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Von kraftlosen Jungbullen, Frauen-Euro und Politik, die Muskeln im Sport spielen lässt

Nicht nur Sturm, nicht nur Trainer Ilzer, nicht nur die Grazer Fans, sondern zumindest gestern auch die Rapidler bejubelten das 1:2 enttäuschender, schwächelnder Salzburger Jungbullen in der zweiten Bundesliga-Runde. Es sah so aus und hörte sich mitunter auch schon so an, als wär´s endlich vorbei mit der Dominanz des Serienmeisters. Motto: Hurra, hurra, jetzt sind auch wir wieder da! Ob´s so kommt, wie sich das der eine oder andere vorstellt, lässt sich trotz der neuerlich und ganz ordentlich gegen Millionen durchgemischten Bullen-Herde jedenfalls weder abschätzen noch prognostizieren.

Gut möglich, dass Sturm den Stier auch deshalb bei den Hörnern packen konnte, weil die Bullen noch ausgepumpt waren von eher kurzer, aber umso intensiveren Vorbereitung zum einen, andererseits vom drei Tage alten Prestigesieg gegen den im Finish mit allen Stars verzweifelt, aber erfolglos anrennenden FC Liverpool! Natürlich hat Salzburg für diesen Kraftakt im Duell um die goldene Ananas den Tribut zollen müssen mit vielen verlorenen Zweikämpfen, vielen Abspielfehlern, vielen Missverständnissen und dem Slapstick-Tor a la Zinsberger und Frauen-Nationalteam, welches Torhüter Köhn kühn auf seine Kappe nahm, die er gar nicht trug wie früher die Torleute. Abwarten, wie es mit den Bullen weitergeht, wenn sie wieder bei Kräften und dazu noch eingespielt sind? Und abwarten, ob dann jene, die allzu früh gejubelt haben, dann nicht wie der sprichwörtliche Ochs vorm neuen Tor stehen…?


Salzburg hat keinen Haaland mehr, Sturm aber den Dänen Hojlund, der kapitalen Fehler von Köhn nützte.

Zurück übrigens zu Torfrau Zinsberger, zur England-EM, dem Endspiel, das erst angepfiffen wird, und allen möglichen klatsch, Tratsch und Quatsch, der damit einhergeht. Für alle, die das noch nicht gewusst haben, sei an einige der fortschrittlichen deutschen Journalisten erinnert, die in neuer Schwestern- und Nachbarschaftsliebe die von ihrer DFB-Elf gestoppten rotweißroten Frauen taxfrei zu „Europameisterinnen der Herzen“ erklärt haben. Allerhand, dieser Titel ohne Mittel! Lobhudelei als verbales Trostpflaster, das nichts kostet, mit dem man aber eine Portion Sympathie kauft.

Ehe in Wembley der ewig junge Schlager zwischen England und Deutschland steigt, haben die Brasil-Frauen – noch dazu ohne Superstar Marta, die auch nicht mehr taufrisch ist – den Südamerika-Pokal gegen Gastgeber Kolumbien mit einem Elfmetertor gewonnen. Und selbstverständlich gab´s als Begleitmusik zu allen möglichen Hymnen auch laute Polit- und Gender-Töne, die nach gleichem Geld für alle, besser: für Frauen so viel wie für Männer, gerufen und sich dabei – übrigens auch in Good Old Europe – auf volle Tribünen bei den jeweiligen Kontinentalmeisterschaften berufen haben. Wie es allerdings abgesehen von einigem ausverschenkten Champions League-Spielen im Camp Nou von Barcelona aussieht, geschweige denn im Frauen-Liga-Alltag in ganz Europa, das wird lieber verschwiegen, wohl deshalb, weil man ja allenthalben im Eurosport, deutschen und heimischen Sendern die halb- oder fast ganz leeren Tribünen auf Nebenschauplätzen sehen kann.

Die Ausnahmen sind eben nicht die Regel, die neue Regel hingegen, dass immer und überall der Begriff Sportpolitik mit (Welt)-Politik im Sport verwechselt wird. Also wurde von der Uefa fürs Wembley-Finale die seit längerem nicht mehr in Charkiw lebenden Ukrainerin Monzul als Schiedsrichterin nominiert, flankiert von Landsfrau Strinetska und der Polin Baranowska. Wenn die oberste Fußballbehörde meint, sie müsse in höherem Auftrag wichtige „Zeichen setzen“, dann sei daran erinnert, dass es in der Geschichte, in der Politik und im Leben immer wieder Pendelbewegungen gibt – und dann die Stimmung so kippt, wie man´s jetzt schon bei der schweigenden Mehrheit heraushören kann! Die russische Aggression ist strikt abzulehnen, aber allzu viel Blau-Gelb ist über kurz oder lang ganz sicher mehr als ungesund. Ich erlaube mir das zu sagen, ohne mir die Zunge zu verbrennen…

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