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Leichtathletik

Wenn der 100m-WM-Sprint an einem so vorbeigeht wie der Sieger Kerley

Es ist nicht nur der große Zeitunterschied von neun Stunden hinten nach, es sind nicht nur andere Präferenzen, die die Leichtathletik-WM selbst im US-Veranstalterland zu einem fast schon nebensächlichen Ereignis machen. Natürlich hängt das zum einen auch damit zusammen, dass die Medaillenkämpfe in der härtesten aller olympischen Kerndisziplinen in Eugene stattfinden, einem Nest im Verglich zu Millionenstädten, ob sie nun Tokio, Rio, London, New York, LA, Chicago oder aber Berlin heißen. Der Weltverband hat Eugene als Tribut an den Nike-Gründer gewählt, sich dabei aber selbst ins Knie geschossen, weil sich von einem Dorf-Festival aus mit einer Schmuckkasten-Arena aus halt nicht die große, weite Sport- und TV-Welt erobern für maximal 12.000 Zuschauer lässt.

Sind das schon nicht die allerbesten aller Voraussetzungen, damit sich auch Europäer oder Asiaten die Wecker stellen, um die königlichste aller Laufbewerbe, den 100m-Sprint der Männer, nicht zu verpassen – es fehlt in der Post-Usain-Bolt-Ära halt auch an entsprechenden Galionsfiguren, die echte Publikumsmagneten sein könnten. Zwar haben die US-Amerikaner den ersten Dreifachsieg seit 31 Jahren errungen, notabene auf heimatlichem Bodenbelag, aber selbst ein Olympiazweiter und Weltmeister namens Fred Kerley hat niemand vom Sessel gerissen, auch wenn er quasi versprochen hat, dass er und Kollegen dies mit weiteren Siegen schon noch tun und schaffen würden.


Ich würd´s ihm und der internationalen Leichtathletik wünschen, allein mir fehlt dazu der Glaube. Nicht zuletzt deshalb, weil das einzig relevante Duell im 100-m-Sprint schon nach den Vorläufen ad acta gelegt werden musste – die von Kerley geplante und erhoffte Olympia-Revanche gegen den Italo-Amerikanischen Tokio-Sensationssieger Marcell Lamont Jacobs, der wegen einer Hüftmuskel-Verletzung schon vor dem Semifinale hatte kapitulieren müssen. So ominös wie sein Aufstieg vom Mitläufer zum Sprintkönig, so unerwartet war auch sein Rückzug nur zwei Stunden vor dem Semifinale. Na ja, man weiß ja heutzutage nie, wer und was alles hinter manch Aktionen, Reaktionen oder Rückziehern steckt.

Erster US-Triple-Sieg seit 31 Jahren in Eugene, eingestellter Berger-Rekord nach 34 Jahren in Eisenstadt.

Bevor es für unseren Diskushünen Lukas Weißhaidinger im Kampf um eine noch schönere Medaille als Bronze ernst wird, gab´s bereits eine Sprint-Erfolgsmeldung aus rotweißroter Perspektive. 34 Jahre nach Andreas Berger ist es Markus Fuchs bei einem Meeting in Eisenstadt gelungen, den 100m-Rekord des einst hochgejubelten, dann wegen Dopings verdammten Oberösterreichers mit 10,15 unter regulären Bedingungen einzustellen. Wenn ich sehe, höre und lese, wer aller von heimischen Medien auch über Gebühr in den Mittelpunkt gerückt oder in den Himmel gehoben wird, dann erinnert der Fuchs-Rekordlauf von Eisenstadt aus rotweißroter Sicht an den WM-Sprint in  Eugene, der an vielen Sportfans so vorbeiging wie der US-Sieger Kerley, der sich als kleiner Bolt-Schatten nichtsdestotrotz schon als „Legend“ bezeichnet. Ob´s über Eugene und US-Medien hinaus die Menschen auch glauben

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