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Wenn ein Sportminister viel redet, aber wirklich nötige Reformen nicht anspricht

Als Vizekanzler, dem erstens ein Kanzler nach dem anderen abhandenkam, der sich zweitens aber auch mit der Pandemie auf allen Ebenen bis hin zum öffentlichen Dienst herumschlagen muss, konnte sich Werner Kogler natürlich nur peripher und nicht vorrangig mit dem Sport-Ressort beschäftigen. Zumindest nicht so, wie er es als bekennender Fußball- und Ski-Fan eigentlich gewollt hätte. Na ja, man kann nicht alles im Politiker-Leben haben, vor allem, wenn man Multifunktionen ausübt.

Immerhin, zu einem großen oder eher langen Neujahrs-Interview mit einem seiner (ideologischen) Linie nicht fremden Online-Portal, hat´s schon gereicht im achten Stock des – übrigens mehrheitlich grünen, architektonisch interessanten – Regierungsgebäudes vis a vis der Urania am Donaukanal.  Wer gehofft hätte, dass Sportfreund Kogler aus sich herausgehen und dezidiert da Mängel anspricht, die beseitigt, oder Löcher, die gestopft, und Stärken, die gefestigt werden müssen, der saß einem Irrtum auf. So zwischendurch hat der Sportfan, der das TV-Gerät nur eingeschaltet hat, um Sportsendungen zu verfolgen, sowohl seine politische Klientel bedient mit Frauen vor, noch mehr Millionen ins Scheunentor, als auch die ebenso traditionelle Dachverbands- und Breitensportschiene angesprochen.


Auf manch Dinge, die unter den Nägeln brennen, ist der seit fast zwei Jahren im Amt befindliche Sport-Capo aber (natürlich) nicht eingegangen. Wie schaut´s eigentlich aus mit einem 50m-Hallenschwimmbad im Westen inklusive Salzburgs oder Südens von Österreich? Nur eine unlösbare Kostenfrage? Lächerlich angesichts dessen, dass ich nach Lokalaugenscheinen sagen kann, dass es allein im 15. Arrondissement von Paris vier bis fünf solcher Pools gibt, die Spitzenschwimmer brauchen, um mit der (Europa-)oder gar Weltspitze mitzuhalten? Gibt´s, was diese eklatanten Defizite an Rahmenbedingungen betrifft, überhaupt realistische (statt seitens des Verbandes überteuerter) Zukunftspläne?

Und wo, bitte vielmals, werden Turner(innen), Gymnastinnen, Leichtathleten, Radler trainieren, wenn ein paar Jahre nach der West-Wien-Schönbrunn-Anlage (aus der ein Parkplatz wurde) auch das Dusika-Stadion samt Nazi-Keule unter die Spitzhacke kommt, die neuen Event-Arenen aber noch im Bau sind? Hat sich der tüchtige, nicht nur redselige Sportminister jemals ein Bild gemacht, unter welch Voraussetzungen sich viele heimische Talente vor allem in der – welch ein Widerspruch in sich! – von der hohen Politik selbsternannten Sportstadt Wien gegen viele Widerstände den Weg nach oben bahnen sollen oder müssen? Hat der Minister je über den Tellerrand hinausgeschaut, warum die Mehrzahl der international erfolgreichen österreichischen Sportler abseits von topografisch bevorzugten Wintersportlern lieber die oft teure und auch mental gar nicht so leichte „Flucht“ ins Ausland antreten, damit sie unter sportlich weit besseren Voraussetzungen ihre ehrgeizigen Ziele auch verwirklichen?

Offenbar machen sich darüber nur wenige Experten wirklich Gedanken. Bevor wir aus ideologischen Motiven oder politischer Korrektheit die Millionen in mehr als dubiose Projekte stecken, sollte das Augenmerk in erster Linie einer Infrastruktur gelten, die sportlich gesehen auch deshalb untern Hund ist, weil kein Hahn danach kräht. Und vom so sportfreudigen, ja sportverliebten Sportminister bei aller Sturm-Vorliebe alles, nur kein Sturm auf die Barrikaden zu erwarten ist. Seine nichtssagenden Aussagen im Gefälligkeitsinterview zum Olympia-, WM-, EM-Jahr 2022 haben es bewiesen.

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