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Von echtem Krieg und Krieg der Worte, der die Sportwelt weiter spaltet statt versöhnt

Heute Nacht wird´s ernst wird für unseren Diskushünen Lukas Weißhaidinger, den dreifachen Bronzemedaillengewinner (Olympia, WM, EM), Abwarten, ob der große Wurf gelingt, der dem akribischen Goliath zu wünschen wäre. Abgesehen davon aber habe ich als alter LA-Freund mit einigem Interesse abseits vom Sprint-Triple der Jamaica-Girls und der US-Läufer das eine oder andere im Vergleich zu früheren Jahren doch ziemlich überraschende Ergebnis registriert. Dass gleich drei US- Riesen der Konkurrenz mit gewaltigen Stößen bis an die 23 Meter die Kugel geben würde, das war schon einigermaßen unerwartet, dass es aber einen Triplesieg der amerikanischen Hammerwurf-Walküren geben könnte, das war im wahrsten Sinn des Wortes ein – Hammer! Heimvorteil hin oder her, dass vor allem US-Frauen in solchen Disziplinen die Muskeln derart spielen lassen würden, das hätte man noch vor kurzem nie und nimmer erwartet. Ja, da wurde ein langjähriger Nachholbedarf in relativ kurzer Zeit so gut und schnell gedeckt, dass es gleich einen dreifachen Kraftakt im kleinen, feinen Eugene-Stadion geben konnte. Und dazu den patriotischen (Schlacht)-Ruf: All the way, USA!

Eine Dominanz, die mit dem Ausschluss russischer und weißrussischer Athlet(inne)n allein nicht zu erklären ist. Ein Thema, zumindest von da wie dort auch via Medien natürlich immer noch die Athletikwelt bewegt, auch wenn ganz allgemein so getan wird, als wär´s längst ganz normaler Sportalltag. Verdrängungsmechanismus, so nennt man das. Die zwei weltbesten Hochspringerinnen sind jetzt da aus der Reihe getanzt. Die eine heißt Jaroslava Mahuchikh, kommt aus der Ukraine, war Olympiadritte 2021 und Hallenweltmeisterin 2022 (Belgrad), weil ebendort die andere ausgesperrt gewesen war, die absolute Nummer 1 der Szene, die Tokio-Olympiasiegerin, dreifache Freiluftweltmeisterin und Europameisterin Marija Lasitskene aus Russland.


Das sportliche Gigantinnen-Duell findet also nicht statt, Jaroslava hingegen hat verbal und damit auch medial – wie das Echo in den USA ausfällt, liegt ja auf der Hand – mit harten Worten einiges Öl ins Feuer gegossen. „Ich möchte“, so wird sie zitiert, „im Stadion keine Killer sehen!“ Dieses Pauschalurteil, das russische SportlerInnen wie Fans inkludiert, ist für meine Begriffe ein ziemlich starker Tobak, der aber in Kriegs- und Krisenzeiten wie diesen einseitig genüsslich inhaliert wird. Auch wenn das neunfache Golden Girl Lasitskene ein sportpolitisches Feindbild personifiziert, auch wenn sie mit ihren Bittbriefen an IOC-Chef Thomas Bach und LA-Weltverbands-Boss Sebastian Coe abgeblitzt ist, so kann man ihrer ziemlich realistischen Sicht der Dinge viel abgewinnen. Ob nur Lippenbekenntnis oder nicht, Lasitskene betont einerseits ihr Mitgefühl mit den Menschen in der Ukraine (“Sie erleben, was kein Mensch jemals erleben sollte!“), findet zum anderen aber auch, „dass der (mehrheitliche) Ausschluss Russlands vom Weltsport den Krieg keineswegs stoppt, sondern einen neuen Krieg um und im Sport entfacht!“

Wohin kalter Krieg im Sport führt, das haben ja die Reaktionen auf (politische wie kriegerische) Aktionen in den 80er-Jahren mit den Boykottspielen in Moskau und Los Angeles gezeigt. Damals haben sich die Großmächte aber selbst aus dem olympischen Spiel genommen, bis dank Vernunft und Verhandlungen erst eine mentale, dann politische Wende einsetzte. Mit politisch diktiertem Säbelrasseln wird der (Welt)-Sport aber nur auseinanderdividiert statt das Versöhnende und Völkerverbindende in ihm und durch ihn zu betonen. Ich würde wetten, dass weder Thomas Bach noch Sebastian Coe solch einen Kraftakt wagen würden, weil er von ihrem Klientel nicht gewünscht wird. 

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