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Alaba und Eröffnung eines Käfigs, den es aber schon 70 Jahre gab

Werte Blog-Leser, mit einiger Verwunderung habe ich großen Medienberichten entnommen, dass unser aller David Alaba, Team-Kapitän, Ex-Bayern- und Neo-Real-Madrid-Star, zu seinem 30er einen neuen Fußballkäfig im Arenberg-Park im dritten Wiener Bezirk eröffnet hat. Einen neuen Käfig, wie bitte? Wenn, dann handelt es sich höchstens um die Wiederöffnung eines modernisierten Käfigs, nicht mehr und nicht weniger, alles andere ist reiner Etikettenschwindel, verbunden mit einer PR für den königlich-spanischen Ballesterer, seinen langjährigen Ausrüster ebenso wie für die Gemeinde Wien, die sich nicht nachsagen lassen will, wenig bis nichts für den Sport zu tun.

Wie ich auf diese perfide Idee komme, solchen negativistischen Gedanken freien Lauf zu lassen? Sie werden´s zwar kaum glauben, aber aus eigener leidvoller Erfahrung, die fast 70 Jahre zurückliegt! Jawohl, fast 70 Jahre! Den Käfig im Arenberg Park mit zwei Toren ohne Netz und Schürfwunden, wenn man auf dem steinigen Belag ausrutschte, den gab es schon damals. Eben dort und auf der Jesuiten Wies´n im Prater, die heute durch gähnende Leere glänzt, haben wir als fußballverrückte Buben unsere Leidenschaft ausgelebt – manchmal verbunden mit blutigen Kratzern und Tränen, die schnell getrocknet waren. Dort spielten auch damals schon Jungkicker, die es dann sogar manchmal bis zur Kampfmannschaft der Wiener Austria bringen sollten wie (ich glaub, er hieß Rudi) Brandstetter, ein harter Verteidiger, gestählt im Arenberg Park.


Und mein rechtes Knie ziert heute noch eine große, vor allem breite Narbe, die allerdings nicht von einem Betonsturz stammt, sondern von einer tiefen Wunde aus dem Bastel-Unterricht im Gymnasium, die im nahen Rudolfspital neben dem Park versorgt, genäht und dick vermummt wurde. Was mich damals, eben fußball-narrisch, nicht gehindert hat, am Heimweg noch im Käfig vorbeizuschauen – und nicht nur einmal so kräftig auf den Ball zu hauen, dass die Narbe fast aufgeplatzt wäre! Damals, vor 70 Jahren, direkt unter dem Luftschutz-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Von einem neuen Käfig kann also alles, nur keine Rede sein.

Aber einem findigen Kopf muss eingefallen sein, dass sich hier – um das Neudeutsch zu verwenden – eine sogenannte Win-Win-Situation für alle direkt oder indirekt Beteiligten anbietet. Und so traf man nicht eine oder zwei, sondern gleich mehrere Fliegen auf einen Schlag. Die graugrüne Betonmauer erstrahlt jetzt im mehrfachen Alaba-Glanz als weithin sichtbare neue Graffiti- Attraktion, es gab zum Happy Birthday auch noch einen gut verkaufbaren Medientermin, bei dem sich der Hauptdarsteller auch so leger, locker und lässig präsentierte, wie sich das seine Sponsoren und sonstigen Freundschaften halt wünschen.

Da ich mich auf meine alten Tage im Neudeutsch nicht mehr so gut auskenne, war ich auch einigermaßen verwundert, dass unser Nationalteam-Hunderter andeutete, dass „er dann und wann mit Buben, Burschen oder sonst wen zocken will.“ Was immer das heißen mag. Zocken und abzocken hatte für mich bisher jedenfalls einen anderen Sinn. Heutzutage kriegt halt vieles ein anderes Etikett, damit´s schöner wirkt. Bin nur gespannt, ob vor dem Alaba-Konterfei dann mehr gekickt wird als vor dieser Neu- oder doch nur Wiedereröffnung. Da war der Platz vorm Bunker sehr oft so leer wie auf der Jesuiten-Wies´n im Prater… Warum die Renovierung im Arenberg Park erst mit 50 Jahren Verspätung begann, soll mir auch jemand erklären.

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