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Zum 90er von Molterer: Als weißer Blitz aus Kitz ein Rekordler ohne Goldener

Die junge Generation kann mit ihm und seinem Na men wenig bis nichts anfangen. Für unsereins aber war er der Inbegriff des Hasardeurs vor allem auf Slalompisten, der auf Teufel komm raus die kaum präparierten Kurse mit kurzen Schwüngen (wie „Gummi“-Spiss“) attackierte – lange, bevor man vom „Wedeln“ sprach. Darum auch wurde er als leibhaftiger Kontrast in Statur, Stil und Haar zu seinem drei Jahre jüngeren, echten Freund Toni Sailer der weiße Blitz aus Kitz genannt. Die Rede ist von Anderl Molterer, der heute seinen 90er feiert – fern der Heimat, weil er seit Jahren im mittleren Westen der USA lebt, in Nashville, Tennessee, berühmt durch das Elvis-Album. Und vor allem feiert er fern der Gamsstadt, in der es ihm in den 50er-Jahren gelungen war, mit nicht weniger als neun Siegen (Abfahrt, Slalom, Kombination, noch lange kein Super G) ) der bis heute unerreichte Hahnenkamm-Rekordler zu bleiben – vor jenem Christian Pravda (8), der sein, Toni Sailers und des damaligen weißen Kitz-Wunderteams fabelhafter Lehr- und auf seine älteren Tag´ noch Abfahrtsweltmeister (1954) war.

Anderl gewann Silber (Olympia 56) und Bronze (Olympia 56, WM 54), er siegte in der Vor-Weltcup-Zeit etwa im Winter 1952/53 in sage und schreibe 19 Rennen, die den heutigen Weltcuprennen gleichzusetzen gewesen wären. Ja, er war ein Teufelskerl auf allen Pisten der Welt, der jedem Skiort von Europa bis Amerika, seiner zweiten Heimat, den Stempel aufdrückte, von der Streif über Lauberhorn bis Sun Valley und Stowe. Nach den auch der Materialdefizite wegen enttäuschenden Winterspielen von Squaw Valley schob man dem lebenslustigen Anderl auch die schwachen Leistungen des durch Unterleibsverletzungen (Kitzbühel-Slalom) geschwächten Jungstars Karl Schranz in die Schuhe, den er in Casinos und ins Dolce Vita verführt haben sollte. Alles Mumpitz, wie jener Arlberger Schranz heute noch sagt, der Anderl aus Kitz als Pisten-Idol verehrt hat, mehr noch: „ich hab´ ihn angehimmelt!“


Anderl Molterer als Weißer Blitz”, der als “White Star”  des Kommerzialrats Kneissl mit Sailer überall siegte.

Als Bub vor Ort hab´ ich Anderl Molterer nach den Cortina-Sailer-Spielen in Kaltenleutgeben bei Wien erleben dürfen, wo er gegen alle Größen (außer Sailer) die aus (Sprint)-Abfahrt und Slalom bestehende Kombination gewann. Und ich hab´ ihn mehr als 20 Jahre später in seinem Sportgeschäft im Nobelort Aspen in Colorado getroffen, wo er in seinem unverfälschten, unverwechselbaren Tiroler Englisch die mehr oder weniger prominenten Kunden als gelernter Verkäufer um den Finger wickelte, auf Boots, Bindung und Ski stellte. Damals lebte Anderl ganz offiziell in einer Dreiecksbeziehung, ehe er die verwitwete Kay, die Liebe seines Lebens, endlich heiraten konnte.

Vorübergehend lebte Molterer als begeisterter Golfer auch in Florida, ehe er mit Kay nach Nashville, Tennessee, übersiedelte, um dort seinen Lebensabend zu verbringen – und hin und wieder seiner alten Heimat als einer der größten Ski-Söhne Kitzbühels und des HKR-Rekordsiegers seine Aufwartung zu machen. Zuletzt machte ihm die Pandemie einen Strich durch diese alljährliche Rechnung. Anderl, kleine Allzeitgröße – all the best ins birthdaynest. 

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