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Vettel: Hinten nach statt vorne weg und vom Idol zum Gespött

Das neue Formel-1-Jahr endete für den viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel im neuen Aston-Martin-Team noch schlimmer, als das alte im Ferrari aufgehört hatte. Nicht nur, dass ihm sein junger Stall-Kollege Lance Stroll ebenso davongefahren war wie vordem der Ferrari-Partner Leclerc, schied Vettel schon in der ersten Quali-Phase von Katar sang- und klanglos als Drittletzter aus, nur knapp vor Mick Schumacher, dem Sohn des siebenmaligen Weltmeisters. Vettel gehört offenbar zur Liste jener Sport-Granden, die aus welchen Motiven immer keinen Schlussstrich ziehen wollen, aber ebenso offensichtlich das Tempo nicht nur jüngerer Semester, sondern auch älterer Champions wie Fernando Alonso kaum mehr halten können. Früher vorne weg, jetzt hinten nach. Und für viele vom Idol zum Gespött…

Abwarten, ob der inzwischen 40-jährige, neunfache Motorrad-Weltmeister und absolute Publikumsliebling, TV-Quotenbringer und Entertainer Valentino Rossi, leibhaftiger Inbegriff der Nummer 46, nach dem Wechsel vom Yamaha-Werksteam zu einem Privatier nicht ebenfalls dieses Schicksal teilt. Dass die einen nicht aufhören können, andere aber als Vierziger, wenn nicht Fünfziger jenseits vom zeitlosen Golf wieder von vorn anfangen wollen, bestätigte sich zum einen bei Skisportlern wie dem französischen Abfahrer Johan Clarey oder dem Schweizer Doppelolympiasieger Simon „Simmi“ Ammann, die schon oder demnächst 40 Lenze zählen.

Zum anderen beim schon erwähnten Fernando Alonso (im Juli 40), der nach Rallye-Dakar und Indy-Ausflügen den Rücktritt vom Formel-1-Rücktritt erklärte, aber auch bei Boxlegenden, die es nach langen Pausen juckt, gegen gutes Geld und mitunter sogar unter dem Vorwand guten Zwecks wieder in den Ring zu steigen. Mike Tyson und Roy Jones Junior machten vor kurzem mit einem (abgesprochenen?) Unentschieden den Anfang, jetzt will ihnen der frühere Weltmeister in fünf oder noch mehr Gewichtsklassen, Oscar de la Hoya (48), in einem Duell mit dem in 50 Kämpfen (27 K.-o. Siege) erfolgreichen, unbesiegten Ex-Olympiasieger (1996) und sechsfachen Weltmeister Floyd Mayweather jr. (44) folgen.

Und wer weiß, ob nicht dem Filippino Manny Pacquiao (42) einfällt, den Sieger dieses Senioren-Kampfes herauszufordern, um mit einem noch höher dotierten Millionen-Fight ein Halleluja auf vier Fäuste anzustimmen. Und damit sogar Werbung in eigener, ganz anderer Sache und in einem ganz anderen Kampf zu betreiben – als Spitzenkandidat und Nachfolger des erzkonservativen Parteigängers Duterte als Präsident der Philippinen.

Ob neuer Fight of the Century hin oder her – wenn Manny Pacquiao den Aufstieg vom armen Preisboxer gegen Hungerlohn zur höchstbezahlten Nummer 1 nicht nur im Boxring schafft, sondern ein Inselreich mit etwa 110 Millionen Einwohnern regiert, wäre er auf den Spuren von George Weah, dem Weltfußballer 1996, der in Liberia zum Präsidenten gewählt wurde. Manchmal lohnt es sich, früher oder zumindest rechtzeitig aufzuhören oder auszusteigen, um auch in der Karriere nach der Karriere ganz nach oben zu kommen. Auch wenn in der Politik womöglich ebenso große Gefahren lauern wie in Cockpits, auf Pisten, Schanzen, Stadien oder Ringen.

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