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Melbourne: Spätberufene Comeback-Kids, sensationelle Exoten-Juniors, rotweißrote Nullen

Es schien schon so, als würde kein gallischer Hahn mehr nach ihnen krähen als einst groß angekündigte, schlussendlich aber unerfüllte Hoffnungen und unvollendete Stars der Tennisszene. Die Rede ist von zwei Franzosen, einem Mann und einer Frau. Zum einen von Gael Monfils, dem ehemaligen Junioren-Grand-Slam-Sieger, der bei den Großen nur als Publikumsliebling und bunter Vogel hielt, was man sich von ihm versprochen hatte. Und zum anderen von Alize Cornet aus Nizza, die als Teenager schon als neue Pierce oder Mauresmo abgefeiert und als Center-Court-Pin-up-Girl mit den Fotografen auch Blickfang für das Wasserspringer-Talent Constantin Blaha geworden war, einige Jahre lang “son ami de Vienne”…

Zurück zu Monfils. Bei ihm waren es ganz sicher nicht nur Verletzungen, die aus einem vermeintlichen Himmelstürmer fast schon einen Rohrkrepierer machten, es lag ganz sicher auch an beider angeborener oder anerzogener Carpe-Diem-Einstellung, die sich halt nicht immer oder immer weniger mit einem immer anspruchsvolleren Spitzensport vertrug. Nach vielen Pausen, Rückschlägen und nur halbwegs geglückten Comebacks hat sich Monfils auf seine älteren Tennistage vom Paradiesvogel verabschiedet, um in der Tennisschmiede des seriösen Meistermachers Günter Bresnik („Ich hätte ihn gerne im Alter von 20 bis 25 Jahren in meine Hände bekommen!“) einen neuen Anlauf zu nehmen.


Der Versuch, über den eigenen, langen Schatten zu springen, hat die schillernde, oft unberechenbare  Frohnatur bei den Australian Open vorerst in sein inzwischen zehntes Grand-Slam-Viertelfinale (zu French-Open-Semifinale 2008, US-Open-Semifinale 2016) geführt. Natürlich auch dank Deportation und damit Turnier-Ausschluss von Novak Djokovic, auf den er wohl im Achtelfinal-Normalfall getroffen wäre statt auf dessen Landsmann Kecmanovic, den Kitzbühel-Außenseiter-Sieger 2021. Aber die Gunst der Stunde muss man trotzdem erst einmal nützen … und Runde für Runde souverän auftrumpfen.

Monfils zeigt an: Ich bin dank Bresnik auf dem richtigen Weg. Und Cornet fand Rückhalt bei Kuzaj.

Ist´s für Monfils, ziemlich frisch getrauter Ehemann von Elena Switolina, in Melbourne ein Jubiläums-Viertelfinale, so steht Alize Cornet nach gewonnener Hitzeschlacht gegen die mittlerweile verheiratete zweifache Grand-Slam-Siegerin Simona Halep als 32jährige erstmals in ihrem Tennis-Leben unter den letzten Acht eines Grand-Slam-Turnieres. Und auch bei ihr hat das etwas mit dem Rückschritt von Rücktrittsgedanken zu tun, die sie schon gehegt hatte, ehe sie sich unter der Ägide ihres Manager- und Trainerfreundes Kuzaj zum ernsthaften Weitermachen entschloss. Ohne Halt geht halt nichts weiter.

Zwei Beispiele, die auch signalisieren, dass sich auch noch so talentierte Menschen dem immer härteren, um nicht zu sagen: brutaleren Regeln des Spitzensport-Alltages unterordnen müssen, um Weltspitze werden und bleiben zu können. Oder andersrum: Ohne Selbstdisziplin und Selbstkritik werden Erfolge im heutigen Top-Tennis nur Eintagsfliegen bleiben. Wie ehedem die drei Siege von Cornet in drei Duellen mit Serena Williams. Oder die abseits von Thiem wenigen Ausreißer unerfüllter österreichischer Hoffnungen.

Um zu illustrieren, wie dramatisch der Niedergang ist, sei daran erinnert, dass KEIN heimischer Nachwuchs im Melbourne-Junioren-Turnier zu finden ist, ebendort aber eine Iranerin (mit Kopftuch) und eine Kenianerin erstens dabei sind und zweitens ihre Erstrundenspiele auch sensationell gewonnen haben. Aber offenbar kräht bei uns kein Hahn nach Reformen oder gar Sensationen!

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