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Schwimmen: Falsche Ernstfälle, echte Peinlichkeiten

Aus gesundheitlichen Gründen lag mir Schwimmen und damit auch der Schwimmsport mit seinen Vorzeigeschwimmern seit Jahrzehnten am Herzen. Ich hab´ sie alle mehr oder weniger gut gekannt, viele der alten Granden sind auch heute noch mit mir in engem Kontakt. Einige davon folgen dem aktuellen Geschehen auf ihre älteren Tage noch immer – und kommen beim Vergleich mit damaligen sportlichen wie finanziellen Voraussetzungen oft aus dem Staunen nicht heraus. Ja, ja, Online-Portale, Live-Stream- und andere Netzwerke, PR- und Marketing-Experten, die höchstens peripher interessierten, sportlich nicht versierten Medienkollegen mit einem Körnchen Wahrheit ein X für ein U verkaufen, so schaut diese neue Normalität in (heimischen) Randsportarten aus.

Angesichts dessen, was der Schwimmverband auf seiner Homepage geradezu enthusiastisch verkündet, muss ich als langjähriger Beobachter und darum auch Insider der Schwimmszene schon festhalten, dass es sich zum Teil um Fake News handelt, die da untergejubelt. Da findet in Graz, unsinnig genug in einem EM- und Olympiajahr, derzeit Hallenmeisterschaften auf der (nicht olympischen) Kurzbahn statt – und was schreibt der neue PR- und Marketingpartner des Verbandes: Erster Ernstfall für die Schwimmer vor Olympia! Das ist so, als würde verkündet, dass Österreichs Fußballteam auf Kleinfeld den Euro-Ernstfall probt! Kurzum, Birnen statt Äpfel!  Und weil sich das mit dem Ernstfall so gut anhört, werden die von einem schon für Tokio qualifizierten Duo erbrachten Limits für Kurzbahn-EM wie Kurzbahn-WM abgefeiert, die fünf Monate nach Olympia erst im Dezember 2021 stattfinden, wenn sie stattfinden.


Und wie groß die Affinität des neuen OSV-Partners zum Schwimmen tatsächlich ist, das zeigt sich nicht nur in (entschuldbaren) Tippfehlern wie etwa 500m Lagen (gibt´s nicht) statt 400m Lagen oder in der Bewertung der bisher in Graz erbrachten und sogar noch hervorgehobene Leistungen, über die man lieber den Mantel des Schweigens breiten sollte. Da gewann der mittlerweile 34jährige Oberösterreicher David Brandl die 1500m Kraul in einer Zeit, die um sage und schreibe 10 (!!!) Sekunden schlechter ist als der erst 2020 aufgestellte Kurzbahn-Weltrekord der Frauen (Sarah Köhler, Deutschland), der so nebenbei wohl noch um einige Sekunden besser wäre, hätte ihn der im (gesunden) Normalfall so gut wie unschlagbare US-Star Kathie Ledecky auf einer 25m-Bahn ins Visier genommen …

Ja, solche mit Nonchalance als Qualität verkaufte Peinlichkeiten sollen, nein: müssen aufgedeckt werden. Aber ich höre schon Kritikaster, die mich als Negativisten hinstellen, der sich erdreistet, den zumindest mehr als schöngefärbten Zahlen und Daten die an internationalen Maßstab angelegten Fakten gegenüberzustellen, also der Wahrheit und der Realität ins Auge zu schauen. Aber das, werte Blog-Leser, gilt in diesem jenseits von Ski und anderen Winterdisziplinen, Fußball und Formel 1 allerdings Doch-Nicht-Sportland als Sakrileg. Ganz besonders für alle jene „Granden“ des heimischen Sports, die darauf bauen (müssen), dass sie von der Mehrheit regionalen, wenn nicht provinziellen Mittelmaßes auf den Schild gehoben oder in Ämtern bestätigt werden. Und genau darum waren es, sind und bleiben es die Ausnahme-Sportler, auch und vor allem im (olympischen, WM- und EM-Langbahn-)Schwimmsport, die echte, höhere, hehre und womöglich sogar Ziele im Visier haben, die Goldes und anderer Medaillen wert waren/sind. Und diese keineswegs gewagte Prognose, das sei unterstrichen, gehört sicher nicht zu Fake News!

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