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Wider den Unfug, der mit Statistiken und Bilanzen getrieben wird

Da wir bekanntlich gerne alles übernehmen, was aus den USA kommt, dem Land der unbegrenzten Möglich-, manchmal auch Dummheiten, trifft das auch auf den Sport zu. Zwar sind´s trotz vieler Anstrengungen weniger die typisch amerikanischen Sportarten wie Football oder Baseball, die hierzulande ausgenommen Super-Bowl-Hysterie nicht wirklich Fuß fassen konnten und können, vielmehr haben statistisches Zahlenmaterial in jeder Form und bezifferte Bilanzen aller Arten immer mehr digitale und televisionäre Hochkonjunktur.

Natürlich mascherlt das Zahlenspiel in graphischer Darstellung auch Fernsehe-Analysen und mediale Diskussionen auf, zu selten aber geht´s dabei ans Eingemachte, sprich: wie viele der gewonnen oder verlorenen Zweikämpfe haben wozu geführt, wie viele der Pässe, vormals Passes, waren nur Alibi und wie viele hatten vorentscheidenden Assist-Charakter hier usw. Ich will damit sagen, dass es sich hier um Quantifizierrungen handelt statt um spielerisch-sportliche Qualitätskriterien. Und das setzt sich ja auch in allerlei Europapokal- oder Länderspiel-Vorschauen fort, wenn die Bilanzen von Duellen ins Spiel gebracht werden, was mitunter blanker Unsinn ist, wenn die Mehrzahl an Siegen oder Niederlagen fünfzig und mehr Jahre zurückliegt.


Und aus welchen Motiven auch immer hab´ ich jetzt beim Surfen im Internet entdeckt, dass unser aller Franco Foda vor dem WM-Doppelpack in Torshavn und Kopenhagen auf Platz 2, jawohl Platz zwei, der erfolgreichsten österreichischen Fußball-Teamchefs rangiert – ex aequo mit dem Wunderteam-Hugo-Meisl und nur hinter einem gewissen Karl Stotz, was ja keineswegs einer gewissen Ironie entbehrt. Jener erst vor wenigen Jahren verstorbene Ex-Internationale, Ex-Ausria-Trainer und Gentleman-Teamchef hatte 1981 die Österreicher zur WM  82 nach Spanien geführt, welches er selbst allerdings nur aus der TV-Perspektive (oder als Urlauber) erlebte. Der damalige ÖFB-Präsident Karl Sekanina, genannt „Mittelstürmer der Nation“, weil er gerne mit Aktionen vorpreschte, servierte Stotz nach der Qualifikation mit einem 0:0 in Sofia gegen Bulgarien und trotz seiner Erfolgsbilanz kurzerhand ab.

Hand aufs Herz, weder mit den Resultaten, die Stotz aufzuweisen hatte (u. a. 4:3 gegen England, 2:1 in Portugal), noch mit dem attraktiven Fußball, den die damalige Legionärstruppe (Krankl, Schachner, Prohaska, Pezzey, Kreuz, Schachner, Hintermaier, Welzl etc.) spielte, können Foda und sein Team mit Ausnahme der exzellenten zweiten Euro-Hälfte gegen Italien auch nur ansatzweise konkurrieren. Und damals, ohne jetzt in gute, alte Zeiten zu verfallen, spielte der Ostblock-Fußball mit vereinten und nicht in Neo-Verbände aufgesplitteten Teams a la Sowjetunion und Jugoslawien eine ganz andere Rolle als heutzutage. Abgesehen davon, dass Färöer oder andere Zwerge a la San Marino noch gar nicht auf der Fußball-Landkarte zu finden waren.

Soweit also noch ein kurzer Ein- und Rückblick auf Statistiken, die uns allerdings in einem immer größeren und immer weniger repräsentativen Ausmaß zu überschwemmen und dann und wann auch in die Irre zu führen drohen. So unzulässig es ist, den Gegenwartsfußball mit allem gesellschaftlichen wie fortschrittlichen Drum und Dran mit dem der Vor- wie Nachkriegszeiten zu vergleichen, so falsch wäre es, bei Statistiken und Bilanzen halt nur Eins und Eins zusammenzuzählen. Wer meint, mit solchen Zahlenspielereien auch Teamchef Franco Foda einen Freundschaftsdienst erweisen zu müssen, dürfte auch Birnen mit Äpfeln verwechseln. Sollte er nicht mit zumindest einen Sieg bei den Färingern und ohne Debakel iun Dänemark heimkommen, würde die allzu einfach hochgerechnete Erfolgsbilanz ganz sicher wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Mit Getürktem kommt niemand ans Ziel…

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