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Fussball

In Wembley zwangen Löwenherzen ihr Glück – und Fortuna ließ Deutsche wieder im Stich

Es war, das muss man unterstreichen, ein tolles Endspiel, mehr als nur würdig der finalen Kulisse im prall gefüllten Wembley-Stadion mit knapp 88.000 Fans. Und anders als die im Penaltyschießen an Italien gescheiterten Männer im Vorjahr, so nützten die englischen Fußballfrauen den Heimvorteil in London, um nach packenden 90 Minuten und dem entscheidenden Tor zum 2:1 in der Verlängerung (111. Minute) gegen Deutschland die Europameisterschaft zu gewinnen – und damit den für die „Lionesses Albions“ ersten, historischen Titel überhaupt zu erringen.

Jawohl erringen, weil es ein Kampf auf Biegen und Brechen von beiden Frauen-Seiten war, die in dieses finale Duell alles warfen, was nach der langen, bis vor kurzem auch durch extreme Hitze geprägten Endrunde noch in ihnen steckte. Angesichts der Intensität, mit der um jeden Ball, um jeden Meter und jede Chance gefightet wurde, war´s ein Segen, dass mittlerweile nicht mehr nur drei Spielerinnen wie früher, sondern derer fünf ausgewechselt werden konnten. Und bei diesen Austauschmanövern bewies die holländische England-Teamchefin Wiegman ein goldenes Händchen, weil jene zwei Neuen, die ins Spiel gekommen waren, die siegbringenden Tore erzielten – das 1:0 nach einem Traumpass und traumhaften Heber, das 2:1 hingegen nach einem Getümmel im Strafraum der Deutschen, die den Ball nicht weggebracht hatten.


Während sich die britischen Lion- und Championessen in den Armen lagen, aber auch von ihren männlichen Betreuern  geherzt wurden, versuchten die in einem Kreis versammelten deutschen Fußballfrauen ihren Frust kollektiv auszutreiben. Allzu verständlich angesichts des finalen Handicaps, dass sie in letzter Minute auf ihre Spielführerin Alexandra Popp hatten verzichten müssen, jene Tormaschine, die zuvor sechsmal getroffen hatte. Wenn´s in Wembley gegen England nicht nur um ein EM-Semifinale wie 1996 geht oder in aller Freundschaft ums Prestige, dann lässt Fortuna die Deutschen im Fußballmekka, ob alte Version im WM-Finale 1966 der Männer mit dem legendären Lattenpendler-Tor, ob jetzt im neuen Stadion beim EM-Finale 2022 der Frauen, offensichtlich im Stich.

Alle Neune, das blieb ein Traum, gepaart mit Trauma. Dem neunten EM-Titel müssen die Deutschen zwar nachtrauern, auf die Endspielleistung aber können sie so stolz sein wie die Löwen Ladys von der Insel. Bleibt nur noch abzuwarten, wie sich der Frauenfußball abseits von medial forcierten Titel-Events entwickelt. Denn das sind, um der Wahrheit die Ejhre zu geben, zumindest bisher zwei Paar verschiedene (Fußball)-Schuhe!

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