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VAR: Am Ende entscheidet doch wieder der Mensch, ob wer warum was pfeift

 Das Interesse war ja ohne weitere Medaille schon ziemlich abgeflaut, aber jetzt ist Olympia in Tokio zumindest als Live-Ereignis endgültig abgehakt. Höchste Zeit, dass wir uns wieder dem Fußball widmen, der ja inzwischen längst allerorten rollt. Und ehe wir hören, warum es den Messi-as von Barcelona nach Paris oder sonst wohin zieht, scheint´s angebracht, sich mit den Niederungen der heimischen Bundesliga zu beschäftigen. Weniger spielerisch, vielmehr Video-schiedsrichterlich. Der VAR (Video Assistant Referee) also, der hierzulande seine Premierensaison erlebt und vor allem von der jüngeren Generation als Nonplusultra der Fußball-Gerechtigkeit bejubelt wurde, hat angesichts manch eines TV-Lokalaugenscheins bei mir mehr als zwiespältige Reaktionen und Gefühle ausgelöst.

Abgesehen davon, dass der VAR natürlich zusätzliche Kosten verursacht, werde ich aus der Rolle des „Oberschiedsrichters“ nicht so recht klug. Gut und schön, dass er vor einem TV-Schirm sitzt und dort Szenen auf und abspielen kann, um dem „Feld-Pfeiferl“ zu signalisieren, dass er sich dies oder jenes anschauen oder gar so oder so ahnden soll. Wenn ich das richtig verstanden hab, so entscheidet also der vierte Mann (zum Trio auf dem Spielfeld), ob es sich überhaupt lohnt, noch einen Blick auf eine strittige (oder manchmal unumstrittene) Szene zu werfen. Es liegt also im Ermessen des Schiedsrichter-Schiedsrichters, ob eingegriffen wird oder nicht, also im Ermessen eines Menschen, was meines Ermessens nach auch den Schluss zulässt, dass Irren menschlich ist, weil sich ja manch Handlungen so oder so interpretieren lassen.


Besonders auffallend war das im Wörthersee-Stadion bei der höchst dubiosen Elferentscheidung für die Frau-Annerl-Hartberger in der Nachspielzeit gegen die Pacult-Austria-Klagenfurter. Dass aus dem vermeintlichen 4:4 der verfrüht jubelnden, sympathischen Frau Annerl dann doch nichts wurde, weil der Tormann der Kärntner den schwach geschossenen Penalty parierte, fühlte sich wie ausgleichende Gerechtigkeit und eine Watschen für den Oberschiedsrichter an. Was sich da in Klagenfurt abspielte, das war allerdings keineswegs keine Eintagsfliege, sondern kommt immer wieder und ziemlich häufig quer durch ganz Europa vor, wo der Video Assistant Referee eingesetzt wird.

Dann und wann kommt der VAR quasi als Beweis für den technischen Fußball-Fortschritt auch vor seinem Video-Schirm ins TV-Bild, was er aber in der Zentrale mit dem ganz normalen Referee in irgendeinem Stadion anderswo bespricht, das bleibt dem Knopf im Ohr vorbehalten. Gestritten unter den Fans aber wird über ihn und seine Entscheidungen nicht anders als vordem über Fehlpfiffe des einfachen Schiedsrichters. Am Stammtisch, vor Bildschirmen oder wieder in den geöffneten  Stadien. Der heimliche Sieger der VAR-Manie aber heißt digitale Industrie. Sie darf sich die Hände reiben.

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