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Kleiner Grenzverkehr, generöser Trainerexport

Österreich, deine Deutschen! Nein, nein, es geht hier nicht um Grenzkontrollen, Ein- oder Ausreiseverbote und mediale Prügeleinheiten an nicht nur die Tiroler Adresse, die uns vor allem der politische Bayern-Boss aus dem fränkischen Nürnberg fast täglich zukommen lässt. Nein, nein, es geht um Sport, besser gesagt: Skisport, wo wir dem kleinen, aber viel größeren Bruder zwar eine WM-Goldene voraus sind, mit zwei Silbernen, gendergerecht verteilt auf einen Mann und eine Frau (oder besser umgekehrt), aber quantitativ nachhinken! Auch deshalb, weil wir uns in verschiedenster Form quasi ins eigene Fleisch geschnitten haben. Inwiefern aber, so werden Sie fragen? Zum einen, weil wir vor zwei, drei Jahren, als Roll-, Zoll- und Corona-Balken noch nicht niedergesaust waren wie jetzt, dem von uns ausgemusterten, aber von einem bajuwarischen Amor-Pfeil getroffenen Tiroler Romed Baumann den kleinen Grenzverkehr nach Kiefersfelden (oder Oberaudorf), zur deutschen Frau, zum deutschen Pass und ins deutsche Ski-Team gestattet hatten.

Der auf seine älteren Tage von neuem Ehrgeiz, neuer Herausforderung und neuer Motivation angestachelte Romed hatte dabei auch insofern Glück, dass sich die vom ÖSV bei ihm gezeigte Großzügigkeit davor beim langjährigen Maier-Macher-Intimus Andreas Evers deshalb aufgehört hatte, weil der Top-Trainer im Zusammenhang mit Malversationen seiner Lebensgefährtin bedingt verurteilt worden war, da er es gewagt hatte, weder diese/seine Frau noch deren bank-schädigenden Manipulationen anzuzeigen. Und da wir ja oft päpstlicher als der Papst sein können, war Evers bei uns Geschichte, schrieb sie aber mit dem US-Team, mit Swiss Ski, mit Tina Weirather (WM-Silber, einige Siege und Podestplätze, Super-G-Weltcup) und mit Weltcup-Siegen, Podestplätzen und jetzt WM-Silber beim deutschen Verband!

Interessant, dass der Trainer-Name Evers auch medial bisher jedenfalls trotz Romed hin, Baumann her so gut wie nie gefallen ist – so wenig wie jener des Cheftrainers der deutschen Ski-Damen, der jahrelang in verschiedenen Rollen und Positionen auch die heimischen Power-Frauen betreut. Sein Name? Jürgen Graller, Steirer aus Schladming, der schon im Corona-Winter eins nach Viktoria Rebensburg mit Kira Weidle in Cortina die neue Abfahrts-Vizeweltmeisterin aus dem Hut gezaubert hatte. Just am Tag, als seine rotweißroten Landsfrauen wieder verlorenen Zehntelsekunden und einer – leider nur halben Wegs sicheren – Medaille nachgeweint hatten. Blöd gelaufen und noch blöder, dass von uns geschasste oder nicht mehr erwünschte Trainer bei den deutschen Überraschungsmedaillen die Hände im Spiel hatten …

Erinnern möchte ich in diesem Konnex auch die Tatsache, das sich der ÖSV im Lockdown-Mai 2020 vom „kleinen“ Assinger-Bruder Roland getrennt hatte, von 2013 an einer der erfolgreichsten heimischen Speed-Trainer, der schon Spartentrainer war, als Anna noch Fenninger und nicht Veith, zu Olympia-Gold, WM-Titeln, großen und kleinen Weltcup-Kugeln und dann ihr Comeback mit neuen Erfolgen und Olympiasilber übers schwer lädierte, mehrmals operierte Knie gebrochen hatte. Nicht genug damit, mauserte sich unter ihm als Abfahrtschef eine neue Truppe der Wundertüten um Schmidhofer, Siebenhofer, Tippler, Venier, Scheyer, Puchner, Ortlieb zu einer Speed-Großmacht, die 2018/19 im Abfahrts-Weltcup die ersten drei Plätze okkupierte.

Ja, hätte er nicht, wie der ÖSV betont, die Hand zu sehr aufgehalten, dann hätte er ja bleiben können. Konjunktiv. Mittlerweile kümmert sich der Kärntner in einem speziellen Skigymnasium um Nachschub für die Spitze. Nicht aber, wie sie vielleicht meinen, bei uns in Österreich, sondern just im fashionablen Davos bei unseren Nachbarn in der Schweiz, die mittlerweile bei zwei Goldenen, einer Silbernen und einmal Bronze in zwei Damen-WM-Rennen angelangt ist mit dem Super-Duo Corinne Suter (1. Abfahrt, 2  . Super G) und Lara Gut-Behrami (1. Super G, 3. Abfahrt), wobei andere Asse wie Michelle Gisin oder Wendy Holdener noch gar nicht ausgespielt werden mussten.

Assinger schwärmt von den „unglaublich guten Bedingungen“ in Davos, unter denen er und sein Trainerteam (darunter auch die Ex-Weltcupläufer Marc Berthod und Urs Imboden) mit den Hoffnungen von morgen trainieren können, ein Vorteil und Vorsprung für die neue Ski-Generation, die auch darum sicher bereit sein werde, die aktuelle Siegergarde abzulösen. Wenn man das hört, wird man zum Neid- der Eidgenossen, die uns ihrerseits vor gar nicht so langer Zeit um unsere männlichen wie weiblichen Wunderteams beneidet hatten. Kleiner Läufer-Grenzverkehr und ständiger Trainer-Export aber haben alles verändert. Und sich speziell für unsere Nachbar- und Gegnerschaft rentiert. Es lebe Generosität!

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