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Skifahren

Wenn der Alpinchef im Klartext gesteht, was die Skination Nr. 1 verschlafen hat

Wenn man aus bürokratischen Gründen in Kitzbühel zu tun hat, dann macht man natürlich den Katzensprung zum fashionablen Stanglwirt, wo der Skiverband unter seiner neuen und auch alten sportlichen Führung von Herbert Mandl, Herrenchef Marco Pfeifer und Ex-Abfahrer Werner Franz zu der obligaten Pressekonferenz geladen hatte. Wer gedacht hätte angesichts der schönen, durchaus legitimen Gegengeschäftsfotos des Stanglwirt-Familienclans mit Balthasar Hauser samt tüchtiger Frauen-Generationen, das Wörtchen obligat würde Nullachtfünfzehn bedeuten, hatte sich geirrt. Na gut, über Fotomotive mit wie Zinnsoldaten aufgereihten Skistars als Blumengießer am Balkon mit Wildem Kaiser und azurblauem Himmel als Hintergrund ließe sich womöglich ebenso streiten wie über ein aus der Mottenkiste geholtes Boxtraining (früher einmal in Wörgl).

Unbestritten aber war und bleibt, dass zunächst Triple-Olympiasieger Matthias Mayer („Natürlich ist in einer WM-Saison der WM-Titel das größte Ziel!“) und Doppelweltmeister Vincenz Kriechmayr („In unserem Sport kannst dich immer verbessern – ich mich im technischen wie im mentalen Bereich. Und dazu pushen mich die Jungen, von denen auch ich noch lernen kann!“) manch Klartext redeten, ehe Herbert Mandl die vielleicht wichtigsten Schwachpunkte, darunter auch das mitunter fehlende Nachschubproblem in der zuletzt doch nicht mehr Skination Nummer 1 mehr oder weniger ehrlich bis schonungslos ansprach.


Und das wäre, wo es doch Gold, Silber und Bronzer sowohl bei den Peking-Spielen als auch davor schon bei der Cortina-WM geregnet hatte? Mit einem Satz oder gar wenigen Worten nicht zu erklären, weil die Nachwuchssorgen zumindest punkto Skirennlauf nicht einen, sondern mehrere Stiefväter haben! So zum Beispiel, wie Mandl als nicht nur auf dem Papier immer noch, dafür jedoch keineswegs verantwortlicher Ausbildungsleiter betont, „dass auf unterer Ebene die technische Entwicklung durch die Carving-Technik verschlafen wurde – auch aus Bequemlichkeit.“ Die technischen Mängel aber, so Mandl, hätten auch mit Klimawandel und einem damit verbundenen Handicap zu tun. Inwiefern? „Weil anders als etwa bei den Norwegern mit Oslo, bei uns Skihallen fehlen, in denen die Jungen in Zeiten der Gletscherschmelze sowohl im Sommer als auch sonst in Abendstunden trainieren und die Technik perfektionieren können. Wenn du aber nach drei, vier Monaten an Sommerpause wieder Skischuhe anziehst, dann fühlen sie sich an wie Fremdkörper!“

Dabei sind eben diese, wie einst ein Firmen-Werbeslogan plakativ gesagt hat, das wichtigste Glied zwischen Ski und Knie beim Be- und beim  Entlasten. Es sei denn, man hat so viel Instinkt, Intuition, Gefühl und Technik wie Golden Boy Mayer, von dem Rivale und Freund Kriechmayr schwärmt. „Der ist drei Tag´ nach uns und mir nach Copper Mountain kommen und hat uns anderntags trotz Jetlag lauter Bestzeiten hinbrennt!“ Mit Mayer und Kriechmayr war die ganze Abfahrer-Gruppe zuletzt dreieinhalb Wochen in Chile, wo vor allem im einstigen WM66-Hotel-Ort Portillo optimale Bedingungen herrschten, ehe es zurück in die heimatliche Schneelosigkeit ging. Zum aktuellen Zeitpunkt halb so schlimm, weil da sowieso ein Konditions- und Kraftschub vorgesehen war, also Trocken- statt Pistentraining, das von der Menge des fürs Wochenende angekündigten Schneefall abhängt.

Was das oft verdammte Krafttraining bei der Jugend betrifft, so sprach Mandl auch da Klartext, dass er die Kritik an zu viel oder zu frühem Kraftarbeit für übertrieben, populistisch und falsch hält. „Natürlich muss auch der junge Körper so stark belastet werden, dass er die Belastungen auch aushalten kann, die bei Tempo 100 oder mehr auf ihn zukommen!“ Aus. Basta. Wer dabei gewogen und zu leicht befunden wird, der werde künftig ausgemustert und nicht mit Nachsicht aller Taxen mitgeschleppt, das wäre in Zeiten der Teuerungen und des Sparstifts auch gar nicht mehr vertretbar, sondern ein Gebot der Stunde. Wie gesagt – der Katzensprung von Kitz nach Going hat sich ausgezahlt, weil man Worte hörte, die man in dieser Deutlichkeit seit Jahren nicht mehr gehört hat. Was aber grundsätzlich nichts mit der alten ÖSV-Führung zu tun hat, die immerhin eine so gut finanzielle Basis schuf, damit ein Riesentross mit Sack und Pack in der südlichen Hemisphäre auf Winterschnee trainieren konnte.

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