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Wer folgt den Spuren der Tokio-Helden, damit wir auch nach Paris 2024 feiern können?

Angesichts des Empfangs beim Bunddespräsidenten und des optimistischen Ausblicks des Chefolympiers auf die Sommerspiele in Paris, die schneller auf uns zukommen als man denkt, scheint eine zukunftsorientierte Analyse des heimischen (Olympia-)Sports durchaus angebracht. Zugegeben, selbst meine Wenigkeit, die fast alle Sportarten durchblättert, könnte keine international ge- und beachtete Nachfolgerin von Gold-Anna Kiesenhofer finden. Und bei allem Respekt vor Magdalena Lobnig hege ich so meine leisen Zweifel, ob die jetzt 30jährige nach gewonnener Medaille noch einmal die (mentale) Kraft aufbringen würde, sich am Riemen zu reißen. Und wenn ich schaue, wo sich neue Klettermaxes vom Kaliber eines Jakob Schubert in die Weltspitze mischen, dann fällt mir aktuell weder bei den Herren der Schöpfung noch bei den Damen ein einziger Name ein, der Gegenwart und Vergangenheit aufleben lassen könnte.

Gut und schön, es gibt ja noch weitere Borchashvilis aus den beiden tschetschenischen Großfamilien im Judo, auch Michaela Polleres ist noch jung genug, um ihre Griff- und Fallfertigkeiten zu verbessern, vielleicht auch noch die scweren Buben namens Stefan Hegyi oder Aaron Fara, wenn sie ein bisserl Losglück zusätzlich haben. Ob ein Luki Weißhaidiner noch ein paar Jahre drauflegt, m nach den Steren zu greifen, wer weiß? Auch die Ivonas (Dadic) und Verenas (Mayr, vormals Preiner) werden ja nicht jünger, wobei sich die Frage stellt, ob sich die Jüngste im Bunde, die frühere Junioren-Vizeweltmeisterin Sarah Lagger, aus der Umarmung der schon zweijährigen Stagnation befreit, um Vorschüsse einzulösen. Und wie schaut´s aus, wenn ein von Sponsoren ignorierter Felix Auböck, der haarscharf an Bronze vorbeikraulte, aus Frust wirklich aufhört statt sich noch einmal in einen dreijährigen Trainingsmarathon von 70km die Woche im Wasser zu stürzen? Kann Lena Grabowski (200m Rücken) zumindest in Europa eine Medaille holen wie einst als Junioren-Vizeweltmeisterin? Kann Marlena Kahler, 20, in Kalifornien halten, was sie einst bei den Youth Olympic Games (2x Bronze) versprach? Wird aus Simon Bucher ein Delfin, der internationale Wellen schlägt? Oder aus der 17jährigen Gangl eine Kraulsprinterin, die Rekorde bricht? Fragen über Fragen, ohne dass es Antworten gibt.


Nadine Weratschnig gehört zu den jungen Kanu-Hoffnungen, die der Altmeister Oblinger, Mann von Bronze-Violetta 2008) lenkt.

Auch wenn´s diesmal nur Blech gab, so kann man – im Gegensatz zum Flachwasser, wo wohl die Vitoria-Schwarz-Ära ohne V-Zeichen endet – wenigstens beim Waldwasserpaddeln sehen, dass über kurz oder lang mit den Damen Wolffhardt und Weratschnig, aber auch den Herren Oschmautz, Leitner und Weger, neue Erfolgskapitel a la Kuhnle aufgeschlagen werden können. Auch deshalb, weil man erkannt hat, dass es nicht schaden kann, wenn ein ehemaliger Top-Kanute, Neo-Trainer und weltweit gereister Sportler wie Helmut Oblinger (4. Sydney, Ehemann von Violetta, Bronze in Peking) sozusagen das Paddel in die Hand nimmt, um jüngere Semester zu führen. Auch im Sport gilt nämlich das Sprichwort: Wie der Herr, so das G´scherr.

Judoka Hegyi, in Tokio an Legende gescheitert, Rückenchwimmerin Grabowski (18) und Kanute Oschmautz haben noch Zukunft.

Und in diesem Sinn sollten sich alle heimischen Sportverbände einmal überlegen, ob tatsächlich die richtigen Männer oder Frauen am Ruder sind – oder aus ganz anderen, politischen, persönlichen oder opportunistischen Gründen das eine oder andere Liebkind, wenn nicht gar (ein) Liebdiener auf Sesseln kleben, wo sie nicht hingehören. Das, werte Blog-Leser, gehört nämlich zu den schädlichen Viren des heimischen Sports, die noch viel gefährlicher sind als Covid19. Auch wenn wir Corona zum Trotz die Gunst der Stunden genützt haben, um im fernen Tokio so viele Medaillen wie seit Athen 2004 nicht mehr zu gewinnen. Bejubeln ist natürlich von den Staatsspitzen abwärts vor allem politisch super. Ehrliche Bestandsaufnahmen mit den nötigen Konsequenzen allerdings wären sportlich noch wertvoller und wichtiger. Paris kommt nämlich schneller, als man denkt und wünscht. Und die Decke ist dünner, als viele hören, sehen, lesen wollen.

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