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Zum Tode von Max Mosley – umstrittene Herkunft, brillanter Advokat, pragmatische Figur

Max Mosley ist tot, mit 81 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Die Nachricht vom Tod des früheren Formel-1-Tramchefs und FIA-Präsidenten hat bei mir deshalb Betroffenheit ausgelöst, weil ich Max in den Zeiten meiner langjährigen GP-Berichterstattung gut kennengelernt hatte. Wenn er sich mit uns Österreichern unterhielt, dann parlierte Max fast selbstverständlich im besten, nein: perfekten Deutsch, das er in seinen zwei Jahren als Gymnasiast in der Schule Schloss Stein nahe dem Chiemsee in Bayern gelernt und nie mehr vergessen hatte. Er verleugnete diese Kenntnisse in der Nachkriegszeit ebenso wenig wie seine umstrittene Herkunft. Max war der Sohn des englischen Faschistenführers und Hitler-Bewunderers Sir Oswald Mosley und dessen zweiter Ehefrau Diana Mitford, geschiedene (Bier-Dynastie) Guinness, die wieder eine Cousine der Frau des britischen Premierministers Sir Winston Churchill war, seines Zeichens erbitterter Hitler- und Nazi-Kriegsgegner.

Etwas verworren alles, aber Max Mosley entzog sich den Nachkriegswirren auf seine eigene Weise als Absolvent verschiedener Eliteschulen, der seine Studienrichtung wechselte, um zum promovierten Juristen zu werden. Seinen Temporausch lebte er zunächst als eher mittelmäßiger Rennfahrer aus, ehe er aus fehlenden Erfolgen die Konsequenzen zog, um mit Kollegen den MARCH-Rennstall (M-osley/A-lan R-ees/C-oakes, H-erd) auf vier Räder zu stellen. March mischte al eigenes Team, aber auch als „Boliden-Lieferant“ nicht nur in der Formel und Formel 2 mit, sondern auch in der Sportwagen-WM inklusive Le Mans und in der Indy-Car-Serie vorne mit.


Sportliche Erfolge wie kommerzielle Erträge waren Leitmotive von Max Mosley, der sich weder um ideologische Themen noch um rassistische Vorurteile scherte. Max war ein profunder Kenner der Szene und im wahrsten Sinn des Wortes ein Advokat pragmatischen Denkens und Handelns. Wär´s anders und der Faschisten-Sohn nur einen Hauch faschistoid gewesen, er hätte nie und nimmer derart enge Bande mit einem gewissen Bernie Ecclestone geknüpft, dem Briten jüdischer Abstammung, der für ihn so etwas wie ein Blutsbruder des Automobilrennsports wurde – und vice versa. Mit Ecclestone arbeitete er als Jurist manch Formel-1-Deal mit den Konstrukteuren/Teams aus, Bernie wieder machte aus Mosley den Präsidenten des Automobilweltverbandes FIA.

Wär´s nach Bernie und nicht nach der von ihm oft kritisierten britischen Innen- wie Außenpolitik gegangen, „dann wäre Max sicher ein toller britischer Premierminister geworden.“ Nachsatz: „Und sein familiärer Background wäre dabei sicher kein Hindernis gewesen!“ Wie die Geschichte lehrt, ist´s ja nie zur Probe auf dieses Exempel des emeritierten Formel-1-Bosses gekommen. Dem keineswegs zart besaiteten Bernie ging der Tod seines Alter Ego übrigens sehr nahe. „Es ist so“, gestand Ecclestone, „als hätte ich ein Stück meiner Familie verloren. Er war wie ein Bruder für mich.“ Nicht nur des Benzinbluts wegen, das beide verband…

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