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Mit Laci Cseh steigt einer der besten Schwimmer aller Zeiten aus dem Pool

Während unser Weltklassekrauler Felix Auböck (KB-Weltcupdritter in Budapest in toller Zeit von 3:39,50) das erste Höhentraining seiner Karriere in der Sierra Nevada und die Kurzbahn-WM in Abu Dhabi im Dezember als nächste Ziele ins Visier nimmt, verließ in der Duna Arena einer der besten Schwimmer aller Zeiten für immer den Wettkampf-Pool. Die Rede ist von Laszlo „Laci“ Cseh, dem bald 36jährigen Evergreen der Ungarn, für den die Magyaren nicht in der für Fans gesperrten Arena, aber draußen vor der Tür des futuristischen Prachtbaus an der Donau noch einmal den roten Teppich ausrollten. Und zwar mit Fug und Recht, zieht man die Bilanz des Allerweltskerls.

Hätte Cseh nicht das Pech gehabt, in der Phelps-Ära zu schwimmen, er hätte auch bei Olympia in Gold baden können, schließlich holte er viermal Silber, zuletzt als Zweiter über 100m Delfin in Rio 2016, und dazu noch zwei Bronzemedaillen. Er hat aber nicht nur gekleckert, sondern auch ganz schön geklotzt als Allrounder (200m/400m Lagen), als Delfin (100, 200m), als Rückenschwimmer (100/200m) und als Staffelkrauler. Zweimal wurde er Weltmeister, 21mal Europameister auf der Langbahn, gar 24mal auf der Kurzbahn – und insgesamt gewann er in der Allgemeinen Klasse nicht weniger als 67 Medaillen, Juniorenerfolge und ungarische Titel und Medaillen (an die 200!!!) dabei gar nicht inkludiert.


Cseh, Schwimmersohn aus Budapest, der den Herrn Papa bei weitem übertreffen sollte, gehört zu den in seinem Sport größten (Welt-)Stars, ist aber stets auf dem Boden geblieben. Begonnen hat seine tolle Karriere in Barcelona 2003, als er als Nobody sensationell Silber über 400m Lagen holte, nur besiegt von – erraten, Michael Phelps. Damals, als Laci nur des Ungarischen mächtig war, musste ein Journalistenkollege aus Budapest sowohl Fragen an als auch Antworten von ihm, ins Englische dolmetschen. Aber Cseh, der so nebenbei auch an der Technik in Budapest studierte, war in jeder Hinsicht lernwillig, lernfähig und damit auch verbesserungswürdig, sportlich mit vielen Siegen, darunter auch gegen Dauerrivalen Markus Rogan (ihn besiegte er bei der Madrid-EM 2004 über 100m Rücken bei seinem ersten Titelgewinn um ein Hundertstel), aber auch als umgänglicher, freundlicher, auskunftsbereiter Mann, der nach zwei, drei US-Aufenthalten („Der amerikanische way of life ist nicht meines!“) auch fremdsprachlich bestens kommunizieren konnte.

Ich erinnere mich immer noch gern daran, wie ich Cseh abseits von Meetings vor einigen Jahren nach telefonischer Vereinbarung im Costa-Coffee-Shop im Allee-Supermarkt in Uj Buda letztlich doch getroffen, aber fast verpasst hab´, weil er zwar mich, ich aber ihn nicht sofort erkannt hatte. Wie das? Weil Laci, wenn er keine Wettkämpfe hatte, volle Haarpracht trug und nicht kahlgeschorenen Kopf. Einerlei. Wir saßen eine halbe Stunde beisammen, er erzählte mir so gut wie alles über sich, seine Rivalität mit und sein persönliches Null-Verhältnis zu den US-Stars Phelps und Lochte – und seinen Wunsch, nach den harten Trainingsjahren als Kilometerfresser allmählich zum Sprinter zu werden. So gesehen hatte Olympiasilber von Rio für den damals 31jährigen goldenen Glanz.

Und wie gut Cseh immer noch dank seiner tollen Ausdauerbasis drauf ist, das hat er zuletzt sogar noch als Mittdreißiger in Tokio bewiesen, als er über 200m Lagen ins Finale und auf Platz sieben schwamm. Übrigens mit einer Zeit (1:57,68), mit der der Mittdreißiger noch einen Tick schneller schwamm als Markus Rogan als 29jähriger mit dem immer noch gültigen Ö-Rekord bei der WM 2013 in Shanghai. Hut ab vor diesem Evergreen, der fast zwei Jahrzehnte lang Oberwasser hatte. Und so viele Medaillen gewann, dass man ihn in Gold, Silber und Bronze aufwiegen könnte…

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