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Wenn Djokovic auf den Punkt getroffen wird, geht selbst einer wie er K. o.

Ja, wer hätte das gedacht! Da gewinnt Novak Djokovic einen Grand-Slam nach dem anderen, wenn er nicht, wie im Herbst in New York, aus dubiosen Gründen disqualifiziert wird. Da  hat´s bei Olympia in Tokio schon ausgesehen, als würde der Olympiasieg nur eine kurze Zwischenstation auf dem zum Golden Slam, den bisher – die Gender-Fans können da weiter jubeln – mit Steffi Graf anno 1988 nur eine Frau vollendet hat, also alle vier Grand-Slam-Titel und Olympiagold in einem Aufwaschen in einem Jahr zu gewinnen! Als der Serbe einen Gegner nach dem anderen im Eiltempo abserviert und dann noch den ersten Satz gegen Alexander Zwerew hoch gewonnen hatte, jenen Zwerew, der noch nie in einem Major gegen ihn gewann, da schien´s, als hätte er freie Bahn. Aber genau da, als er 6:1 und Break voraus führte, kam´s offenbar zum mentalen Kollaps, von dem sich selbst eine haushoch überlegende Nummer 1 der Welt nicht mehr erholte.

Djokovic, dieses Musterbeispiel einer fast schon präzise und perfekt arbeitenden Erfolgsmaschine, verlor den Faden, den Glauben an sich selbst, das Match gegen Zwerew, damit die Chance auf Gold und Golden Slam – und damit offenbar auch die innere Bereitschaft, psychische Stärke und die Kraft des Willens, um (wie schonj inj Peking 2008) Bronze als kleine Entschädigung zu gewinnen. Noch dazu, da mit Pablo Carreno Busta im spanischen G´wandl just der gleiche Gegner auf den Platz kam, gegen den er im Vorjahr schon einmal die Nerven verloren und dann als Turnierfavorit aus den US-Open ausgeschlossen worden war. Offenbar für Djokovic fast schon etwas wie ein Fanal, dass da die längst vertrieben geglaubten Dämonen aus den Löchern gekrochen waren, um ihm erneut einen Strich durch selbst die kleinere Bronze-Rechnung zu machen.


Da war nichts mehr da von der sonst großen Selbstsicherheit, nichts mehr zu sehen von einer Ausstrahlung der Unantastbarkeit, einer seiner Wesenszüge, die ihn nicht gerade zum Publikumsliebling in aller Welt gemacht haben. Auf einmal war Djoker, der Überdrüber-Tennisspieler, der Mega-Star, zu einem ganz normalen Klassespieler geschrumpft, dem selbst das Herz in die Hose gerutscht war statt den Gegnern Zwerew und Carreno Busta vor ihm, dem 20fachen Grand-Slam-Sieger und Weltranglistenführenden.

Ja, so schnell, aber auch unerwartet bis außergewöhnlich kann´s im Tennis gehen, das ja eine subtile Form des Boxens bleibt, nur mit Ball und Schläger, aber ohne sichtbare Cuts und ohne erkennbaren „Lucky Punch“, bei dem Blut fließt oder der Gegner k. o. im Ringstaub liegt. Die wahren Wirkungstreffer im Tennis hinterlassen keine äußeren Spuren, sie treffen aber dafür den Nerv. Und dann kann´s passieren, dass einer wie Novak Djokovic, der vordem alles im Griff hatte, mit dem Kopf die Nerven verliert. Selten zuvor hat man das auf so spektakuläre, dramatische und sensationelle Weise erlebt wie in Tokio 2020/21. Was den Golden Slam betrifft, bleibt Steffi Graf das Maß aller Dinge.

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