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Der Weltsport macht Quantensprünge, wir bleiben auf dem Teppich im Parterre

Es ist natürlich schön, wenn eine (Ober)Österreicherin wie Susanne Walli den olympischen 400m-Vorlauf übersteht, was aber nicht heißen sollte, daraus eine kleine Heldengeschichte zu formen. Wenn ich in einem Sport-Portal dazu lese, dass Frau Walli locker das Semifinale erreicht hat, dann ist das einfach eine Lüge, weil sie nur durch die Disqualifikation einer Britin noch hineingerutscht ist unter die Top 24. Und bei allem Respekt vor 52,19, ihrer Zeit nach und trotz
Corona, sei daran erinnert, dass eine gewisse Frau Karoline Käfer vor fast einem halben Jahrhundert schon 50,62 und auf EM-Platz vier in Rom (1974) gelaufen war. In einer olympischen Grundsportdisziplin und nicht einer Trend- oder Funsportart, die der Zeitgeist diktiert.

Und wenn ich daran denke, dass der neue Weltrekordler Karsten Warholm den heimischen 400m-Flach-Läufern trotz der zehn aufgestellten Hürden um Längen über die Hürden geht, dann frage ich mich nicht nur, wie das der Olympiasieger, Welt- und Europameister aus Norwegen macht. Ich frage mich als notorischer Beckmesser, als den mich viele selbstgefällige Funktionäre, aber auch beratungsresistente Betreuer aller Art und auch SportlerInnen sehen, warum wir in so vielen klassischen Disziplinen viel weiter hinter anderen kleinen Nationen in Tokio herhinken – oder es gar nicht geschafft haben, einen internationalen Quotenplatz zu ergattern.


Begnadete Körper, artistische Fähigkeiten, goldene Sprungqualitäten: Chinas Wasserspringer Xie Siyi.

Beim TV-Lokalaugenschein des olympischen Finales im Wasserspringen vom Dreimeterbrett – übrigens fabelhaft mit-kommentiert von der Ex-Wasserspringerin Veronika Kratochwil, inzwischen Medienprofi – hab´ ich mich beim Gedanken ertappt, dass möglicherweise nach den wenigen Wellen, die ein Niki Stajkovic, Gott hab ihn selig, oder auch noch fallweise Constantin Blaha international geschlagen hatten, die Zukunft wohl Vergangenheit bleibt. Und warum? Weil ich nicht nur oder besser: weniger daran zweifle, dass sich hierzulande solch junge Leute finden, die die körperlichen Voraussetzungen, angeborenen Qualitäten und das Talent zum härtesten Training mitbringen. Ich habe auch, ohne jemanden nahe treten zu wollen, meine Zweifel, ob engagierte Hobby- oder Amateurtrainer aus anderen, weit weniger anspruchsvollen Generationen des Wasserspringens angesichts der immer mehr in die Höhe geschraubten, gehechteten oder gehockten Salti vor- und rückwärts noch in der Lage sind, da mitzuwachsen. Zwischen  vorgestern, heute und morgen liegen eben Quantensprünge im Weltsport. 

Und das, werte Blog-Leser, ist ganz sich nicht aufs Wasserspringen einzuschränken, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch den heimischen Sport, der dagegen im Parterre auf dem Teppich geblieben ist. Es krankt womöglich weniger an den möglichen Talente, die zum Teil sogar unentdeckt bleiben, sondern vor allem an der Qualität der Betreuer – oder noch deutlicher formuliert: an der Qualität der heimischen Trainerausbildung, die meiner bescheidenen Meinung nach ganz sicher hinter der absoluten (Welt-)Klasse soweit herhinkt wie die österreichischen 400m-Flach-Läufer dem Weltrekordler aus dem hohen Norden, der ja keine Ausnahme von der Regel ist, wenn man sich der Ingebrigtsen-Brüder mit WM- und EM-Titeln erinnert.

Aber genug der Beckmesserei, hinter der allerdings keine wie immer gearteten persönlichen Interessen oder gar Konflikte stehen, sondern nichts als sportliche Zukunftssorgen. Wer fünf Medaillen von fünf SportlerInnen mit fünf Einzelschicksalen verführen lässt, ist selbst schuld, wenn Österreich von der jüngsten olympischen Vergangenheit wieder eingeholt wird…

 

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