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Man kann sich nur wundern, nach welchen Kriterien gefördert wird

Wie bei künstlerischer Kritik, so lässt sich auch beim Sport streiten, wer wem besser gefällt, wer wen für besser hält und wer vermeint, wer wo wie warum und um wieviel die Nase jetzt und womöglich auch in naher Zukunft vorn hat. Was das neue Fördersystem im heimischen (nicht nur den Spitzen-)Sport betrifft, so muss ich ganz subjektiv gestehen, dass ich einigermaßen verblüfft bis entsetzt war, als ich die nicht nur vom Sport-Ges. m. b. h.-Geschäftsführer Clemens Trimmel getroffenen, aber von ihm nach außen transportierten Entscheidungen gelesen habe. Und warum, so mögen sich viele Leute fragen, die sich eher peripher, oberflächlich oder eindimensional informiert damit auseinandersetzen? Weil ich meine, dass hier allzu sehr die keineswegs repräsentativen Olympiamedaillen in den Verteilungsprozess eingeflossen sind, sonst wär´s ja kaum erklär- und vertretbar, dass für die durch die Tokio-Verschiebung von vier auf drei Jahre verkürzte „Olympiade“ bis Paris 2024 vor allem auf jene Sparten gesetzt wird, wo der eine oder die andere, auch von Fortuna gesegnete SportlerIn, die Erfolgsleiter emporgeklettert ist, siegreich zugepackt hat, sich am Riemen gerissen oder das Können außer Diskus-sion gestellt hat.

Nichts gegen den (Fun-)Trend der Zeit, nichts gegen neue Disziplinen, in denen wir Österreicher, ob Winter, ob Sommer, oft die Hosen angehabt haben, man denke nur an Gras-Ski, an Ski-Bob oder auch ans Sportklettern, wo wir vor ein paar Jahren bei jeder WM noch vom Goldsegen und Medaillenregen beglückt worden waren, wenn ich der Anna Stöhr, der Johanna Ernst, des Kilian Fischhuber, des leider verunglückten David Lama etc. erinnere – und wie sich das im Laufe der Jahre da wie dort meist ausgedünnt hat. Mir widerstrebt es grundsätzlich, einen Sport gegen den anderen aufzurechnen, einen Athleten gegen eine andere auszuspielen, kann aber nicht begreifen bis verstehen, dass dort, wo die Schüsseln schon voll sind, noch ein paar Löffel draufgelegt werden, während andererseits viele, die eh schon am Hungertuch nagen, nicht nur finanziell, sondern auch von eingeschränkten Rahmenbedingungen, weiter auf „Diät“ gesetzt werden mit dem Fazit: Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben.


Manchmal würde man schon gerne wissen, wie die Verantwortlichen im heimischen Spitzensport ticken…

Ich will da nicht pro domo reden, von wegen alter Schlagseite für die Schwimmerei, hätte es aber für wichtiger und richtiger gehalten, wenn mit dem Schwimmen auch das Turnen als eine der elementarsten Grunddisziplinen des Sports großzügiger gefördert worden wären statt – wenn Sie mich fragen skandalöser bis dümmlicher Weise wegen – sogar noch weiter beschnitten. Immerhin haben die Schwimmer in einem Weltsport nicht nur mit Felix Auböck, dreifacher Tokio-Finalist und Vize-Europameister, sondern auch weiteren Olympiaschwimmern und jungen Hoffnungen ihren Aufwärtstrend ebenso bestätigt wie die Turner, die mit Vinzenz Höck den historischen, ersten Weltcupsieger, Olympia- und WM-Teilnehmerinnen (Hämmerle, Männersdorfer) und einen Youth-Olympic-Medaillengewinner im (olympischen) Trampolinspringen (Wizany) hervorgebracht haben. Geradezu paradox, grotesk und skurril allerdings, dass andere Förderinstrumente des Landes die Zuschüsse für Individualisten mitunter verdoppelt haben, mit den gekürzten Mitteln aber die Basis für künftige Stars, die den Salto zur Weltspitze oder aber Wellen schlagen können, entziehen wollen.

Die Turner lässt man ebenso in der Luft hängen wie man die Schwimmtalente im Trüben fischen lässt.

Ich fürchte, beim Entscheidungsprozess haben nicht nur die Hofräte Hinsichtl und Rücksichtl mitgespielt, sondern auch andere nicht nur politisch determinierte Überlegungen, auf die ich nicht näher eingehen will. Aber so tickt oder trickst eben Österreich. Wobei ich im Zuge der vergangenen Landtags- und Kommunalwahlen von keiner Partei und keinem Politiker das Wort Sport im Programm gelesen oder gehört habe. Auch das sagt alles über die Wertigkeit, die er abseits von der Gala, bei der die gewählten Sportler des Jahres demnächst wie alle Jahre präsentiert werden, hierzulande ehe nicht genießt…

 

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