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Wenn sich im Sport alles auf den Kop stellt

Ehrlich gesagt, war ich mehr als neugierig, wie der FC Bayern auf die Demütigung im Pokal reagieren würde. Auch und gerade darum, weil der auf-, wach- und durchgerüttelte Serienmeister es mit Union Berlin zu tun bekam, einer Mannschaft von elf durchschnittlichen Fu0ballmännern, deren Tugenden aber jene sind, die der Tennis-Muster höchsten Werts einst so beschrieben hatte, wenn´s anders nicht geht: Beißen, spucken, kratzen! Und ich muss sagen, dass der immer noch Nagelsmann-lose Rekordmeister diesen Charaktertest in Rekordzeit von einer halben Stunde bestanden hat – aus eigener Kraft und auch ein bisserl mit Hilfe der Technik, sprich: VAR, der nach dem schnellen 3:0 den ebenso schnellen Anschlusstreffer der Berliner zu einem 3:2 wegen eines Zentimeter-Abseits annullierte. Wer weiß, was gekommen wäre, wenn…?

Ja, man kann das deshalb sagen, weil der Leu im Gegner, einmal geweckt, höchst gefährlich werden kann, das hat sich am gleichen Tag zum Beispiel beim FC Liverpool gezeigt, der vermeintlich locker 2:0 führte und am Ende noch froh sein musste, gegen den Mittelständler Brighton and Hove Albion ein Remis hu retten. Und nicht anders spielte es sich bei uns im Innkreis ab, wo unser Serienmeister Salzburg erst ein 0:1 noch in ein 2:1 verwandelte, ehe er doch noch den Ausgleich kassierte. Ja, das wären Matches für Wettfreaks gewesen, die das Spiel mit dem Risiko suchen.


Nein, nein, nicht etwa, dass ich damit auch nur die Spur irgendeines Verdachtes äußern will, ganz im Gegenteil. Vielmehr wollte ich damit darauf hinweisen, wie schnell es – aber immer noch die Ausnahme von der Regel – nach oben wie nach unten gehen kann, wenn sich eins ins andere Puzzle fügt. Sprich, wenn der eine (Klub/Spieler) zehn bis 20 Prozent unter seinem Form- und Klasse-Level bleibt und der andere (Verein, Spieler) im gleichen Maße über seinem sonstigen Niveau spielt und obendrein noch das Glück des Tüchtigen oder eine Zenti- bis Millimeterentscheidung zu seinen Gunsten hat.

Dann kommt´s eben zu solchen Ausreißern, wie wir das im Großen wie im Kleinen diese Woche nicht nur im Fußball, sondern auch im Semifinale der Erste Bank Open 500 in Wien erlebt haben. Wer hätte je gedacht, dass der US-Außenseiter Frances Tiafoe beim Stande von 3;:6, 2:5 gegen den inzwischen in Rom stationierten Südtiroler Jannik Sinner noch das Match drehen könnte – gegen jenen Sinner, der seit Wochen ein Turnier nach dem anderen gewonnen, keinen Satz verloren und den Sprung unter die Top 10 geschafft hatte. Aber manchmal genügt halt im Sport der eine oder andere Schlag, mit dem alles auf den Kopf gestellt wird, vermeintliche Papiertiger in den Leu verwandelt, der einmal geweckt eben besonders gefährlich wird. Auch das macht ja die Faszination des Sports aus, dass bei und mit ihm immer wieder Gesetze, Schablonen und Stereotype außer Kraft gesetzt werden. Wetten, dass dem so ist…

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