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Erschreckende Abwärtsspirale der ÖSV-Damen wird begleitet von nichtssagender Ratlosigkeit

Mich hat heute ein Freund angerufen und süffisant gefragt, warum keine ÖSV-Damen beim Riesenslalom in Kranjska Gora mitgefahren sind, „weil unter den Top 10 hab´ ich keine g´funden!“ Wer den Schaden hat, muss sich um Spott nicht sorgen. Und würde nicht das kommende Night-Race in Flachau rund um Hermann Maier als Event inszeniert und verkauft, angesichts der eklatanten Schwäche der heimischen Skimädels wär´s wohl ein mittlerer Flop. Anders als in früheren Jahren, in denen es mitunter auch Krisensituationen und Tiefpunkte gab, scheint diesmal  zumindest in den technischen Bewerben kein Land in Sicht, sondern der erhoffte Lichtstreifen am Horizont eher eine Fata Morgana zu sein. Wenn man den mehr oder weniger jungen, zum Großteil routinierten Ski-Damen zuhört bei den immer noch ziemlich freundlich gestalteten ORF-Interviews, dann wird eine wachsende Ratlosigkeit immer unüberhörbarer.

Je verzweifelter die immer mehr zu Statisten der Topstars Shiffrin, Vlhova, Bassino und Co. mutierten Österreicherinnen wirken, umso mehr vermisse ich eine schonungslose Analyse seitens des jahrelang verwöhnten Skiverbandes, von dessen Seite nur einmal geharnischte Kritik durch den Finanzchef, Olympiasieger und Weltmeister i.R., Patrick Ortlieb artikuliert und medial transferiert wurde. Harte Worte und scharfe Töne, die sich bei den betroffenen Läuferinnen quasi auf den Magen schlugen, als wär´s so etwas wie eine ungewünschte Einmischung in fremde Angelegenheiten, die er aus seiner und Töchterchens Erfahrung eigentlich besser wissen müsste. Ja, da gab´s Heulen und Zähneknirschen, das aber inzwischen wieder verhallt ist.

Geändert aber hat sich nichts, auch und schon gar nichts bei der vermeintlichen Nummer 1 im Technik-Team, Katharina Liensberger, die von einer Pleite in die nächste stolperte – und ausgerechnet ihr hatte man einen der besten Ski-Trainer aus dem Ausland zur Seite gestellt, damit die Doppelweltmeisterin und Team-Olympiasiegerin noch einen Schritt mehr vorwärts machen kann. Warum das mit jenem Livio Magoni nicht funktioniert, der aus Tina Maze und Petra Vlhova zwei Weltcupsiegerinnen, Weltmeisterinnen und Olympiasiegerinnen geformt hat, scheint auf den ersten Blick ein Rätsel zu sein, es sei denn, es ist eine Frage der Kommunikation, weil sich Livio und Katharina miteinander in der allerdings gängigen Fremdsprache Englisch unterhalten. Oder geht, was bei einem Ohr reingeht, beim anderen wieder raus?

Bei diesem Gedanken habe ich mich an ein Gespräch mit unserem Tennis-Tominator Muster erinnert, der vor gut zehn oder mehr Jahren in Graz ein Spezialtraining mit Tamira Paszek vorzeitig abgebrochen hatte, weil das von sich selbst überzeugte alemannische Wunderkind ein Umlernen der fehleranfälligen Vorhand mit den Worten abgelehnt hatte, „dass ich mit der Technik schon Turniere gewonnen hab und Top 30 der Welt geworden bin! Warum soll ich´s ändern?“ Was aus der zudem verletzungsgeplagten Mimi geworden ist, muss man ja nicht näher beschreiben. Nur zu hoffen, dass solch ein Los der besten heimischen Skidame der letzten zwei, drei Jahre erspart bleibt. Und glauben Sie mir – mir wär´s lieber, über Triumphe statt peinlicher Flops z<und sich munter weiter drehender Abwärtsspiralen zu schreiben.

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