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Ein toller Hecht, der in allen Wässerchen schwimmt

Nur älteren Semestern unter Sportinteressierten wird wohl der Name Stanley Matthews etwas sagen. Der Mann war ein englischer Fußballer bei Blackpool und Stoke, aber auch im Nationalteam. Ein Dribbelkünstler als Rechtsaußen, wie man damals sagte, und ein international respektiertes, bewundertes Perpetuum Mobile, das bis ins damals höchste Fußballalter als Profi spielte. Erst mith 50 Jahren und fünf Tagen salutierte er bei Stoke im Duell mit Fulham ab. Danach gab´s noch ein Abschiedsspiel gegen eine Fifa-Auswahl mit Allzeit-Legenden wie Tormann Jaschin, Ferenc Puskas und Alfredo di Stefano. Im gleichen Jahr wurde er als Commander des British Empire von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen. Und ging als Sir Stanley Matthews nicht nur in die englische Fußballgeschichte ein, auch wenn ihn mittlerweile der Japaner Miura als ältester Profikicker um ein paar Tage überholt hat. Beides gelesen, kein Vergleich.

Warum ich just 46 Jahre nach dem Matthews-Endspiel und 21 Jahre nach dem Tod von Sir Stanley dieses Thema aufgreife, hat weder mit der britischen Legende noch mit Fußball zu tun, sondern mit Schwimmen. Genauer gesagt mit einem Schwimmer, der sich zwar auch für ein sportliches Perpetuum Mobile hält, aber nicht nur im freien Stil immer nur ein ganz kleiner Fisch war und es auch immer noch ist, auch wenn er – und das, obschon akademisch doppelt gemoppelter Spezialist fürs Kauwerkzeug – nicht einmal merkt, dass der Zahn der Zeit längst an ihm nagt.


Wie gesagt, es handelt sich um einen ganz tollen Hecht, der es seit Jahrzehnten stets geschafft hat, sozusagen off-limits alle möglichen Regeln außer Kraft zu setzen, um seinen Erfolgshunger zu befriedigen und an (seine lokalen) Ziele zu kommen. Er ist stolz darauf, Olympiaschwimmer gewesen zu sein, obschon richtiger wäre, von einem Hagestolz zu sprechen, der nur deshalb in Seoul 88 auf dem Startsockel stand, weil es um ihn und die an sich nicht qualifizierte Kraulstaffel ein Dachverbands-Tauschgeschäft gegeben hatte, dessen sich das Schwimm-Quartett auch durchaus würdig erwies, damals vor 33 Jahren. Man findet das Resultat allerdings nicht wie bei den vielen anderen Ösi-Versagern, die es dazumal in Korea gab, weil er und die Staffel nicht im Klassement aufschienen Und warum? Disqualifiziert!

Verständlich, dass ein so toller und so erfolgsgieriger Hecht so nicht aufhören konnte, sondern immer weiter und weiter und weiter machen musste als Seniorenschwimmer, der sich immer mehr der Weltspitze seiner Altersklasse näherte, je älter die Kategorie und je weniger Konkurrenz. Einfach toll. Nicht genug damit, bohrt der Mann nicht nur im Gebiss von Parienten, wirkt er nicht nur als Trainer im eigenen Verein, sondern diktiert noch mehr denn als Schwimmverbands-Vizepräsident als Capo der Sportkommission, wie wo und mit wem (darunter der sympathischen Tochter Lena und seinem Sohn Leon) es im heimischen Schwimmsport lang und womöglich soweit wie bei ihm als Aktiven gehen soll.

Und der Multi – wie gesagt, ein ganz toller Hecht – ist immer noch aktiv, aber nicht nur als sogenannter „Masters“-Schwimmer, sprich: Schwimmsenior, sondern mischt sich wie jüngst bei den Corona zum Trotz in Innsbruck durchgeführten Mannschaftsmeisterschaften als Mittfünfziger sogar unter Teenager neben seinem Startsockel – offenbar deshalb, um ihnen zu zeigen, wie frisch, fit und jung ihn der Schwimmsport gehalten hat. Zum Erfolg seines Vereins IBK hat der Herr Klubchef, Klubtrainer, Schwimmer-Vater, Masters-Schwimmer, Sportkommissar und Vizepräsident allerdings außer sich selbst nicht sehr viel an Punkten beigetragen, wenn man sich die Resultate zu Gemüte führt. Immerhin hat es Jahrgang 1967 geschafft, dass kein Jugendlicher, sondern ein Mittfünfziger über 200m Lagen auf der 25m-Kurzbahn mit knapp 21 Sekunden Rückstand auf den Sieger anschlagen konnte.

Na ja, aus der Sicht eines tollen Hechtes, der sehr stolz auf sich ist, war´s natürlich ein voller Erfolg. Man kann sich selbst davon überzeugen, wenn man in die Homepage des Schwimmverbandes schaut. Dort findet sich auch ein Foto der Innsbrucker – und mittendrin und nicht nur A (m Rande) dabei auch der in die Jahre gekommene, aber unersättliche Hecht im Karpfenteich mit Medaille, die er sich wahrlich und redlich verdient hat. Dreimal hoch! Solche Multis sind unverzichtbar im österreichischen Sport, damit wir in Zukunft nicht im Trüben fischen müssen, sondern beispielhaft durch alle möglichen Wässerchen schwimmen können.

Oje, jetzt hab ich doch glatt vergessen, seinen Namen zu nennen, damit ihm jede(r) zu all seinen Titeln, Zeiten, Altersrekorden und zudem noch seiner Charakterfestigkeit gratulieren kann. Schließlich hat DDR. Stefan Opatril aus Zorn darüber, dass in irrationalen Zeiten wie diesen keine (Aber-)Millionen für ein (seit Jahrzehnten überfälliges) 50m-Hallenbad in Innsbruck zur Verfügung gestellt wurden, dem zuständigen Politiker seinen ihm schon früher hochverdienten Orden vor die Füße geknallt. Ein Mann, ein Wort. Nein. Ein toller Hecht! In seinem Leben aber wird er leider weder ein geadelter Sir noch eine Allzeitlegende wie Stanley Matthews werden. Schade.

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