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Von österreichischen Ausnahmesportlern und Kehrseiten der Medaillen

Vierte Medaille für Österreich in Tokio, dien zweite aus Bronze. Aber Goldes wert für Skiff-Ruderin Magdalena Lobnig, die vor allem gesundheitliche Rückschläge überwinden musste, um die olympischer Endstation Sehnsucht zu erreichen, die Podest hieß. Schade für den Kanuten Felix Oschmautz, den Außenseiter, der sich fast zu einer Medaille geschlängelt hätte im Wildwasserkanal. Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend im Land der aufgehenden Sonne, wo inzwischen ja schon rotweißrote Sterne aus dem Nichts aufgestiegen sind. Und wer weiß, was die Nervenstärke des Diskushünen Lukas Weißhaidiger und des schlagkräftigen Golfers Sepp Straka noch alles ausmacht, von der man sich live via Fernsehen überzeugen konnte.

Beide suhlen sich übrigens nicht wie viele heimische Sportler in hausgemachten Erfolgen oder konkurrenzlosen Qualifikationen, sondern sind durch härteste Wettkämpfe gegen stärkste Konkurrenten gestählt, der eine in den US-PGA-Turnieren gegen einen Großteil der Topstars, der andere in Top-Meetings a la Diamond League. Darum hat der Kraftprotz Straka, als Führender am zweiten Tag unter Druck, drei frühe Schlagverluste am Ende noch wettgemacht, um als Dritter, also im Bronze-Rang, in die dritte Runde am „Moving Day“ zu gehen. Darum hat Weißhaidinger nach zwei Fehlwürfen im Kampf um alles oder nichts den Diskus so weit geworfen, wie es seinem Standard und seiner Form entspricht.


 

 

 

 

Ob diese beiden, ob eine Anna Kiesenhofer, eine Lobnig oder Polleres, ein Flüchtlingskind wie Borchashvili, ein Auslands-Ösi wie Felix Auböck oder ein Familiensolist a la Andras Schwab, eine Kanutin wie Viktoria Wolffhardt oder die Jungschwimmerin Lena Grabowski, auch wenn beide im Semifinale letztlich scheiterten – das sind SportlerInnen mit speziellen Tugenden, an denen sich ihre heimischen Gegner, aber auch ihre möglichen Nachfolger orientieren müssen. Und es liegt auch an den jeweiligen Verbänden mit ihren jeweiligen Funktionären, Sportdirektoren und Trainern, sich im Soge der aktuellen olympischen Medaillen, Sensations- oder Achtungserfolge um Nachhaltigkeit zu kümmern analog den geflügelten Worten, die da heißen: Wo Tauben sind, dort fliegen Tauben zu. Wer aber nur die Leit- und Vorzeige-Tauben füttert, ohne an die Jungtauben zu denken, der darf sich nicht wundern, wenn die nicht flügge werden.

 

 

 

Diese typisch österreichische Unart, um nicht zu sagen: diese spezielle Form von Mismanagement, findet sich seit Jahrzehnten immer wieder in olympischen oder sonstigen Sommer- und Grundsport-Annalen. Ganz so, als wär´s als Macht der Gewohnheit fast schon ein österreichisches Schicksal. Ich bin gespannt, ob sich das mit oder nach Tokio ändert. Oder nur ein weiterer, neuer Akt im rotweißroten-Carpe-Diem-Drama als würd´s kein Morgen geben…

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