
Via TV-Übertragung konnte ich Sonntagnacht live im fernen Rabat beim größten Skandal am Ball sein, den es jemals nicht nur im Afrika-Cup, sondern auch in einem kontinentalen oder WM-Finale gegeben hat. Wer die wüsten Szenen, den Abgang der Senegalesen gegen Elfer-Entscheidungen von Referee Nganbo in die Kabine, aus der sie dann Superstar Mane wieder herausholte nach einer Viertestunde, erlebt hatte, der konnte sich über manch eher Marokko-feindliche Berichterstattung vor allem in den deutschen Printmedien wie etwa im „Bild“ nur wundern. Mag sein, dass sie diese Schlagseite entwickeln, weil der deutsche Senegalese Jackson bei Bayern unter Vertrag steht – und Mane, bulliger Ex-Bayern-Star, noch immer viele München-Anhänger hat.
Auch für einen ehemaligen England-Legionär als treffsicheren TV-Experten wie Johnny Ertl war von strittigen Entscheidungen keine Rede, weil vor dem vermeintlichen ersten Tor für Senegal schin abgepfiffen, der marokkanische Star-Captain Hakimi ebenso eindeutig niedergerissen worden war wie dann in Minute 98 der Nachspielzeit der spätere marokkanische Unglücksrabe Brahimi im Strafraum vom Senegalesen Diouf, was in Zeitlupen-Wiederholungen klar zu erkennen war – und damit dem Schiedsrichter Ngambo recht gab. Was die Senegalesen samt Trainerstab daraufhin inszenierten, spottete jeder Beschreibung und hätte, diesen Vorwurf kann man dem gelassenen und allzu geduldigen Referee nicht ersparen, eigentlich zum Abbruch führen müssen, denn ohne Manes verzweifeltem Eingreifen wären seine Kollegen wohl nicht mehr aufs Feld gekommen…
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… und hätten durch die Skandalszenen und Unterbrechungen auch die Marokkaner und ihrem WM-Schützenkönig Brahimi nicht aus derart aus der Fassung bringen können, dass er wie ein Stümper den Elfmeter dem hünenhaften Torhüter Mendy zum Entsetzen der Betreuer und der 60.000 Fans direkt in die Hände schoss. Statt Sieg für die Gastgeber gab´s im Gegenzug dann das 1:0 für Senegal, das einwandfrei und über jeden Verdacht erhaben war. Den Marokkanern, deren Ausgleichschance in einer zu späten Offensive an der Latte scheitert, fiel ihre prinzipiell auf solide Defensive ausgelegte Taktik auf den Kopf. Nicht immer und schon gar nicht unter Erfolgszwang in einem Heimfinale ist Verteidigung der beste Angriff wie beim Einzug ins WM-Semifinale in Katar.


Die Frage, die sich auch für FIFA-Präsident Gianni Infantino stellt, der als Augenzeuge alles verfolgt hatte, ist jene nach den vernünftigen Konsequenzen und angemessenen Strafen nach diesem größten Skandal in einem Endspiel. Wenn da nicht hart durchgegriffen wird, dann sendet man ein falsches Signal an den heutigen, ohnehin durch Kommerz diktierten Fußball, in dem auf Augenhöhe von Teams vor allem darauf geachtet wird, mit allen Mitteln nicht das erste Tor zu kassieren. Für Marokkon war´s trotz Finale eine sportliche Pleite, punkto Security aber eine geungene Generalperobe für die Heim-WM 2o30, weil ein versuchter Platzsturm der Sengal-Fans verhindert worden war. Nicht immer aber wird´s einen so besonnenen Mann wie Mane geben, der statt des fälligen Abbruchs gegen den Befehl seines Teamchfs auf Aufbruch bestand. Und zu seinem angekündigten Abschied vom Team dann noch über Sieg und Pokal jubeln durfte. Ob beide Länder, vor allem aber Senegal und sein Headcoach Papa Thiaw mit Sanktionen für die kommende WM in USA, Kanda und Mexiko rechnen müssen, wird sich erst zeigen. Verlierer war sicher in diesem Afrika-Cup-Finale der Fußball auch ohne Ende mit Schrecken.













