschlafender Zeit via TV verfolgt, bewundert oder am Ende bemitleidet hat.

Ich meine, dass das über manch andere gesellschaftspolitisch determinierten Intentionen hinaus eine Anregung wäre, mit der man sich auseinandersetzen sollte, um dieses auch von beleidigten Reaktionen begleitete Wahlsystem zu reformieren. Nicht zum Vorteil irgendwelcher Sportler, sondern im Sinne der Gerechtigkeit. Ich meine, dass auch jener über Motor- und Skirennsport hinaus nur peripher informierte Niki Lauda, dessen Gedenken diese Trophäe namentlich gewidmet wurde, mit solch einer Lösung durchaus einverstanden wäre.

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