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Von Russen-Bashing und Ohnmächtigen des Sports, die entzweien statt einen

Ich bin mir dessen bewusst, dass man mich geißeln, verfluchen und natürlich ins Abseits stellen wird. Aber ich finde, dass manches gesagt oder geschrieben werden sollte, nein: müsste, was offenbar im medialen Mainstream auch und gerade in der Sportberichterstattung nicht vorkommt, weil auch nicht erwünscht. Es geht um das völlig undifferenzierte Russen-Sport(lerInnen)-Bashing, das sich allerdings dann, wenn´s um Glamour und Glitter,, aber auch gute US-Russen geht, nicht ganz so ernst genommen wird. Was lese ich da heute, begleitet von schönen Fotos, die uns zeigen, was demnächst das Licht der Welt erblicken soll?

Die schöne Maria Sharapova, die aus Sibirien kam, oft im FedCup für Russland gespielt und fünf Grand-Slam-Titel (alle vier Majors) für ihre Heimat gewonnen hat, längst aber im Sunshine State Florida ein süßeres Leben führt, ist schwanger! Kinder, Kinder! Eine wahrhaft schöne Bescherung zu Ostern, die sie via Social Media kundgetan hat. Zwar erst verlobt mit einem Briten, der nicht aus dem Armenhaus stammt, aber als 35jähriger Tennis-Topstar i. R. endlich guter Hoffnung, worauf wir alle den Daumen nach oben zeigen, bevor wir ihn für sie und Kindlein drücken.

Guter Hoffnung. Ein Stichwort in ganz anderem Sinn. So grausam der Krieg, den die Russen aus welchen Motiven immer angezettelt haben, so war und ist er ja nicht der einzige, mit dem wir seit Jahrzehnten konfrontiert wurden und sind. Und wenn immer wieder davon geradezu gefaselt wird, welch Völker verbindende und Menschen aller Schattierungen einigende Wirkung der (Welt)-Sport hat, dann kommt genau das derzeit unter die Räder, nicht nur der Panzer, sondern auch konträrer Schlagzeilen. Auch wenn man damit den wahlweise nicht mehr Präsident, sondern Diktator, Tyrann, Neo-Stalin und weiß ich noch was Wladimir Putin treffen will, ohne es bisher zu schaffen, so werden – mitgehangen, mitgefangen in Sippenhaftung – alle russischen Sportler geprügelt und mit wenigen Ausnahmen von großen Wettkämpfen ausgeschlossen!

Ja, diese bösen Russen, die sich ja in einem Pauschalurteil sowieso alles nur mit systematischem Staats-Doping verbotener Weise erschlichen haben! Weg mit ihnen! Nur nicht anstreifen, man könnt´ sich ja dabei anstecken, oder? Nur so nebenbei sei gefragt, wie das denn beim privatwirtschaftlich finanzierten Balco-Dopingskandal in Amerika war? Sind da auch alle Verbände pauschal suspendiert worden oder doch nur ein paar Top-SportlerInnen, die sich gegenseitig auch durch Neid oder Dummheit verraten haben? Und wie schaut´s eigentlich mit Kriegshandlungen anderer aus, etwa mit den Amerikanern?

Ja, als die Russen unter Breschnjew in Afghanistan einmarschierten, da gab´s einen USA- und Nato-Teilboykott der Moskau-Spiele, wofür sich die Russen vier Jahre später revanchierten, als sie mit dem Gros ihrer Warschauer-Pakt-Satelliten die LA-Spiele boykottierten – ohne dass China und Rumänien mitgespielt hätten. Und was war mit US-SportlerInnen beim Vietnam-Krieg oder den beiden Irak-Kriegen, mit den Bomben auf Belgrad im Kosovo-Feldzug? Wurden die Amis wie Parias absentiert? Mitnichten! Und wie schaut´s mit dem Kampf der Saudis im Jemen aus, wo es schon mehr als 200.000 tote Zivilisten gibt? Nicht nur die Formel 1 fährt im Kreis, es werden gegen Millionen-Prämien und Antrittsgagen auch munter Golfbälle geschlagen und Feudalherren hofiert, als wär´s normal. Niemand würde rufen: Nicht reinlassen, sondern ausladen!   

Nein, nein, es geht nicht ums Auf- oder Abrechnen von Kriegsverbrechen und Gräueltaten, sondern darum, dass der (Welt)-Sport mit seinen Verbänden und Topfunktionären, vor allem des IOC, nicht den Erfüllungsgehilfen einer Seite/Partei spielen sollte, nein dürfte. Vielmehr sollte, nein: müsste er kraft und dank der Macht, die im Sport mit all seinem Drum und Dran steckt, als Brückenbauer und unabhängiger Vermittler eine Rolle spielen, die a la longue eint, was die Politik entzweit. Womit wir aber beim alten Lied angekommen sind, dass sich die Politiker den Sport zu einem ihrer wichtigsten Untertanen gemacht haben. Und damit so oder so, noch dazu unterlegt mit heuchlerischen Tönen, echtes Schindluder betreiben. Samt ihren geltungssüchtigen, aber lahmen Erfüllungsgehilfen. 

Und das erlaube ich mir, der als Kriegs- und Nachkriegskind von Russenphobie und Kriegsängsten ganz stark geprägt war, auch unseren Sportfunktionären ins Stammbuch zu schreiben. Sippenhaftung ist ja inzwischen stillschweigend so gut wie verboten. Zumindest offiziell kommt sie ja damit samt Kollektivschuld im aktuellen Rechtsstaat nicht mehr vor. Man kann sich aber tagein, tagaus derzeit vom Gegenteil überzeugen. Auch und vor allem im Sport, wo derzeit ganz laut mit den Wölfen geheult wird. Abwarten, wie es weitergeht. Maria Sharapova aber wünsche ich zum Happy End das beste und schönste Mutterglück als russische Amerikanerin oder amerikanische Russin…

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